Härtetest Corona stresst Rewe Group

von Werner Tewes und Jan Mende
Freitag, 03. April 2020
Bleibt optimistisch: Rewe-Chef Lionel Souque.
Georg Lukas
Bleibt optimistisch: Rewe-Chef Lionel Souque.
Härtetest
Corona stresst Rewe Group
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Die Corona-Pandemie wird für die Rewe Group zum Härtetest. Nach turbulenten Wochen flacht die steile Umsatzkurve im Handel langsam ab. Die Touristik steht massiv unter Druck und hat Kurzarbeit angemeldet.

Die Corona-Pandemie hält den Handel in Atem. Für die Rewe Group entwickelt sich die Sondersituation zum Stresstest: Die Handelstöchter arbeiten unter Hochdruck an der Warenversorgung und verbuchen Umsatzsprünge, müssen aber erheblichen Mehraufwand leisten. Die Reise-Restriktionen machen der Touristiksparte zunehmend zu schaffen. Der Konzern gibt sich überzeugt, die Herausforderungen bewältigen zu können.

Wie die Entwicklung im Detail aussieht, hält Rewe noch unter Verschluss: Die für diese Woche angesetzte Bilanzvorlage für 2019 ist wegen der Pandemie auf nach Ostern verschoben. Klar ist aber, dass die Kölner über dem Strich reüssieren. Vorstandschef Lionel Souque hat bereits verkündet, dass der Umsatz mit rund 63 Mrd. Euro auf neue Rekordhöhen geklettert ist. 2018 lagen die Erlöse bei 61,2 Mrd. Euro. Nach LZ-Informationen hat das Kerngeschäft, der Handel Deutschland, überproportional zum Wachstum beigetragen. Von einem Rückgang ist auch im laufenden Jahr nicht auszugehen. Bei Rewe und Penny weisen die Umsätze bisher auch dank Corona-bedingter Hamsterkäufe teils deutlich zweistellig nach oben. In der vergangenen Woche soll in etlichen Warengruppen noch immer ein Umsatzplus von 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr erreicht worden sein.


Auf Anfrage berichtet der Konzern, dass sich die Umsatzentwicklung nun aber "wieder abschwächt". Längerfristige Entwicklungen seien zudem "nicht prognostizierbar". Einerseits könne ein höherer häuslicher Konsum die Umsätze unterstützen. "Andererseits werden sicherlich auch negative Effekte spürbar werden als Folge von Kurzarbeit, steigender Arbeitslosigkeit und einer grundsätzlich negativen Verbraucherstimmung." Teile des Konzerns fürchten, dass die Spannen bald unter Druck geraten könnten.

Intern ist zudem zu hören, dass die Akquisition von Lekkerland auf die Liquidität drückt. Ein Teil der Kaufsumme, die bei gut 800 Mio. Euro gelegen haben soll, sei aus den Reserven bestritten worden, heißt es. Fakt ist, dass Rewe zur Ausfinanzierung des Deals Ende 2019 ein Schuldscheindarlehen von 500 Mio. Euro begeben hatte. Nach LZ-Informationen soll ein höheres Volumen zwar angedacht, aber verworfen worden sein, um nicht zu viel Kapital vorrätig zu haben.

Touristik belastet

Zurzeit belastet aber die Krise der Touristikbranche die Finanzen. Für die deutschen Mitarbeiter der Tochter DER Touristik ist von April bis Ende September bis zu 80 Prozent Kurzarbeit angemeldet. Inwiefern die Rückerstattung von Vorauszahlungen für Reisen am Ende ins Kontor schlagen, ist zudem ungewiss. Die Rückabwicklung gebuchter Reisen bis Ende April soll bereits mit großem Aufwand und Kosten verbunden sein, ist zu hören.

Der Konzern verweist indes auf seine "konservative und nachhaltige Finanzpolitik. Die derzeitigen Linien der Rewe Group reichen deshalb, um die Corona-Krise auch mit einer länger anhaltenden Schließung des Touristikgeschäftes zu überstehen", so ein Sprecher. Wegen des wesentlich größeren Handelsgeschäftes liege die Liquidität der Gruppe "sogar deutlich über Plan". Marktkenner sehen in der Unterstützung der Handelssparte für DER Touristik einen Vorteil gegenüber reinen Touristikkonzernen. Tatsache ist, dass Konkurrent Tui zur Sicherstellung der Liquidität auf milliardenschwere Staatshilfen setzt.

Die Touristiksparte von Rewe steuerte zuletzt einen konsolidierten Jahresumsatz von 4,9 Mrd. Euro zu den Konzernerlösen bei. Als strategisch wichtig gilt das Geschäft, da es andere Zahlungsströme hat als der Handel. Die Gelder kommen früher und zu anderen Zeiten rein, was der Konzern vor allem vor der Niedrigzinsphase genutzt hat, um das Kapital gewinnbringend arbeiten zu lassen und die Liquidität zu steuern.

Coronavirus (Symbolbild)
imago images / ZUMA Press

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