Gleichberechtigung Bildung ja, Führung nein

von Silke Biester
Donnerstag, 05. März 2020
Von gleichen Chancen für Männer und Frauen auf dem Arbeitsmarkt kann nicht die Rede sein. Das dokumentiert der aktuelle Report des WSI-Instituts der Hans-Böckler Stiftung.

Der WSI-Report stellt den Stand der Gleichstellung in den Bereichen Bildung, Erwerbsarbeit, Einkommen, Zeit, Sorgearbeit und Mitbestimmung dar. Bei der schulischen Bildung haben Frauen inzwischen die Nase vorn. Kaum mehr Unterschiede gibt es beim höchsten Bildungsabschluss, unabhängig ob duale oder akademische Ausbildung. Auch bilden sie sich beruflich ähnlich häufig weiter. An betrieblich organisierten Weiterbildungsmaßnahmen nehmen Frauen allerdings seltener teil als männliche Kollegen.

Bei der Erwerbsquote haben Frauen mit 72 Prozent stark aufgeholt, sind aber häufiger geringfügig beschäftigt und seltener selbstständig. Männer arbeiten zu 80 Prozent. Die bevorzugte Wahl von Dienstleistungsberufen ist oft Ausgangspunkt schlechterer Bezahlung. Pro Arbeitsstunde verdienen Frauen im Schnitt 21 Prozent weniger als Männer. Niedrigeinkommen unter 2000 Euro Brutto beziehen 25 Prozent erwerbstätiger Frauen und 14 Prozent der Männer.

In Teilzeit arbeiten 46 Prozent der Frauen und 11 Prozent der Männer. Die durchschnittlichen Wochenarbeitszeiten betragen 38,7 Stunden pro Woche gegenüber 30,5 Stunden. Nach der Geburt eines Kindes arbeiten 95 Prozent der Väter weiter in Vollzeit, aber nur 28 Prozent der Frauen. Unbezahlte Arbeit wie Haushalt und Pflege macht bei Frauen 45 Prozent an der Gesamtarbeitszeit aus; bei Männern hingegen nur 28 Prozent. Die oberen Führungspositionen sind zu 74 Prozent männlich besetzt, Vorstandsposten zu 92 Prozent. In Aufsichtsräten der 160 größten Unternehmen erreichen Frauen die 30–Prozent-Quote.

Schlagworte zu diesem Artikel:

Sie haben Fragen oder Anmerkungen zu diesem Artikel?
Schicken Sie eine Email an die Redaktion.

Hier können Sie die Nutzungsrechte an diesem Artikel erwerben.

Anzeige

Meistgelesen

stats