Gleichberechtigung Nestlés Frauennetzwerk trifft Bedarf

von Julia Wittenhagen
Donnerstag, 01. April 2021
Das erste Treffen: Am Weltfrauentag vor einem Jahr konnte Nina Ligons (l.) noch zu einer Präsenzveranstaltung einladen.
Nestlé Deutschland
Das erste Treffen: Am Weltfrauentag vor einem Jahr konnte Nina Ligons (l.) noch zu einer Präsenzveranstaltung einladen.
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Nestlés Frauennetzwerk trifft Bedarf
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Wenn der Gesprächsbedarf groß ist, kann eine Netzwerkgründung auch in der Pandemie gelingen, zeigt der Female Circle bei Nestlé Deutschland. Das Gründungstreffen am 8. März 2020 konnte gerade noch physisch stattfinden.

Das Netzwerk definiert sich als Anlaufstelle "von Frauen für Frauen", unabhängig von Alter, Hierarchie und Standort. Nina Ligons, Managerin für Prozessoptimierungen in der Supply Chain und für Nestlé Deutschland, gehört zu den Initiatorinnen und Organisatorinnen. 40 Frauen kamen zum ersten Treffen. Ein Weltfrauentag später, am 8. März 2021, sind es schon 100, obwohl Treffen nur noch per Videokonferenz möglich sind.

An den prominenten Talkgästen allein, CEO Marc Boersch und Personalchef Ralf Hengels, liegt das nicht. Denn der Female Circle hat ein Bedürfnis getroffen, ist sich die Mit-Initiatorin Nina Ligons sicher. "In dem Moment, wo wir Frauen uns austauschen, profitieren alle davon. Wir inspirieren uns gegenseitig, und es wird auch für das Unternehmen transparenter, was uns bewegt."

Hilfe bei der Karriereentwicklung, beim Aufbau von Selbstvertrauen, bei Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Teilzeitarbeit, sowie Mentoring, Vernetzen nennt sie als wichtige Anliegen der Frauen. "Manchmal fehlen die Informationen und Ansprechpartner, manchmal die Vorbilder." Die Frauen-Community bestimmt die Themen der Sessions immer selbst und lädt zusätzlich externe Referentinnen zur Inspiration und Erweiterung des Netzwerks ein. "So hat uns der Vortrag einer Kollegin aus Skandinavien wirklich Ideen vermittelt zu neuen Arbeitsmodellen", sagt Ligons.

Sie versteht den Female Circle als geschützten Raum für die Frauen bei Nestlé. Er mache es leichter, sich zu öffnen, eigene Problemsituationen zur Diskussion zu stellen und so vom kollegialen Coaching zu profitieren. "Es geht uns nicht darum, Forderungskataloge für den Vorstand aufzustellen." Gleichwohl glaubt sie, dass Diskussionen mit zwei Vertretern des Vorstands wie beim letzten Treffen darüber, ob Stellenzuschnitte je nach Lebensphase der Mitarbeiterinnen noch flexibler angepasst werden können, etwas anstoßen.

Der Impuls, ein Netzwerk zu gründen, hat bei der 43-jährigen Lean Market Managerin viel mit ihrem Engagement als Mentorin für zwei Kolleginnen zu tun. "Kind und Karriere: Gibt es den richtigen Zeitpunkt? Die Frage ist alt und doch immer wieder aktuell. Wir haben uns gefragt, ob es an den Informationen, dem Zutrauen oder der Unterstützung durch die Führungskräfte liegt und einen Bedarf für mehr Austausch und das voneinander Lernen gesehen."

Ligons selbst habe sich als Mutter eines 15-jährigen Sohnes die Frage, Familie oder Beruf zum Glück nie gestellt. "Ich hatte immer unterstützende Führungskräfte und habe Vollzeit gearbeitet." Nestlé unterstütze Vereinbarkeit mit einem Bündel an Maßnahmen. Gleichberechtigung und Diversität seien fest in Unternehmensprinzipien und Personalstrategie verankert. Der Anteil der Frauen an Führungspositionen bei Nestlé Deutschland liegt bei 29 Prozent. Ein guter Grund das im "Gender Balance Aktionsplan" bis Ende 2022 angestrebte Ziel von 30 Prozent bald nach oben zu korrigieren.

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