Coronavirus Händler verzichten in der Krise auf Werbeangebote

von Redaktion LZ
Montag, 23. März 2020
Globus Baumarkt streicht seine Werbeangebote.
Screenshot: Globus-Baumarkt.de
Globus Baumarkt streicht seine Werbeangebote.
Coronavirus
Händler verzichten in der Krise auf Werbeangebote
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Die ersten deutschen Händler stoppen Werbeangebote und Rabatte. Raoul Roßmann hat sich in einem Schreiben persönlich an die Industrie gewandt, um die Entscheidung zu erklären. 

Wer aktuell die Webseite des Globus Baumarkt aufruft, sieht ein Pop-up aufploppen: "Werbeangebote nicht mehr gültig!" Dadurch sollen Mitarbeiter und Kunden geschützt, die Hygienemaßnahmen und Sicherheitsvorkehrungen verstärkt und Warteschlangen vermieden werden, steht dort geschrieben. Auch im Radio hat der Baumarktbetreiber entsprechende Spots geschaltet, um die Kunden auf den Verzicht aufmerksam zu machen.

Der Händler ist damit nicht allein: Auch Drogeriemarktbetreiber Müller hat alle Werbemaßnahmen storniert. Mitbewerber Rossmann hat seine Lieferanten kürzlich darüber informiert, dass die Printwerbung in den Kalenderwochen 14 und 15 gestrichen wird. Geschäftsführer Raoul Roßmann hat sich hierbei persönlich in einem emotionalen Schreiben an die Industrie gewandt.  

Die Werbemaßnahmen, die die Lieferanten gebucht hätten, würden nun nicht stattfinden können. Man werde sicherstellen, dass diese zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden. Das betreffe die Beilagen, aber auch andere Marketing-Maßnahmen. "Die unerwarteten Umsatzentwicklungen haben unseren Mitarbeitern im Vertrieb einiges abverlangt. Die Schulschließungen und daraus resultierende Personalengpässe haben die Situation zusätzlich verschärft", erklärt Roßmann im Brief.

Eventuell bald gängige Praxis

Der Verzicht auf Kundenrabatte ist bis jetzt nur vereinzelt im deutschen Markt zu finden, könnte in Zeiten der extrem starken Kundenströme vorübergehend aber zu einer durchaus gängigen Praxis werden, auch im LEH. Der Wettbewerb untereinander scheint ohnehin so schwach wie seit Jahrzehnten nicht. In Großbritannien dürfen Händler mittlerweile sogar Daten austauschen, eine Praxis, der auch das hiesige Kartellamt nicht abgeneigt gegenübersteht. Auf Social Media klopfen sich die deutschen Player schon jetzt gegenseitig auf die Schulter. 

Inmitten der Panikeinkäufe und Menschenschlangen, die sich im 1,5-Meter-Abstand vorwärts bewegen, scheinen Kunden ohnehin weniger auf den Preis zu achten. Ohne Rabatte können Händler in diesen extremen Zeiten, da sie nicht selten sogar die Einkaufslust der Kunden bremsen müssen, Artikel zum Teil mit besseren Margen zum Normalpreis verkaufen. Werbea
ktionen haben Brancheninsidern zufolge an sich in der aktuellen Krise ohnehin weniger Effekt, denn die Mitarbeiter kommen zum Teil mit dem Verräumen der Waren nicht nach.

Virtueller Applaus

Auch marketingtechnisch könnte die Aktion viel bringen, denn der Ton einer solchen Message passt perfekt zu Aktionen wie #gemeinsamgehtalles (Aldi Süd), #allefüralle (Kaufland), #aufunsistverlass (Rewe) oder #wirundjetztfüralle (Edeka). Jede Maßnahme, die Fürsorge gegenüber Kunden und Mitarbeitern erkennen lässt, erntet virtuellen Applaus – den kassiert auch Globus für den Rabatt-Verzicht.

Und selbst wenn die Händler die Strategie noch nicht für sich entdeckt haben, kann es durchaus sein, dass sie ihr dennoch aufgrund gesetzlicher Vorgaben folgen müssen. In Belgien hat der Nationale Sicherheitsrat vergangene Woche Rabatte und Sonderangebote in den Geschäften verboten. So soll vermieden werden, dass zu viele Menschen gleichzeitig in den Märkten shoppen gehen. Die Folge: Bei Händlern wie Aldi Nord und Marktführer Colruyt gibt es keine Rabatte mehr. Das schreiben sie auch prominent auf ihren Webseiten. (nis/acm/hjs)

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