Expansion Nonfood-Discounter breiten sich aus

von Dirk Dietz
Donnerstag, 18. Januar 2018
Der niederländische Nonfood-Filialist Action tritt optisch wie ein Hard-Discounter alter Schule auf - sehr zweckmäßig mit Neonlicht, Sprenkelfliesen und einfachen Regalen. Eine Filiale bietet etwa 6000 Artikel, nur ein Drittel sind fest im Sortiment.
L. Heimrath
Der niederländische Nonfood-Filialist Action tritt optisch wie ein Hard-Discounter alter Schule auf - sehr zweckmäßig mit Neonlicht, Sprenkelfliesen und einfachen Regalen. Eine Filiale bietet etwa 6000 Artikel, nur ein Drittel sind fest im Sortiment.
Erst haben sie den Lebensmittelhandel erobert, nun tummeln sich immer mehr Billiganbieter im Nonfoodsegment. Ob Hema, Action oder Tedi - die Strategie, mit günstigen Lifestyle-, Saison- und Haushaltsartikeln Verbraucher zu locken, geht anscheinend auf. Auch wenn einige Betreiber wie Black.de inzwischen wieder vom Markt verschwunden sind.

Sie heißen Action, TK Maxx, Tedi, Kik oder Zeeman und haben nur ein Ziel: sich so schnell wie möglich in Deutschland auszubreiten. Fast im Wochenrhythmus eröffnen die Unternehmen neue Läden – Nonfood-Discountformate aller Art erobern Deutschland in atemberaubender Geschwindigkeit. Dabei lassen sie sich auch von dem Aus für Black.de im November 2017 nicht aufhalten. Noch einen Monat zuvor hatte die Tedi-Tochter getönt, in diesem Jahr 120 bis 130 neue Standorte eröffnen zu wollen.

Auch die Expansionsziele der verbleibenden Billigfilialisten sind ehrgeizig. Bis zum Jahr 2022 will Textildiscounter Kik in seinem europäischen Reich die Filialzahl von derzeit 3439 auf stolze 5000 Geschäfte hochtreiben. Auch der Dortmunder Discounter Tedi stürmt derzeit durch Europa, um ebenfalls in absehbarer Zeit über 5000 Filialen zu gebieten – was fast eine Verdreifachung der aktuellen Zahl der Geschäfte bedeutet. Und der Würzburger Filialist Euro-Shop, der anders als sein Name nahelegt, nur in Deutschland agiert, überschritt Ende 2017 die Zahl von 300 Läden, um sogleich als neue Zielmarke 500 Filialen auszugeben.


Deutschland ist so sehr zum Discountparadies geworden, dass auch die Niederländer mit Action, Zeeman und Hema bei ihren östlichen Nachbarn bevorzugt investieren und zwischen Flensburg und Rosenheim das größte Potenzial für ihre Expansionsphantasien ausgemacht haben. An günstigen Ladenflächen scheint kein Mangel. Action und TK Maxx gehen gern in Geschäfte, die andere räumen mussten und die sonst schwer zu vermieten wären. In Offenbach am Main etwa zog TK Maxx in einen Standort, den Elektronikfachhändler Saturn aufgegeben hat. Der Textildiscounter Kik übernahm 34 ehemalige Standorte des insolventen Bekleidungsfilialisten Charles Vögele. Tedi begnügte sich mit zwölf, übernahm kürzlich aber zusätzlich 63 Xenos-Standorte in Toplagen.

Wie lange der Boom der Nonfood-Discounter anhält, ist nicht absehbar. Und ob sie am Ende zu den Gewinnern gehören, ist ebenfalls eine offene Frage. Aktuell stagniert der Nonfood-Markt. Oder er wächst vor allem da, wo die meisten Nonfood-Filialisten nicht sind: im Online-Handel, der um 7,4 Prozent zulegte. Für das Jahr 2015 auf 2016 diagnostiziert Martin Langhauser, Director GfK Shopper, ein äußerst schwaches Wachstum im stationären Handel von 0,6 Prozent auf 169 Milliarden Euro. Und ein Nonfood-Bereichsleiter eines Handelsfilialisten drückt es so aus: "Das Nonfood-Volumen stagniert, der Markt wächst nicht mehr." Ähnlich sieht es Thomas Roeb, Professor für Handelslehre an der Hochschule Bonn-Rhein Sieg: "Einen Boom gibt es nur für einzelne Konzepte, aber nicht für den Gesamtmarkt Nonfood." Im Internet machen sich die genannten Filialisten erstaunlich rar – noch. Denn um eine Verzahnung der verschiedenen Handelskanäle kommt heute niemand mehr herum. Davon ist jedenfalls der Handelsexperte Joachim Stumpf von der BBE Handelsberatung in München überzeugt.

Der Discounter Lidl, der bundesweit tausende Filialen betreibt, scheint das begriffen zu haben. Der Neckarsulmer Niedrigpreisanbieter hat sich mit seinem breiten Nonfood-Angebot inzwischen auf Platz 23 der 100 größten deutschen Online-Händler vorgearbeitet und viele bekannte und ältere Namen der Handelsbranche hinter sich gelassen. Zum Beispiel Galeria Kaufhof, Karstadt oder Real.


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