Fachkräftemangel Ausbildung lohnt sich auch in der Krise

von Julia Wittenhagen
Dienstag, 09. Juni 2020
Bisher ein Bewerbermarkt: Auszubildende von Rewe International beim Persönlichkeitsseminar.
Franz Neumayr
Bisher ein Bewerbermarkt: Auszubildende von Rewe International beim Persönlichkeitsseminar.
Fachkräftemangel
Ausbildung lohnt sich auch in der Krise
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Wie sich Corona auf das Angebot an Ausbildungsplätzen in diesem Jahr auswirkt, ist noch unklar. Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) geht von einem Rückgang aus, legt Betrieben aber mit einer neuen Kosten-Nutzen-Rechnung die Nachwuchssicherung besonders ans Herz.
So seien die Nettokosten der Betriebe im Ausbildungsjahr 2017/2018 im Vergleich zur letzten Erhebung 2012/2013 nur leicht auf 6.478 Euro pro Azubi und Jahr gestiegen.

Die Investitionen der Betriebe zahlten sich aber insbesondere bei Übernahme der Auszubildenden aus. Denn dann sparen Betriebe Rekrutierungskosten von rund 10.000 Euro, die bei der Gewinnung von externen Fachkräften anfallen sowie zusätzliche Weiterbildungs- und Einarbeitungs­maßnahmen. 90 Prozent der Betriebe bilden laut BIBB Auszubildende mit der Absicht aus, alle oder zumindest einen Teil von ihnen auch zu übernehmen. In der früheren Untersuchung lag dieser Anteil bei 83 Prozent.

Im Ausbildungsjahr 2017/2018 entstanden den Betrieben im Durchschnitt pro Auszubildendem und Jahr Bruttokosten in Höhe von 20.855 Euro. Davon entfielen 12.806 Euro (61 Prozent) auf die Personalkosten der Auszubildenden und 4.935 Euro (24 Prozent) auf die des Ausbildungspersonals. Anlage- und Sachkosten schlugen mit 4 Prozent und sonstige Kosten mit 11 Prozent zu Buche. Zu letzteren gehören Kammergebühren, Kosten für externe Lehrgänge und die Ausbildungsverwaltung.

Zieht man von den Bruttokosten die Erträge der Auszubildenden in Höhe von durchschnittlich 14.377 Euro pro Jahr ab, die sie bereits während ihrer Ausbildung für den Betrieb erwirtschaften, so ergeben sich für das Ausbildungsjahr 2017/2018 für die Betriebe durchschnittliche Nettokosten von 6.478 Euro pro Jahr und Auszubildendem. Bei etwa 28 Prozent der Auszubildenden überstiegen die Erträge aber die Bruttokosten. Das heißt, sie erwirtschafteten Nettoerträge für ihre Ausbildungsbetriebe.

Zwischen den Ausbildungsbereichen zeigen sich jedoch erhebliche Unterschiede. Die höchsten Nettokosten fielen im Öffentlichen Dienst (10.870 Euro) sowie in Industrie und Handel (7.039 Euro) an. Im Handwerk (5.578 Euro), den Freien Berufen (4.700 Euro) und der Landwirtschaft (3.898 Euro) waren sie deutlich niedriger. Auch die Bruttokosten lagen im Öffentlichen Dienst (25.045 Euro) sowie in Industrie und Handel (22.217 Euro) am höchsten, im Handwerk mit 17.992 Euro am niedrigsten.

Die BIBB-Erhebung zeigt auch, dass sich die Verfügbarkeit von Fachkräften auf dem regionalen Arbeitsmarkt für die Betriebe in den letzten Jahren verschlechtert hat - dies gilt insbesondere für kleinere Betriebe.

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