Corona-Krise Wie Händler im Social Web nach Personal suchen

von Jessica Becker
Donnerstag, 19. März 2020
Edeka Kolb sucht nach Aushilfe über die sozialen Medien.
Edeka Kolb
Edeka Kolb sucht nach Aushilfe über die sozialen Medien.
Corona-Krise
Wie Händler im Social Web nach Personal suchen
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Der Run auf die Regale ist groß. Doch nicht der Nachschub ist das Problem, sondern fehlende Mitarbeiter, die die Regale wieder füllen können. Viele Händler nutzen kurzerhand die sozialen Netzwerke, um rasch Aushilfen zu bekommen.
Lebensmittelmärkte gehören zu den Geschäften, die zur Sicherstellung der Grundversorgung geöffnet bleiben. Und die Nachfrage ist enorm. Brotmischungen, Mehl, H-Milch, Teigwaren und Toilettenpapier gehören zu den aktuellen Topsellern

Um leere Regale wieder aufzufüllen, wird jeder Mitarbeiter gebraucht. Doch bei vielen Händlern herrscht Personalengpass, hervorgerufen durch Krankmeldungen oder weil Mitarbeiter zuhause die Kinder betreuen müssen. Um schnell an neue helfende Hände zu kommen, haben viele Unternehmer den Weg über die sozialen Netzwerke gewählt.

So wie Edeka-Kaufmann Denis Brüggemeier aus dem nordrhein-westfälischen Kevelaer. "Unseren derzeit hohen Krankenstand gleichen wir aus, indem Mitarbeiter in Absprache Überstunden machen, Aushilfen ihre Stunden aufstocken und 50 zusätzliche Aushilfen in unseren Märkten Ware verräumen", so Brüggemeier gegenüber der LZ. Die neuen Helfer hatte der selbständige Unternehmer via Facebook Anfang der Woche gesucht. Die Resonanz sei enorm gewesen. Nach zwei Stunden hätte er bereits rund 250 Bewerbungen erhalten. Vorwiegend von Schüler und Studenten, aber auch Mitarbeiter aus der Gastronomie, die derzeit nicht in ihrem ursprünglichen Job arbeiten können.

Den Jobaufruf hat Brüggemeier daraufhin wieder gelöscht und gegen einen Dankes-Post ausgetauscht. 



Auch Tegut nutzt die sozialen Netzwerke, um die von der Corona-Krise hervorgerufenen Personallücken zu füllen. "Verstärkung gesucht. Mit vereinten Kräften die Herausforderung meistern", titelte das Unternehmen am Montag in einem Instagram-Post. Internetnutzer, die Interesse an einem Job an der Kasse oder der Warenverräumung sind, sollen sich direkt an ihren heimischen Tegut-Markt wenden.

Das Ganze scheint zu funktionieren. Wie ein Filialleiter aus dem Wetteraukreis gegenüber der LZ bestätigt, haben bereits viele Bürger vor Ort für einen Aushilfsjob angefragt. Vorausschauend habe er jedoch schon vor zwei Wochen neue Mitarbeiter eingestellt, um die Stammbelegschaft zu unterstützen.

Edeka-Kaufmann Christoph Kolb
Christoph Kolb
Edeka-Kaufmann Christoph Kolb
Auch der Edekaner Christoph Kolb aus dem bayerischen Volkach hatte am Montag auf Instagram ein Stellenangebot gepostet. 15 Personen hätten sich daraufhin gemeldet, sechs von ihnen habe er als Teilzeitkräfte auf Saisonbasis eingestellt und arbeitet sie bereits ein. "Das ist eine reine Vorsichtsmaßnahme. Wenn die Prognose eintritt, dass zwei Drittel aller Deutschen sich mit dem Virus anstecken, werde auch ich das an meiner Belegschaft noch stärker zu spüren bekommen", betont Kolb.

Der Edeka-Kaufmann nimmt außerdem eine zunehmende Solidaritätswelle in der Bevölkerung wahr. "Es melden sich Bürger, die kostenlos bei mir im Markt mithelfen wollen", so Kolb gegenüber der LZ.

Diese Beobachtung hat auch Adrian Sperlich aus Willingen gemacht. Der Rewe-Marktinhaber berichtet, dass viele Gemeindemitglieder  vom Schüler, über Gastronomen bis hin zum Versicherungskaufmann  bei ihm anfragen. Sie alle wollen die örtliche Lebensmittelversorgung ehrenamtlich unterstützen. 

Auch Sperlich hatte sich via Facebook am Dienstag an die Bürger mit den Worten gewandt: "Auch wir suchen helfende Hände!". Vier neue, bezahlte Mitarbeiter sollen der Stammbelegschaft unter die Arme greifen.

Edeka und die Rewe Group werben im übrigen zentral seit Montag um Aushilfen. Durch ein erleichtertes Bewerbungsverfahren will Rewe insbesondere Studenten anlocken. CEO Lionel Souque ist sogar noch einen Schritt weitergegangen und hat über das interne Magazin "One" Mitarbeiter aus den Verwaltungsbereichen von Rewe aufgerufen, wenn möglich, in den Märkten auszuhelfen

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Coronavirus (Symbolbild)
imago images / ZUMA Press

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