Fluktuation Schwarz-Gruppe fordert Personaler

von Silke Biester
Freitag, 09. Oktober 2020
Recruiter: Stehen in der Schwarz-Gruppe genauso unter Erfolgsdruck wie Einkauf oder Vertrieb
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Recruiter: Stehen in der Schwarz-Gruppe genauso unter Erfolgsdruck wie Einkauf oder Vertrieb
Fluktuation
Schwarz-Gruppe fordert Personaler
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Der aktuelle Nachhaltigkeitsbericht der Schwarz-Gruppe bietet auch reichlich Transparenz zum Thema Personalstrategie und Beschäftigtenzahlen bei Lidl und Kaufland.

Zahlen sagen mehr als Worte, würden wohl die meisten Kaufleute sagen. Das Prinzip lässt sich auch anwenden, wenn man sich mit soften Themen wie Unternehmenskultur und Personalstrategie befasst. Der gerade veröffentlichte Nachhaltigkeitsbericht der Schwarz-Gruppe hat für beide Bereiche Aussagekraft.

Von 458 355 Mitarbeitern weltweit wurden 122 109 im vergangenen Jahr neu eingestellt. 107 848 Mitarbeiter haben das Unternehmen verlassen. Das entspricht einer Fluktuationsrate von 24,2 Prozent! Über die Gründe verrät der Bericht nichts. Bekanntlich ist die Fluktuation in der gesamten Branche hoch. Doch ein knappes Viertel der Belegschaft Jahr für Jahr ersetzen zu müssen, ist sicher eine beachtliche Aufgabe für die Personalverantwortlichen. Ein gutes Viertel der Neuen (27,2 Prozent) ist in Deutschland hinzugekommen, der Großteil (88 889 Beschäftigte) wurde international eingestellt. Insgesamt sind 65 Prozent der "Neuen" unter 30 Jahre alt und nur 4 Prozent über 50. 57,3 Prozent sind weiblich.

Der Nachhaltigkeitsbericht legt auch offen, dass die Bedeutung aktueller Strategien zur Mitarbeiterbindung beim Management angekommen sind. "Unseren Mitarbeitern bieten wir ein sicheres und von Chancengleichheit geprägtes Arbeitsumfeld. Wertschätzen heißt für uns auch: Wir fördern nicht nur die Gesundheit und das Wohlbefinden unserer Mitarbeiter, sondern auch ihre Weiterentwicklung", wird betont. Vorausschauende Personalplanung habe für die Gruppe einen zentralen Stellenwert angesichts von Fachkräftemangel und demografischem Wandel.

Die bedarfsgerechte Aus- und Weiterbildung wird als wesentlicher Baustein genannt, um qualifizierte Mitarbeiter zu gewinnen und zu halten. Ganzheitliche Personalentwicklung soll sich positiv auf die Reputation als Arbeitgeber auswirken und die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens stärken: "Wir investieren in lebenslanges Lernen. Wir wollen mit Aus- und Weiterbildung Perspektiven öffnen, motivieren und Potenziale entfalten." Insbesondere zum Umgang mit Nachhaltigkeitsthemen sollen alle Beschäftigten bis 2022 befähigt werden. Ein entsprechendes modulares Schulungssystem befindet sich im Aufbau. Es wird Schulungen zu CSR- und Nachhaltigkeitsthemen wie Abfallvermeidung, Lebensmittelverschwendung, Menschenrechte, Plastik und Rohstoffe beinhalten. Jeder Einzelne soll in seinem jeweiligen Aufgabengebiet die Kompetenz erhalten, nachhaltig zu agieren.

Neu aufgesetzt wurde zudem ein Job-Rotations-System zur ganzheitlichen Qualifizierung, an dem bislang die Geschäftsbereiche GreenCycle, Kaufland, Lidl und die Schwarz-Dienstleistungen beteiligt sind. Mitarbeiter übernehmen dabei für einen Zeitraum von bis zu zwei Jahren in einer anderen Sparte eine Funktion mit Fach- oder Führungsverantwortung.

Die Verantwortung für die Weiterentwicklung des einzelnen Mitarbeiters liegt in der Gruppe vor allem bei der Führungskraft und dem Mitarbeiter selbst. Traditionell sind die Männer bei Schwarz schneller vorangekommen – wie in den allermeisten anderen Unternehmen auch. Gruppen-Chef Klaus Gehrig spricht sich aber seit geraumer Zeit für Frauenförderung aus. Die Personalverantwortlichen sollen entsprechende Ziele in den Talentmanagementsystemen berücksichtigen. Diese unterstützen bei der gezielten Führungskräfteentwicklung.

"Diversität bereichert die SchwarzGruppe. Der Einsatz für Vielfalt und Chancengleichheit ist daher eine Grundhaltung des Unternehmens", kommt Melanie Köhler in dem Bericht zu Wort. "Wir glauben an gemischte Teams und schaffen daher ein Umfeld, das verschiedene Denkweisen und Kulturen ermöglicht und wertschätzt." Die erst vor Kurzem ins Amt gekommene Vorstandsvorsitzende der Schwarz-Dienstleistungen ist als junge Frau das lebende Beispiel dafür, dass Gehrig es ernst damit meint, mehr Managerinnen in Top-Positionen bringen zu wollen. Dass es bis zur tatsächlichen Chancengleichheit im gesamten Unternehmen dennoch ein weiter Weg ist, zeigt ein weiterer Blick in die Zahlen: 67,9 Prozent der Mitarbeiter ohne Leitungsfunktion sind Frauen, im Management sind es noch 40,7 Prozent, im höheren Management 18 Prozent. Das Top-Management ist zu 12,3 Prozent weiblich. 87,7 Prozent der obersten Entscheider sind Männer.

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