Gehalts-Check in der Food-Produktion In diesen Sektoren verdienen Führungskräfte am meisten

von Julia Wittenhagen
Montag, 26. April 2021
Die Getränke- oder Süßwarenindustrie setzt verstärkt auf Akademiker und Akademikerinnen bei Führungsaufgaben, die besser bezahlt werden.
IMAGO / Westend61
Die Getränke- oder Süßwarenindustrie setzt verstärkt auf Akademiker und Akademikerinnen bei Führungsaufgaben, die besser bezahlt werden.
Gehalts-Check in der Food-Produktion
In diesen Sektoren verdienen Führungskräfte am meisten
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Exklusiv für die LZ hat die Personalberatung Rau Consultants analysiert, wie viel man in welchen Sektoren der Ernährungsindustrie als Führungskraft verdient, was verlangt und gesucht wird. Ein Sektor sticht bei der Vergütung besonders heraus. Managing Partner Matthias Hennig hat Erklärungsansätze.


Mit der Leitung einer großen Schokoladenfabrik verdient man tendenziell mehr als der einer Großbäckerei. Das ist eines der zentralen Ergebnisse der Zahlenanalyse von Rau Consultants. Regelmäßig erstellt die Beratung für die Lebensmittel Zeitung Gehalts-Checks und gibt damit eine Orientierung, was man in typischen Stellenprofilen der Lebensmittelindustrie verdienen kann. Exklusiv für die LZ ist Managing Partner Matthias Hennig nun noch tiefer eingestiegen in die Vergütungswelt der Produktion: Er schlüsselt die Gehälter nach Sektoren auf und da zeigen sich deutliche Unterschiede. 

Zunächst erklärt Hennig die Abgrenzung der Funktionen: Die Betriebsleitung hat die operative Leitung für kleine Standorte mit bis zu 200 Mitarbeitern. Wer die Leitung eines Werks übernimmt, hat ein etwas anderes Profil: Dort geht es meist darum, größere Einheiten mit breiteren Hierarchien zu betreuen. Daher gehört viel Menschenführung zum Job. Diese beiden Funktionen steuern im Unterschied zur Produktionsleitung sowohl Produktion als auch Technik.

Auffällig sind Gehaltsunterschiede je nach hergestellten Warengruppen. Warum das so ist, kann Hennig nur vermuten: "In Deutschland sind insbesondere die Back- und Fleischindustrie eher handwerklich geprägt. Und wer im Handwerk seine Ausbildungsjahre verbringt, hat womöglich nicht so große Ansprüche beim Wechsel in die Industrie."

Die Getränke- oder Süßwarenindustrie setzt dagegen eher auf Akademiker bei Führungsaufgaben, die besser bezahlt werden. Die Produktion ist automatisierter, die technischen Anforderungen sind dementsprechend höher. Molkereibetriebe stehen zwischen beiden Sektoren. 

Matthias Hennig: Managing Partner bei Rau Consultants
Rau Consultants
Matthias Hennig: Managing Partner bei Rau Consultants

Besonders durchlässig seien die Branchen nicht für wechselwillige Fachkräfte. "Gerade die Molkereibranche nehme ich als relativ abgeschlossen wahr", sagt Hennig. Führungspositionen würden fast ausschließlich mit Leuten besetzt, die in irgendeiner Form in ihrer Ausbildung mit Milch zu tun hatten. Das können Milchtechnologen sein, Molkereifachleute oder Absolventen des milchwissenschaftlichen Zweigs der Lebensmitteltechnologie. Ähnlich, aber abgeschwächt, verhalte es sich in der Fleischindustrie. "Hier haben auch Köche sehr gute Chancen, weil handwerkliches Knowhow und Produktwissen gefragt sind." Am offensten zeige sich die Backwarenindustrie in den Führungspositionen für andere Ausbildungshintergründe.

Nachwuchskräften mit Ambitionen auf einen Posten als Betriebsleiter oder Werksleiter gibt er den gleichen Rat – egal ob sie lieber Bier, Wurst oder Kuchen herstellen: "Je höher man aufsteigen möchte, desto wichtiger wird die akademische Ausbildung. Es empfiehlt sich ein technologischer Studiengang, nicht Betriebswirtschaft. Es sei denn, man hat vorher die passende Lehre gemacht."

„Je höher man aufsteigen möchte, desto wichtiger wird die akademische Ausbildung“
Matthias Hennig

Allgemein gehe der Trend hin zu höheren Ausbildungsabschlüssen. "Immer mehr Schüler schließen mit der Hochschulreife ab und entscheiden sich für ein Studium." Infolgedessen drängen immer mehr Akademiker in die Leitungsfunktionen der Ernährungsindustrie. "Meister sind bei den Werksleitern fast schon die Ausnahme", weiß Hennig. Das gelte bei großen Konzernen umso mehr.

Was den Markt für Produktions-Jobs angeht, war 2020 natürlich ein untypisches Jahr. "Im Vergleich etwa zur Automobilindustrie ist die Branche sehr krisensicher. Schlüsselpositionen, wie der Werksleiter, wurden selbstverständlich nachbesetzt, neue Stellen dagegen nur sehr zögerlich geschaffen." Auf Mitarbeiterseite bremse die wirtschaftliche Unsicherheit den Wechselwillen, aber wer in Kurzarbeit ist, schaue sich um.

Besondere digitale Kompetenzen werden laut Hennig im Gegensatz zur Automobilindustrie bisher selten gefordert. "Gesucht werden Leute, die sich mit gängigen modernen Methoden wie TPM oder Lean Management gut auskennen, die die Produkte verstehen und Führungserfahrung besitzen." Roboter fahren bei den meisten Herstellern noch nicht durch die Hallen. "Dennoch sind Digital Natives mit Affinität zur Automatisierung von Prozessen natürlich hochwillkommen."

Wer die Branche nicht für sonderlich fortschrittlich hält, dem kann Hennig von einem neuen Phänomen berichten: Betriebsleiter im Teilzeit-Homeoffice. Er ergänzt aber schnell, dass die Sicherheit und Aufrechterhaltung der Produktion in der Corona-Situation maßgeblich dafür ist und nicht New-Work-Konzepte. Auch eine Frauenquote wird es in Produktionsjobs bis auf weiteres nicht geben: "Wie viele Frauen ergreifen den Fleischerberuf, wie viele kommen in Führungspositionen an? Das geringere Interesse der Frauen an technischen und handwerklichen Berufen zieht sich von der Ausbildung bis zum Beruf durch. Das zeigt auch der Blick auf die Ingenieursstudiengänge", so Hennig. Was nicht heiße, dass Frauen bei seinen Auftraggebern keine Chance hätten. "Früher wurden ausdrücklich Männer gesucht. Das hat sich gewandelt."

Wie sich Ernährungstrends auf den Bewerbermarkt auswirken, vermag Hennig noch nicht abzuschätzen. Berührungsängste mit Fleischkonsum könnten jedoch relativ schnell Folgen haben. "Wenn das Handwerk stirbt, wird es weniger Auszubildende geben." Dass die Fleischindustrie am Image arbeite, sei notwendig. Wer zweigleisig fahre mit einer vegetarischen Sparte, halte sich am Bewerbermarkt alle Optionen offen. "Das Gleiche gilt für Molkereien und milchalternative Produkte." Empfehlen kann er die Lebensmittelindustrie mit Nachdruck, "weil man irgendwann im Supermarktregal sieht, was man produziert hat."

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