Fachkräftemangel Personallücken schließen mit Studenten

von Julia Wittenhagen
Freitag, 28. Juni 2019
Logistik, Handel, Call-Center: Typische Einsatzorte für Aushilfen von der Uni
Studitemps
Logistik, Handel, Call-Center: Typische Einsatzorte für Aushilfen von der Uni
In Zeiten des Fachkräftemangels müssen alle Arbeitsmarktreserven aktiviert werden und dazu zählt das junge Unternehmen Studitemps die knapp drei Millionen Studierenden in Deutschland. Die Zeitarbeitsfirma hat sich auf die relativ komplizierte Zielgruppe spezialisiert und deckt schon in 22 Uni-Städten kurzfristigen Personalbedarf von Kunden wie Edeka Nord oder Paradies Eis in Hamburg.

Viele Studenten würden gern jobben, finden aber aufgrund der verschulten Studiengänge nicht die zeitlich dazu passende Arbeitsstelle. Unternehmen wiederum müssen Auftragsspitzen oder Urlaubszeiten personell überbrücken, scheuen aber den Aufwand, viele Aushilfen mit kleinem Stundenbudget zu beschäftigen. Studitemps sieht sich als Vermittler zwischen beiden Welten. Haupteinsatzgebiete sind Call-Center, Einzelhandel und Logistik.

"Wir versuchen, die Wünsche von Studierenden mit den Wünschen von Unternehmen in Einklang zu bringen", skizziert Eckhard Köhn die Idee. Er ist einer der vier Geschäftsführer des 2008 gegründeten Personaldienstleisters. "Uhrzeit, Wochentag, Umfang und Ort müssen genau zum Studienpensum passen." Auch mit dem zeitlichen Horizont von einem Semester und Wünschen wie "ich brauche in zwei Wochen einen Job" sei Studitemps vertraut. "Damit können normale Personalabteilungen nichts anfangen", weiß Köhn. Wenn jemand nur Dienstag abends Zeit hat zu jobben, dafür in den Semesterferien aber Vollzeit, suche Studitemps genau für dieses Zeitfenster den oder die passenden Jobs. "Und wenn ein Händler zweimal die Woche abends Verstärkung braucht, dann bieten wir ihm eben zwei Studenten an", erklärt er. Spitzen sind abgedeckt und das Aushilfspersonal nicht überfordert.

Eckhard Köhn: Der CEO von Studitemps sieht noch viel Potential für eine auf Studenten spezialisierte Zeitarbeit.
Studitemps
Eckhard Köhn: Der CEO von Studitemps sieht noch viel Potential für eine auf Studenten spezialisierte Zeitarbeit.

"Noch müssen wir Vorbehalte auf Arbeitgeberseite überwinden, weil Unternehmen so viele, kleinteilige Personaleinsätze nicht gewohnt sind und den Aufwand für die Einarbeitung fürchten." Dabei biete Studitemps vor allem Entlastung: "Wir managen für unsere Kunden eine große Menge von Teilzeitstellen im rechtlichen Rahmen der Zeitarbeit. Das heißt, wir stellen ein und rechnen ab, können aber auch Komplettlösungen anbieten." So überlassen einige Händler Studitemps komplett die Auswahl und Schulung von Mitarbeitern oder die Besetzung bestimmter Schichten. "Außerdem ist es unser Job, die unerfahrene Masse der Studierenden für ein verbindliches Arbeitsleben vorzubereiten." Noch ein Argument findet Köhn wichtig für den Einsatz von Studenten: "Wir vermitteln junge Leute mit schneller Auffassungsgabe und gutem technischen Verständnis in die Firmen." Es könne sich lohnen, diese Kandidaten für das Unternehmen zu begeistern. "Es ist das gleiche Personal, um das Logistiker oder Händler nach dem Erwerb des Bachelor- oder Mastertitels am Arbeitsmarkt mühsam werben."

Von den 2,9 Millionen Studierenden in Deutschland arbeiten bereits 1,9 Millionen Teilzeit, beschreibt er den Markt. "Oft hat ihnen Onkel Günther den Job vermittelt, was heißt, dass sie in der Gestaltung ihrer Arbeitszeit oft sehr eingeschränkt sind." Studitemps biete ein größeres Spektrum leicht zu erlernender Tätigkeiten oberhalb des Mindestlohns. "Unsere Dienstleistung bezahlt das Unternehmen." Edeka Nord gehört zu den Kunden: "Wir greifen auf die Dienstleistungen von Studitemps zurück und setzen die Studenten am Wochenende in unserem Lager ein", bestätigt Sprecher Max Jendrik Sachau. "Bisher haben wir ausschließlich gute Erfahrungen mit dem Dienstleister gemacht."

10 000 Studenten hat Studitemps im Sommer 2018 vermittelt, 20 000 waren es über das Jahr verteilt. 125 Mio. Euro Lohn wurden seit der Gründung an sie ausbezahlt. Aktuell hat Studitemps 8 000 junge Leute auf der Payroll. "90 Prozent der Suchaufträge, die wir annehmen, können wir auch besetzen", versichert Köhn. An die Grenzen stoße man bei schlecht bezahlten Frühschichten und Einsatzorten auf der grünen Wiese.

Gegründet wurde Studitemps 2008 von zwei WHU-Absolventen mit der Online-Jobbörse Jobmensa als Kernidee. 2010 erweitere das Startup seinen Service auf die Überlassung von Studenten. Heute beschäftigt das Kölner Unternehmen an 22 Standorten plus Zentrale mehr als 350 Mitarbeiter. Zu den Investoren gehören die Holtzbrinck Ventures. Mit Blick auf die Niederlande und Schweden, wo die Dienstleistung viel bekannter ist, will Studitemps noch kräftig wachsen: Köhn strebt eine Präsenz in 80 Uni-Städten an. So viele Standorte erfüllen die Kriterien hohe Studentenzahl, guter ÖPNV und wirtschaftliche Aktivität.

Zur Wachstumsstrategie für die nächsten zehn Jahre gehört, sämtliche Dienstleistungen zu digitalisieren, damit Studenten und Unternehmen wählen können zwischen Online-Abwicklung und persönlicher Beratung. Außerdem will man den Kontakt zum akademischen Nachwuchs mit "Jobeinstieg by Studitemps" auf Absolventen erweitern.

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