DHBW-Umfrage Für Toptalente muss die Branche selbst sorgen

von Julia Wittenhagen
Freitag, 15. Februar 2019
Daniela Wiehenbrauk: Lehrt Digitaler Handel an der DHBW.
DHBW Heilbronn
Daniela Wiehenbrauk: Lehrt Digitaler Handel an der DHBW.
Viele Händler hoffen immer noch auf externe Kandidaten, um die Digitalisierung zu stemmen. Daniela Wiehenbrauk, Professorin an der DHBW, macht Mut zur internen Entwicklung.

Digitalisierung verändert die Arbeitswelt radikal auf drei Ebenen: Berufsbilder mit einem hohen Routineanteil verschwinden. Andere wie das Marketing werden durch digitale Technologie unterstützt. Und schließlich entstehen rund um Big Data, Blockchain und KI ganz neue Berufsbilder.

Für die Ausgestaltung des neuen Studiengangs Digitaler Handel fragte die DHBW im Vorfeld 87 Handelsunternehmen, welche Kompetenzen Absolventen brauchen, um 2025 zu den Topkandidaten im Unternehmen zu gehören. Sie konnten unter 20 Kompetenzen wählen und diese mit Schulnoten von eins bis sechs benoten.

Überraschend: An erster Stelle wird Veränderungsbereitschaft genannt, danach Kundenorientierung und Lernbereitschaft. Fachspezifisches Wissen schafft es nur auf den 13. Platz und gilt zwar als Voraussetzung, um die Digitalisierung zu schaffen. Um wirklich gut zu sein, braucht ein Talent aber Soft Skills. An letzter Stelle steht übrigens Mobilität mit Note 2,7, obwohl sie im Handel immer noch sehr wichtig ist.

Unternehmen wurden auch gefragt, wo digital kompetente Mitarbeiter herkommen sollen. Ergebnis: Nur ein Drittel der befragten Händler setzt auf die Fort- und Weiterbildung der bestehenden Mitarbeiter. Der Großteil plant, neue Mitarbeiter einzustellen. 30 Prozent der Unternehmen setzen hier an erster Stelle auf Hochschulabsolventen, 21 Prozent auf Berufserfahrene und 18 Prozent auf Auszubildende.

Problem: Das Angebot ist knapp. Der Handel leidet schon heute unter Fachkräftemangel und der Druck wird mit dem demografischen Wandel in den kommenden Jahren steigen. Eine weitere Hürde auf dem Weg sind die Erwartungen der Generationen Y und Z. Sie wollen von den Arbeitgebern umworben und müssen anders motiviert werden als vorherige Generationen, um ihre Kompetenzen voll einzubringen. Daniela Wiehenbrauk hält es daher für extrem wichtig, dass die Unternehmen die entsprechend einladende Kultur schaffen. "Wünsch Dir etwas wäre schön – in diesem Umfeld muss es aber eher heißen: Tu etwas! Schnell!"

Dass Kompetenz ein Mix aus fachlichem Wissen, Können und Wollen ist, macht sie am Beispiel Kundenorientierung deutlich: "Der Mitarbeiter muss wissen, was den Kunden umtreibt – dazu gehört beispielsweise, dass er weiß, was eine Persona oder eine Customer Journey ist. Der Mitarbeiter muss dieses Wissen durch geeignete Marketingmaßnahmen anwenden." Und er müsse motiviert sein, das zu tun. Die Art der Wissensvermittlung habe sich natürlich verändert in Richtung Gruppenarbeit, Fallstudien und digitale Medien. Was junge Leute zu beruflichem Engagement motiviert, dagegen nicht. In einer Umfrage antworteten die Studierenden am häufigsten: Eine Person, mit der sie sich identifizieren können, die relevant für sie ist. Was nichts anderes heißt als: Führungskräfte müssen selbst mit ihren Kompetenzen brillieren, dann ziehen die Mitarbeiter nach.

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