Frauen und Karriere Workshop rüttelt an Gender-Mythen

von Julia Wittenhagen
Freitag, 31. August 2018
Sehr engagiert trugen Ende August rund 90 Frauen und Männer ihr Wissen dazu zusammen, welche Glaubenssätze weibliche Karrieren vereiteln und wie man dagegen vorgehen kann. Eingeladen hatten das Frauennetzwerk Lead, Procter & Gamble und das SZ-Magazin Plan W.

"Frauen fehlt das Selbstvertrauen. Frauen wollen gar nicht Karriere machen." Oder: "Es gibt nicht genug gut qualifizierte Frauen." Pauschalurteile wie diese dienen manchen Unternehmen immer noch als Rechtfertigung dafür, dass sich in höheren Führungsetagen nur Männer finden. So wurden von 84 frei werdenden Vorstandspositionen im vergangenen Jahr 89 Prozent mit Männern besetzt. Obwohl der Nutzen von Diversität für Führungsstil und Unternehmenskultur erkannt ist, gilt es immer noch viele gläserne Decken einzureißen, machte Führungs-coach Insa Klasing zu Beginn des Workshops deutlich. Insofern traf das Thema "Gender-Mythen versus Realität" einen Nerv bei Mitgliedern und Gästen des Netzwerks Lead (Leading Executives Advancing Diversity), das sich an FMCG-Managerinnen richtet. Procter & Gamble war wie im Februar Gastgeber, um die Regionalgruppe von Lead "ein bisschen anzuschieben", so Sprecherin Gabriele Hässig.

Straff ging es zur Sache: Im Acht-Minuten-Takt wechselten 10er-Gruppen von Tisch zu Tisch, um dort angeleitet von spannenden Moderatorinnen wie P&G-Vertriebs-Geschäftsführerin Astrid Teckentrup, Virginia Bastian von Nestlé oder Veronika Pountcheva von Metro sieben Mythen zu widerlegen und daraus praktische Empfehlungen abzuleiten. "Das Führungsbild ist männlich. Also auch die Erwartung an das Verhalten", nannte Insa Klasing als ersten Fallstrick. Astrid Teckentrup machte das am Mythos "Frauen können keine harten Entscheidungen reffen", fest. "Ist hart überhaupt notwendig? Ist gut nicht besser? Oder muss man den Stil situativ anpassen?" Aus der Diskussion an ihrem Tisch sei hervorgegangen, dass Männer schneller entscheiden, Frauen dafür nachhaltiger. "Es hat mit der Situation zu tun, was man als gut empfindet." Die Gruppe von Virginia Bastian, HR Group Manager bei Nestlé, diskutierte, ob Frauen Karriere wollen. Ein Ergebnis: "Karriere darf nicht heißen, im Alter zwischen 30 und 45 möglichst 80 Stunden in der Woche zu arbeiten." Allerdings müssten Frauen zur Lösung beitragen, indem sie das Thema Zeit besetzen und sich besser um ihre Selbstvermarktung kümmern. Transparentere Beförderungskriterien, sichtbare weibliche Vorbilder und Mentoring wurden ebenfalls auf die Diversity-Agenda gesetzt. Auch was Männer von Frauenförderung haben könnten, war Thema: Neben mehr Erfolg im Beruf weniger Erwerbslast und glücklichere Partnerinnen.

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