HR in Führung Handels-Personaler vernetzen sich

von Julia Wittenhagen
Mittwoch, 17. Oktober 2018
Jens Berger: Der neue HR-Geschäftsführer bei Fressnapf rief die Anwesenden Personaler dazu auf, schlechte Führung nicht mehr zu akzeptieren. Dafür sei der Druck auf dem Arbeitsmarkt zu groß.
Thomas Fedra
Jens Berger: Der neue HR-Geschäftsführer bei Fressnapf rief die Anwesenden Personaler dazu auf, schlechte Führung nicht mehr zu akzeptieren. Dafür sei der Druck auf dem Arbeitsmarkt zu groß.
Die Conference Group des Deutschen Fachverlags bekam von den rund 80 Teilnehmern des neuen Kongresses "In Führung im Handel" viel Lob. Personalthemen auf den Einzelhandel zu fokussieren mache Sinn, da nur mit guter Führung Rekrutierungsprobleme gelöst und der Amazonisierung begegnet werden kann.

"Wir HR-ler stehen stellvertretend für die größte Herausforderung, die es im Einzelhandel gibt", schwor Jens Berger, oberster Personaler bei Fressnapf, sein Publikum am Morgen ein. In vielen Regionen werde es bei Vollbeschäftigung immer schwerer, Mitarbeiter zu bekommen. Daher müssten die Personaler raus aus der Rolle des Umsetzers und rein in die des Gestalters, indem sie beispielsweise vehement gegen weitere Personalkürzungen auf der Fläche eintreten, wenn gleichzeitig die Erwartung an die Beratungsqualität steigt. Handel und Verkauf würden beim Nachwuchs nach wie vor nicht als sexy gelten. "Darum frage ich mich, wann wir Employer Branding endlich gemeinsam als Branche angehen?"

Michael Picard, der lange Jahre bei Otto Personalchef war, ermunterte die Anwesenden sogar, zum "CEO-Flüsterer" zu werden. "Sprechen Sie die Sprache des Vorstands. Transformation ist Ihre Kernaufgabe, aber Menschen hassen Veränderung. Daher brauchen Sie Unterstützung von der Spitze."

Die folgenden Vorträge aus dem Handel, von Beratern und Forschern zeigten viele Optimierungsmöglichkeiten in der Personalarbeit auf: So hat Marc O‘Polo an den Karriereprogrammen gefeilt, "um die Position des Verkäufers attraktiver zu machen", erklärte HR-Direktorin Behija Kahrup. Für den Führungsnachwuchs wurde als Schritt zwischen Filialleitung und Regionalverkaufsleitung der District Store Manager eingeführt. Neben dem eigenen Laden führt er zwei weitere auf Distanz. Auch Fachkräfte können sich weiterentwickeln durch Spezial-Kompetenzen wie CRM-Systeme, RFID-Technik (Radio Frequency Identification) oder Visual Merchandising.

"Auf der Fläche sind heute eigentlich Superwoman und Superman gefordert", sagte Uwe Seibicke von der Beratung Hachmeister & Partner. Zwischen den hohen Ansprüchen an Warenkompetenz, Einsatz digitaler Geräte, Omnichannel-Nutzung, Kennzahlenanalyse sowie persönlicher Beratung und Wertschätzung klaffe eine Lücke. Um sie zu schließen, müsse man den Mitarbeitern im untersten Glied der Pyramide Perspektiven bieten und über neue Kennzahlen sowie Bezahlmodelle nachdenken.

Birgit Miesch, HR-Direktorin für die DACH-Länder bei Douglas, stellte zusammen mit Barbara Koch vom Dienstleister Staff Solutions vor, wie sich Führungsnachwuchstrainings, E-Learning und der Arbeitsalltag in den Filialen gekonnt miteinander verschränken lassen. Dabei spielen konkrete Aufgaben, aber auch Nachbereitung per E-Learning und Telefon-Coaching eine Rolle.

Nadine Wiegratz von Metro zeigte, wie Virtual-Reality-Brillen einerseits Bewerbern Metro-Flächen näher bringen, aber auch für das Einholen von Feedbacks der Mitarbeiter genutzt werden, die damit ihre Arbeitsumgebung beeinflussen können.

Als einzig branchenfremde Referentin gab Anja Stolz, Bereichsleiterin Kundenmanagement bei der Commerzbank, Beispiele, wie sie dank konsequenter Marketing-Automation unglaublich erfolgreich neue Kunden gewinnt. Dennoch wandte sie sich entschieden gegen den Digitalisierungshype. "Die Technik ist nicht der Disruptor, sondern nur Mittel zum Zweck, dem Kunden oder Mitarbeiter näher zu sein." Sie kann sich eine neue Ära der "Humanisation" vorstellen, in der die Technik hilft, die Bedürfnisse der Menschen nach Zugehörigkeit, Vertrauen und Status zu befriedigen.

Die Kongressbesucher schätzten nicht nur viele spannende Vorträge, sondern auch neue Kontakte. "Die Veranstaltung heute führt hoffentlich dazu, dass HR-ler enger zusammenarbeiten. Ich freue mich auf den Austausch". sagte Jens Berger.

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