Kaufmann im E-Commerce Neuer Beruf steht in den Startlöchern

von Silke Biester
Mittwoch, 30. August 2017
Online-Shops funktionieren anders als Läden. Deshalb gibt es bald einen eigenständigen Beruf.
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Online-Shops funktionieren anders als Läden. Deshalb gibt es bald einen eigenständigen Beruf.
Ab August 2018 soll es die ersten Auszubildenden für den neuen Beruf "Kaufmann im E-Commerce" geben. Mit Hochdruck arbeiten alle Beteiligten daran, das Verfahren voranzutreiben. Erste Azubis werden gesucht.

Mit dem Beginn des aktuellen Ausbildungsjahres startet die Suche nach Nachwuchskräften für 2018. Im Handel kann dann erstmals der neue Beruf "Kaufmann im E-Commerce" ausgebildet werden. Aktuell wird daran allerdings noch gefeilt, das Gesetzgebungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen. Dennoch trommeln Branchengrößen wie die Otto-Group bereits auf der eigenen Karriere-Website dafür: "Wenn du schon immer wissen wolltest, wie der digitale Handel bei einem führenden Online-Händler funktioniert, dann ist dieser Beruf genau das Richtige für dich", heißt es bei den Hamburgern.


Auch Mediamarkt-Saturn hat begonnen, die Neugierde potenzieller Azubis zu wecken. "Dieser neue Ausbildungsberuf ist nicht nur inhaltlich spannend und abwechslungsreich, sondern aufgrund des steigenden Wachstums im Online-Handel äußerst attraktiv und zukunftssicher", sagt Birgit Popp, Bereichsleiterin Personal- und Organisationsentwicklung. Die beiden genannten Händler haben einen gewissen Vorsprung beim Recruiting: Sie zählen zu den Initiatoren, die zusammen mit dem Handelsverband Deutschland (HDE) sowie dem Bundesverband E-Commerce und Versandhandel (Bevh) daran gearbeitet haben.

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HDE/Hoffotografen

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Die Eckpfeiler sind also längst eingeschlagen, Sachverständige von Arbeitgebern und Gewerkschaften sowie vom Bundesinsitut für Berufsbildung (BIBB) haben einen Ausbildungsrahmenplan entwickelt. Doch sind im Detail immer noch Änderungen möglich. So wurde etwa bei der offiziellen Abstimmung von Bund und Ländern am vergangenen Freitag weiter an Formulierungen gefeilt. Vor dem tatsächlichen Startschuss mit Veröffentlichung im Bundesanzeiger müssen die Länderkammern sowie der Hauptausschuss des BIBB noch zustimmen, es wird eine Rechtsförmlichkeitsprüfung geben und ein Staatssekretär – dessen Name erst nach den Bundestagswahlen feststehen kann – muss den Prozess besiegeln.

Infos für interessierte Unternehmen

Mit dem endgültigen Ergebnis ist Ende 2017 zu rechnen. Erst dann können Verbände wie der HDE oder Bevh den Unternehmen eine verbindliche Umsetzungshilfe an die Hand geben. Parallel zum Zulassungsverfahren sind die Verbände längst aktiv, um die Unternehmen zu informieren. Der HDE stellt die wesentlichen Fakten diese Woche der Presse vor. Und der Bevh fokussiert das Thema beim Fachkräftetag der Branche am kommenden Montag.

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Diese Inhalte prägen das Berufsbild:
• Definition des digitalen Geschäftsmodells für den Betrieb
• Shopmanagement
• Online-Sortimentsentwicklung
• Online-Kaufabschluss
• Fullfillment
• Online-Beratung, Kundenservice
• Online-Marketing
• Analytics, BI, Controlling
• Rechtskonformität, Datenschutz

Hinzu kommen integrative Themen:
• Berufsbildung, arbeits- und sozialrechtliche Vorschriften
• Organisation des Ausbildungsbetriebs
• Sicherheit und Gesundheitsschutz
• Umweltschutz
• Bedeutung, Struktur E-Commerce
• Kommunikation und Kooperation
• Projektorientierte agile Arbeitsweisen im E-Commerce
Grundsätzlich könnten alle Betriebe E-Commerce-Kaufleute ausbilden, die Waren- oder Dienstleistungen online mit allen für den Beruf profilgebenden Prozessen abbilden. „Die Funktion des Ausbilders sollte derjenige im Betrieb übernehmen, der sich um den Shop oder die Online-Plattform kümmert“, erklärt Martin Groß-Albenhausen, Stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Bevh. Denn der Ausbilder muss über die beruflichen Fertigkeiten und Kenntnisse verfügen. Gegebenenfalls müsse er die Prüfung zur Ausbildungseignung absolvieren. „Für unsere Branche ist der neue Beruf identitätsstiftend“, freut sich Groß-Albenhausen auf den Fachkräftenachwuchs.

Er rechnet nicht damit, dass von Anfang an Start-ups massenhaft ausbilden. Vielmehr glaubt er , dass viele mittelständische Unternehmen, die traditionell zu den Ausbildern der Nation zählen, die Mehrzahl der Ausbildungsplätze anbieten werden, um sich so Personal für die eigene Weiterentwicklung zu sichern.

Wieviele Azubis ab 2018 einen Vertrag erhalten, ist schwer abschätzbar. Auch ist nicht sicher, welche Berufsschulen gleich dabei sind. Auch sie müssen entsprechendes Know-how sicherstellen, gegebenenfalls Fortbildungen durchführen. Alle Unwägbarkeiten bestätigen gewissermaßen den Erfolg: Noch nie konnte ein Beruf in Deutschland von der Idee bis zum Gesetz so schnell umgesetzt werden.

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