Führungskrise Wenig CEO-Wechsel in der heißen Phase von Corona

von Julia Wittenhagen
Donnerstag, 10. September 2020
Auf dem vorläufigen Höhepunkt der Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 beriefen Aufsichtsgremien europaweit ein Drittel weniger neue
Firmenchefs als ein Jahr zuvor. Dies zeigt eine Studie zu Covid-19 der Beratungen  Bain & Company und Spencer Stuart.
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Wenig CEO-Wechsel in der heißen Phase von Corona
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"Viele Unternehmen scheuen in Phasen wirtschaftlicher Unsicherheit den Wandel", erklärt Bain-Partner Dr. Imeyen Ebong. "Vielmehr wird beim Topmanagement auf Kontinuität gesetzt." Doch das sei nicht immer die richtige Entscheidung. "Längst überfällige Kursänderungen verzögern sich, zugleich können Wachstumschancen versäumt werden." Die Unentschlossenheit der Aufsichtsgremien ist laut Studie nur ein Faktor. Ein anderer ist die Beharrlichkeit der CEOs. "Viele Unternehmenslenker wollen die Firma, die sie mit aufgebaut und etabliert haben, selbst durch die Krise steuern", stellt Floriane Haas-Falanga von Bain, fest. "Zudem sind sich die Kontrollgremien oft uneins über die künftige Unternehmensstrategie, die Anforderungen, die Vorstandsvorsitzende erfüllen müssen, oder mögliche Nachfolgeregelungen." In der Regel erreicht die Anzahl der Führungswechsel erst zwei Jahre nach dem Tiefpunkt der jeweiligen Wirtschaftsflaute wieder das Vorkrisenniveau. In Europa hat jedoch schon im Juni die Zahl der neu ernannten Firmenchefs wieder leicht zugenommen. In ihrer Studie kommen Bain und Spencer Stuart zu dem Schluss, dass sich Kontrollgremien in Krisenzeiten auf drei wesentliche Punkte konzentrieren
sollten: Einen Notfallplan für den Fall eines plötzlichen Ausscheidens des CEOs etwa durch Krankheit. Eine genaue Analyse der  Krisenperformance und die Definition von Anforderungskriterien für die CEO-Nachfolgeplanung. Für die amtierenden Vorstandsvorsitzenden wiederum gilt es, in der Krise eng mit dem Aufsichtsrat zusammenzuarbeiten und den Fokus auf wenige Handlungsfelder zu legen. Dazu gehören eine Rezessionsstrategie, effektive Kurzfristmaßnahmen und die Anpassung linearer Planungsprozesse und Langzeitstrategie an die sich schnell verändernden Gegebenheiten. Vorausschauende Vorstandsvorsitzende testen und fördern Managementtalente, indem sie diese in herausfordernden, neuen Aufgabenbereichen einsetzen und dabei mögliche Nachfolger im Auge behalten.

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