HR-Tagung Kienbaum bietet Personalern hippes Event

von Julia Wittenhagen
Freitag, 15. Juni 2018
Kienbaum People Convention: Fabian Kienbaum (r.) und Walter Jochmann (l.) luden zum Abheben in die Zukunft ein mit „Pionieren der HR-, Digital- und Innovationswelt.“ Live-Twitterwand, Musik und das offene Konzept sorgten für lockere Stimmung. Moderatin Tijen Onaran (M.) lud ausdrücklich zum „Du“ als Anrede ein.
Kienbaum
Kienbaum People Convention: Fabian Kienbaum (r.) und Walter Jochmann (l.) luden zum Abheben in die Zukunft ein mit „Pionieren der HR-, Digital- und Innovationswelt.“ Live-Twitterwand, Musik und das offene Konzept sorgten für lockere Stimmung. Moderatin Tijen Onaran (M.) lud ausdrücklich zum „Du“ als Anrede ein.
Um neue Horizonte für das Personalmanagement ging es bei der 18. Jahrestagung der Personal- und Organisationsberatung Kienbaum. "Expeditions-" und "Infusions-Runden" zu Musterbrüchen, Künstlicher Intelligenz und HR-Aufgaben boten Personalern aus der ganzen Republik einen wesentlich aufgelockerteren Rahmen als früher.

Trotz großer Hitze empfing "Chief Empowerment Officer" Fabian Kienbaum seine Gäste in spacig-silberner Jacke, um mit ihnen in der Kommende Ehreshoven, einem "Entschleunigungsmekka" abzuheben zum Erkunden neuer Dimensionen.

Gleich der erste Vortrag von EnBW-CEO Frank Mastiaux machte erlebbar, wie sich echte Disruption anfühlt: Er stieß 2012 zu EnBW, als die Energiewirtschaft "nach 100 glänzenden Jahren" sehr schnell auf den Atomausstieg reagieren musste. "Wir hatten viele sehr loyale, sehr genau arbeitende Experten, aber das falsche Betriebssystem", schildert Mastiaux die Ausgangssituation. Es galt, das Kerngeschäft um 80 Prozent abzuschmelzen, erneuerbare Energien zu verdreifachen und das Gasgeschäft aufzubauen, "wofür uns die richtigen Leute fehlten". Also machte er sich daran, Großraumbüros einzuführen, neue Einheiten zu bilden, lud Mitarbeiter zum internen Wechsel ein und Start-ups zum Innovationscampus. Mittels unzähliger Townhall-Meetings, Mitarbeiterlunches und Kaminabenden sei es gelungen, "eine Vereinbarung aus der Mitte der Belegschaft" über den neuen Weg zu treffen. "Die Leute müssen den CEO spüren, um Vertrauen aufzubauen", beschreibt er seinen Ansatz. "Nur wenn Führungskräfte authentisch sind und den Mitarbeitern vermittelt, dass sie sich selbst auch als Problemlöser sehen", gelinge die Mission. Umbau sei eine Sache von fünf Jahren plus und wenn er eines dabei gelernt habe, dann, dass die Personalabteilung nicht gut genug sein könne. Walter Jochmann, Managing Director und Partner bei Kienbaum, machte sich dafür stark, "dass HR mehr Wert liefert durch Beiträge zur Entwicklung neuer Geschäftsmodelle". Der große Zeitanteil, der für administrative Tätigkeiten draufgehe, schrumpfe in Zukunft und ziehe auch keine Talente an. Organisationsformen müssten neu überdacht werden, denn agile Netzwerke könnten nicht auf jeden Kernprozess im Unternehmen angewandt werden. Zudem würden sie viele grundsätzliche Fragen aufwerfen: "Wie macht man dort Karriere? Wie soll der Einzelne bezahlt werden?" Auch sei agil keineswegs lustig. "Das sind High Performance Organisationsformen, bei der das Ergebnis des Einzelnen nicht zählt." Führung heiße daher einerseits Fürsorge und Dienst am Team. Andererseits seien "Unternehmen ohne Game Changer zukünftig tot."

Zwischen den Vorträgen konnten die Gäste aus zahlreichen Workshops wählen zu Themen wie IT-Recruiting, Büros der Zukunft, Agilität oder Künstlicher Intelligenz. Einen eindringlichen Warnruf vor zu viel Technik-Ergebenheit gab Miriam Meckel ab. Die Herausgeberin der Wirtschaftswoche sprach darüber, "was passiert, wenn wir unser Gehirn ans Internet anschließen", wie erschreckend weit wir damit schon sind und welche Auswirkungen das auf das Individuum hat.

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