Handelsberater im Interview "Gut möglich, dass das der Wendepunkt für E-Food ist"

von Birgitt Loderhose
Donnerstag, 02. April 2020
Rainer Münch, Leiter der Praxisgruppe Handel und Konsumgüter bei Oliver Wyman
Oliver Wyman
Rainer Münch, Leiter der Praxisgruppe Handel und Konsumgüter bei Oliver Wyman
Handelsberater im Interview
"Gut möglich, dass das der Wendepunkt für E-Food ist"
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Das Coronavirus rüttelt die Lieferketten des Lebensmittelhandels durch. Es verursacht Überstunden und Regallücken, und es beschert den Unternehmen ungeahnte Umsatzzuwächse. Online-Lieferdienste sind erstmals so begehrt, dass sie Kunden abwimmeln müssen. Rainer Münch, Leiter der Praxisgruppe Handel und Konsumgüter bei Oliver Wyman, erklärt im LZ-Interview, warum das  Kontaktverbot in Folge der Pandemie der Wendepunkt für E-Food sein könnte.


Herr Münch, wie wirkt sich die Krise auf E-Food und die Lieferservices des Lebensmittelhandels aus?

Immer mehr Kunden nutzen in der aktuellen Situation Lieferservices für ihre Lebensmittelversorgung. In einigen Ländern sehen wir bereits eine Verdoppelung der Online-Nutzer, etwa in Italien oder Spanien. Unsere aktuelle Umfrage zeigt, dass 5 Prozent der Befragten in Deutschland wegen des Ausbruchs von Covid-19 neu online einkaufen. Wir erwarten, dass diese Zahlen weiter wachsen werden, solange die Umstände anhalten, aber auch darüber hinaus. Die Nutzung von E-Food in Deutschland nimmt zu, und die Entwicklungen unter Covid-19 beschleunigen diese Dynamik.

Ist das auch langfristig der Durchbruch für das Geschäftsmodell?

Gut möglich, dass wir in fünf Jahren über Corona als den Wendepunkt im deutschen E-Food-Geschäft sprechen werden. Wir gehen davon aus, dass von dem derzeitigen Zuwachs zwischen 30 und 50 Prozent dauerhaft sein werden.


Was heißt das für die Zeit nach der Krise?

Wir gehen davon aus, dass sich der Online-Anteil nach der Krise bei 2 bis 3 Prozent einpendeln kann, wenn die Kapazitäten konsequent ausgebaut werden. Das klingt zunächst wenig, entspricht jedoch einer Verdoppelung innerhalb weniger Monate. Und mit jedem Prozent mehr verbessert sich die Wirtschaftlichkeit, was zu einer Expansion des Angebots und wiederum mehr Marktanteil führen wird.

Und wie werden sich die Discounter in der Krise entwickeln?

Deutschland ist in Europa bereits heute das Discountland Nummer eins. Auch wenn 7 Prozent der von uns befragten Kunden angeben, seit dem Ausbruch von Covid-19 mehr Discountprodukte zu kaufen, liegt dieser Wert deutlich hinter dem "Umdenken" in anderen Ländern. In Spanien liegt der Wert bei nahezu 50 Prozent! Entsprechend werden die Discounter in Deutschland durch die Corona-Krise nach unserer Einschätzung, wenn überhaupt, dann nur geringfügig Marktanteile gewinnen können. In anderen europäischen Ländern kann es jedoch zu erheblichen Verschiebungen kommen.

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