Drohender Fachkräftemangel Noch gelingt der Personalaufbau

von Julia Wittenhagen
Freitag, 12. Oktober 2018
Arbeitsmarktforscher begrenzen den Fachkräftemangel auf Ballungsräume und Kleinbetriebe. Doch der Mangel an Nachwuchs wird rasant zunehmen.

Im Januar 2018 arbeiteten 2,4 Millionen Menschen im Handel. Das sind acht Prozent (182 000) mehr als 2014. 115 000 von diesen   neuen Beschäftigten sind Fachkräfte. In der Nahrungs- und Genussmittelindustrie verzeichnet das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) einen ähnlich starken Beschäftigungsaufbau (um 46 000 auf 700 000). "Einen flächendeckenden Fachkräftemangel sehe ich nicht", sagt IAB-Forscher Alexander Kubis, "aber die Besetzung dauert länger." Nur in Ballungsgebieten und Kleinbetrieben gebe es Probleme. Wie attraktiv der Arbeitgeber ist, wie stabil die Arbeitsplätze sind und ob das Gehalt zum Leben reicht, zähle.

Schon jetzt werden ältere Mitarbeiter länger beschäftigt und die Alterung der Belegschaft ist aufgrund der demographischen Entwicklung nicht zu stoppen. "Hier muss man neue Wege im Umgang mit körperlicher Belastung finden und mit Personalentwicklungsmaßnahmen ansetzen", sagt Kubis. Es sei zu erwarten, dass der Mangel an Azubis und Nachwuchskräften rasanter als bisher zunehme, weil zwei Effekte aufeinandertreffen: schrumpfende Jahrgänge der Jungen treffen auf wachsende Rentnerjahrgänge. "Die Betriebe haben keine Erfahrung mit derart beschleunigten Prozessen", glaubt Kubis. Zudem sei absehbar, dass der Zustrom von Arbeitskräften aus Europa als ausgleichender Faktor zurückgeht. "Bulgarien, Italien oder Spanien nehmen eine ähnliche demographische Entwicklung wie wir." Bei Arbeitssuchenden aus Drittstaaten, dazu gehören Geflüchtete, sei die Qualifikation oft nicht wunschgemäß. Nachqualifikation sei essenziell für Integration und den Erhalt der sozialen Systeme. "Den Großteil der Bildungsinvestitionen müssen der Staat und Unternehmen leisten."

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