Duales Studium Handels-Hochburg in Heilbronn

von Julia Wittenhagen
Freitag, 15. Februar 2019
Bachelor mit Handels-Expertise: Graduiertenfeier 2018 an der DHBW.
DHBW Heilbronn
Bachelor mit Handels-Expertise: Graduiertenfeier 2018 an der DHBW.
Die Duale Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) am Standort Heilbronn ist mit rund 300 Bachelor-Absolventen pro Jahr die größte Handelshochschule Deutschlands. Sie könnte noch mehr Plätze anbieten, wenn der Nachwuchs Interesse hätte.

Die Studenten der DHBW Heilbronn verdienen rund 1 000 Euro im Monat und verschwinden manchmal monatelang vom Campus: Sechs dreimonatige Studieneinheiten wechseln sich mit sechs dreimonatigen Praxisphasen bei Edeka, Rewe, Lidl, Globus, Denns, Müller, Norma, Kaufland, Real und Co ab. "Unsere Studierenden sind geprägt durch ihre Praxiserfahrung. Durch den Austausch untereinander gewinnen sie ein übergreifendes Bild über das Geschehen im Einzelhandel und bekommen ein gutes Gefühl für die unterschiedlichen Kulturen", sagt Stephan Rüschen, seit 2013 Professor im größten Bereich "Konsumgüterhandel Food" an der Hochschule.

Nonfood, Fashion Management und Digitaler Handel heißen die drei anderen Studienrichtungen am Fachbereich BWL-Handel, der zwölf Professoren beschäftigt. Der ehemalige Metro-Manager Rüschen verspricht praxisnahe Lerneinheiten in kleinen Kursen mit maximal 30 Personen. 60 Prozent der Dozenten kommen aus Firmen. "Das stellt sicher, dass wir am Puls der Zeit sind." Dies gelte auch für Themen rund um Digitalisierung. "Da haben wir es besser als Berufsschullehrer, die plötzlich E-Commerce-Kaufleute ausbilden sollen", ist Rüschen überzeugt. "Wir sind tief drin in den Themen." Betriebliche Fragestellungen bilden fast immer die Basis für Projekt- und Bachelorarbeiten. "Leider unterliegen sie meist einer Verschwiegenheitsklausel. Daher dürfen wir kaum etwas veröffentlichen." Weitere Einblicke bieten Exkursionen zu neuen Playern und Konzepten. Neben Fachwissen werden auch Schlüsselkompetenzen wie Präsentationstechnik vermittelt, neuerdings sogar ein Benimm-Knigge. Der Austausch zwischen Profs und Studenten ist eng. "Früher habe ich mich gewundert, warum meine Kollegen keine Sprechstunde anbieten. Aber wir sind eigentlich permanent im Kontakt mit den Studierenden", sagt Rüschen. Auch die Arbeitgeber der jungen Leute kommen spätestens dann nach Heilbronn, wenn die DHBW zu den "Retail Innovation Days" mit vielen Vorträgen aus Praxis und Lehre einlädt. In diesem Jahr finden sie am 26./27. Februar statt.

DHBW Heilbronn

80 Prozent der dualen Studenten sind filialorientiert eingesetzt und zwischen 18 und 30 Jahre alt. "Alle technischen Neuentwicklungen finden sie extrem spannend", beobachtet Rüschen. Daher waren die 20 Plätze im Studiengang Digitaler Handel, der erst seit vergangenen Oktober angeboten wird, gleich ausgebucht. "Die Nachfrage wird stark steigen", glaubt Rüschen. Die Schwarz-Stiftung als Bildungsmäzen in Heilbronn baut den Campus derzeit kräftig aus. "Wir könnten noch mehr junge Menschen ausbilden", sagt Rüschen. "Problem ist, dass die Händler ihre vorangemeldeten Plätze häufig nicht besetzt bekommen." Sprich: Sie würden gern viel mehr Kandidaten ein duales Studium anbieten, finden aber nicht genug Interessenten.

Rüschen macht das etwas ratlos: "Der Handel ist die Branche, in der man am schnellsten Personalverantwortung bekommt. Dass man mit 23 Jahren 50 Mitarbeiter führt, ist keine Seltenheit. Und das ist doch die spannendste Aufgabe in der BWL." Außerdem kämen Frauen gut voran. "Vor allem im Vertrieb."

Sie haben Fragen oder Anmerkungen zu diesem Artikel?
Schicken Sie eine Email an die Redaktion.

Hier können Sie die Nutzungsrechte an diesem Artikel erwerben.

Meistgelesen

stats