Google for Jobs Suchmaschine will Stellenmarkt aufmischen

Mittwoch, 22. Mai 2019
Nüchterne Infos: Wer sich als Arbeitgeber emotionaler mit Bildern zeigen will, nutzt weiterhin andere Jobportale.
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Nüchterne Infos: Wer sich als Arbeitgeber emotionaler mit Bildern zeigen will, nutzt weiterhin andere Jobportale.
Google hat heute eine Stellensuche-Funktion in Deutschland gestartet. Nutzer erhalten ab sofort nach Eingabe passender Suchbegriffe eine Übersicht über Stellenausschreibungen, die auf Partnerseiten veröffentlicht wurden.

Mit dem Klick auf eine Stellenanzeige im oberen Teil der Google-Suchergebnisse werden ihnen weitere Informationen wie Jobbeschreibung und positive oder negative Erfahrungsberichte zum Unternehmen angezeigt. Suchbegriffe könnten zum Beispiel „Jobs in meiner Nähe“, „Bäcker Stellenanzeige“ oder „Lebensmitteltechniker Berlin“ sein. Anhand von Filtereinstellungen kann man die Suche zudem auf individuelle Wünsche und Fähigkeiten anpassen. Auswahlkriterien sind Teilzeit oder Vollzeit, Stadt, Branche und Unternehmen. Google nutzt für den neuen Dienst denselben Ranking-Algorithmus wie in seiner allgemeinen Suche. „Man kann kein höheres Ranking erkaufen“, beteuerte Nick Zakrasek, Produktmanager für Google Jobs, in der Pressekonferenz.

Für die Erweiterung der Google-Suche kooperiert der Internet-Konzern mit vielen Partnern, darunter Jobbörsen-Anbieter und -Plattformen wie Xing und Kununu, Azubi.de und Absolventa, Monster, und LinkedIn sowie die Frankfurter Allgemeine Zeitung und die Südwestdeutsche Medienholding, zu der die Süddeutsche Zeitung gehört. Laut Google sind bereits zum Start Hunderttausende Stellenanzeigen der Partner verfügbar. Der Internet-Konzern verspricht seinen Partnern eine höhere Zugriffsrate auf Stellenanzeigen und Arbeitgebern eine höhere Reichweite ihrer Stellenanzeige. Google will mit der neuen Funktion bis 2020 eine Million Menschen in Europa dabei unterstützen, einen Job zu finden oder ihr Geschäft zu erweitern.

Eingeloggte Nutzer sehen zudem durch die Verknüpfung mit Google Maps, wie lange sie bis zu der angezeigten Arbeitsstelle von ihrer aktuellen Position oder einem ausgewählten Ort brauchen würden. Um über neue Stellenanzeigen informiert zu werden, können sie eine e-Mail-Benachrichtigung einrichten und die Suche inklusive der Filtereinstellungen in einem Tab speichern, der über alle Geräte hinweg verfügbar ist.

In der Pressekonferenz sagte Robindro Ullah, Geschäftsführer des Trendence Instituts und Personalstratege von Absolventa, dass „die Nutzer von azubi.de sehr positiv auf die Testphase von Google for jobs in Deutschland reagiert haben“. Zakrasek räumte ein, dass der neue Service es möglich mache, die Websites der Partner zu umgehen, wies aber auf die nützlichen Zusatzinfos dort hin.

2017 startete die Stellensuche-Funktion in den USA. Heute ist sie in 120 Ländern verfügbar. Nach Angaben von Zakrasek haben dadurch seit 2017 über 100 Millionen Menschen weltweit Jobs gefunden. Der Stellenvermittlung dienen auch die kostenlosen Trainings, die online und in den Trainingszentren der Google Zukunftswerkstatt in Hamburg, Berlin und München angeboten werden und sich rund um die Themen Digitalisierung, Marketing und Persönlichkeitsentwicklung drehen. Bis heute haben mehr als zehn Millionen Menschen in der Region EMEA inklusive einer halben Million Menschen in Deutschland am Trainingsprogramm teilgenommen.

Die neue Funktion steht allen Webseiten offen, die ihre Stellenausschreibungen darin integrieren möchten. Über die technischen Details informiert Google auf der Entwickler-Seite https://developers.google.com/search/docs/data-types/job-posting.

Einige Partnerunternehmen erhoffen sich eine bessere Verbreitung ihrer Jobanzeigen. Dagegen warnen Kritiker vor einer erneuten Ausnutzung der Gatekeeper-Stellung wie bei Google Shopping. Der Stellenmarkt könnte sich durch den Netzwerkeffekt auf Google konzentrieren. Der Personalmarketing-Experte Henner Knabenreich sieht 17 von 30 Konzernen im DAX „nicht mal annähernd“ auf Google for Jobs vorbereitet. Er untersuchte für ein Buchprojekt stichprobenartig die Stellenanzeigen der DAX-30-Unternehmen mit Googles Tool für strukturierte Daten. (Autor: Ulrich Hottelet)

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