Weltfrauentag Gender auf der Agenda

von Julia Wittenhagen
Montag, 08. März 2021
Alles Kollegen? Bei Rewe, Otto, Beiersdorf und Weleda gibt man sich mit der männlichen Wortform nicht mehr durchweg zufrieden.
Violeta Stoimenova/iStock
Alles Kollegen? Bei Rewe, Otto, Beiersdorf und Weleda gibt man sich mit der männlichen Wortform nicht mehr durchweg zufrieden.
Weltfrauentag
Gender auf der Agenda
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Wenn der Weltfrauentag naht, wird lauter als sonst diskutiert, ob Unternehmen schon alle Register ziehen, um ihre Mitarbeiterinnen genauso zu fördern wie ihre Mitarbeiter. Potenzial bietet noch die Sprache, indem Absolventinnen, Expertinnen oder Geschäftsführerinnen gezielter adressiert werden.

Reicht es, Frauen weiter mitzumeinen, wenn man von Managern und Kollegen spricht, oder dient es der besseren Sichtbarkeit und Verständlichkeit, Managerinnen und Kolleginnen sprachlich einzubeziehen? Egal, ob durch Nennung beider Formen, Binnen-I, Gender-Stern, -Doppelpunkt oder Pause vor den "innen" im gesprochenen Wort. Diese Frage lässt sich offenbar immer schwerer eindeutig beantworten: "Wir übernehmen Verantwortung für unsere Kolleg*innen, Konsument*innen, Marken, die Gesellschaft und unsere Umwelt", beschreibt Beiersdorf seine Werte im Internet. Auch auf der neuen Rewe-Group-Website taucht der Gender-Doppelpunkt vereinzelt auf.

Für Feministinnen, Gleichstellungsbeauftragte, Schulen, Unis und öffentliche Behörden ist "Gendern" ein alter Hut. 2021 erlangt er aber durch mindestens zwei Geschehnisse neue Aufmerksamkeit: Im Fernsehen, etwa der Heute-Sendung im ZDF, wird plötzlich die gesprochene Gender-Pause Usus und damit für ein Millionenpublikum zum neuen Alltag. Moderatorin Petra Gerster berichtet allerdings von wütenden Zuschriften. Für einen weiteren Paukenschlag sorgte die Duden-Redaktion, bislang die Instanz schlechthin für korrekte Sprache, im Januar: Online lässt sie neuerdings Begriffe wie Verkäufer oder Leiter nur noch als Berufsbezeichnung für Männer durchgehen und nicht mehr als "generisches Maskulinum", das sowohl Männer wie Frauen einschließt.

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Dass Unternehmen zumindest um eine Diskussion um "geschlechtergerechte Sprache" nun kaum noch umhin kommen, ist schnell erklärt: Frauen sollen in der Wirtschaft sichtbarer werden, stärker in Führungspositionen vertreten sein. Dabei könnte es helfen, nicht nur "Gruppenleitern für ihren tollen Einsatz in der Pandemie" zu danken, sondern auch Gruppenleiterinnen.

Zweitens machen sich immer mehr Unternehmen für Diversität und Inklusion stark. Dabei kann gendergerechte Sprache ein Baustein mit Außenwirkung sein, denn der Gender-Stern gibt allen Geschlechtsidentitäten eine Heimat. So launcht die globale Personalberatung Mercer Promerit gerade die Kampagne "Remember to gender". Für Deutschland-CEO Norman Dreger ein Herzensthema: "Für unsere Kommunikation wollten wir einen Standard festlegen und gleichzeitig Haltung zeigen." Natürlich sei das ungewohnt und müsse noch eingeübt werden. Auch frage sich mancher Berater, wie der Gender-Doppelpunkt beim Kunden ankommt. "Aber wir wissen aus verschiedenen Studien, dass Diversität, Gleichberechtigung und Inklusion ein wichtiger Treiber für Unternehmenswachstum sind." Ziel der neuen Kampagne sei es, auch extern an diesem Grundverständnis zu arbeiten.

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Theo Stepp weiß als Pressesprecher von Weleda, wie kompliziert Stringenz beim Thema Gendern ist, auch wenn die Sensibilität im Unternehmen wächst. "Die HR-Abteilung hat sich ausführlich damit beschäftigt, aber im Geschäftsbericht verzichten wir auf geschlechtergerechte Sprache zugunsten der besseren Lesart." Mit einer Agentur soll nun von Werbeanzeige bis Podcast an einer Lösung gearbeitet werden.

Eine geschlechtsneutrale Sprache allein ändert nichts, wenn nicht auch an den praktischen Zugangsbarrieren für Minderheiten gearbeitet wird, erklärt Gabriele Hässig, Sprecherin bei Procter & Gamble. Sie nennt Programme, die Frauen für MINT-Berufe begeistern, Absolventinnen technischer Studiengänge Stipendien gewähren, Mentoring-Angebote und Workshops. Konzernweit seien Teams und Führungspositionen – ganz bewusst – sehr heterogen zusammengesetzt. Selbst Werbekampagnen nutze P&G, um geschlechtsspezifische Vorurteile aufzudecken. Im März werden weltweit Workshops zum Thema ‘Equality & Inclusion’ dazu beitragen, "alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen weiter zu sensibilisieren und den Bias zu reduzieren", sagt Gabriele Hässig. "Jeder und jede soll sich einbezogen fühlen und ein Umfeld vorfinden, indem man ganz bei sich selbst sein kann." Marke könne Wandel treiben "und Sprache kann das auch".

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