Hays-Report Wege zum lebenslangen Lernen noch ungeklärt

von Redaktion LZ
Donnerstag, 30. Januar 2020
Die Messe Learntec zeigt in diesen Tagen, wie attraktiv, visuell, vernetzt, individualisiert Lernen sein kann. Hintergrund: Nie war neues Wissen für Millionen von Beschäftigten wichtiger als heute. Wie Unternehmen zu Weiterbildung motivieren können, macht die Hays Group zum Kernthema ihres HR-Reports 2020.

Erst Digitalisierung und neue Technologien, dann künstliche Intelligenz: Immer mehr Mitarbeiter kommen mit diesen Themen in Berührung und müssen sich mit ihren Einsatzmöglichkeiten, Auswirkungen und Problemen beschäftigen. Lebenslanges Lernen hat in Unternehmen daher einen sehr hohen Stellenwert. Das zeigt der neue HR-Report, für den Personaldienstleister Hays und das Institut für Beschäftigung und Employability (IBE) knapp 1 000 Führungskräfte und Mitarbeiter befragt haben. Erste Erkenntnis: Die Bereitschaft der Mitarbeiter, lebenslang zu lernen, fällt geringer aus als die von den Chefs erkannte Notwendigkeit – und sinkt mit jeder Hierarchieebene.

Das könnte an der Umsetzung liegen: So sehen 61 Prozent der Mitarbeiter die primäre Verantwortung für lebenslanges Lernen bei sich. (Diese Zahl steigt übrigens mit dem Lebensalter. Jüngere Mitarbeiter erwarten eher Vorgaben durch den Chef.) Doch über das Budget entscheiden Geschäftsführung (35 Prozent) oder Vorgesetzte (25 Prozent). Nur in 14 Prozent der befragten Unternehmen verfügen die Mitarbeiter über ein eigenes Lernbudget.

Auch bei der Frage, was Lernzeit bedeutet, zeichnen die empirischen Daten ein diffuses Bild. Findet sie am Arbeitsplatz statt, mit mobilen Geräten überall und jederzeit oder nur im Seminarraum? Bei einem Drittel der Befragten gibt es dazu keine Vorgaben. Ein weiteres Drittel definiert Lernzeit ausschließlich über Teilnahme an Seminaren. Wie Unternehmen Lernzeit festlegen, variiert ebenfalls: Jeweils ein Viertel meint, das würde mit den Führungskräften vereinbart oder jeder Mitarbeiter erhalte ein bestimmtes Zeitbudget für Lernen.

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Auch wann Mitarbeiter Zeit fürs Lernen haben, ist oft unklar: 30 Prozent der Führungskräfte sagen, die Mitarbeiter könnten eigenverantwortlich über ein Zeitbudget verfügen. Aber nur 17 Prozent der Mitarbeiter sehen das als gegeben an. "Der Umgang vieler Unternehmen mit lebenslangem Lernen bewegt sich noch nicht auf der Höhe unserer Zeit", bilanziert IBE-Direktorin Jutta Rump.

Sicher ist, Lernen wird deutlich digitaler: Webinare (42 Prozent) und Lernvideos (36 Prozent) lösen die Präsenzseminare (29 Prozent) zunehmend ab. Hays mahnt, dass die Form dem Inhalt folgen sollte. Die Vorteile digitaler Lernmethoden sehen die Befragten in der deutlich schnelleren Verfügbarkeit und der Reduzierung der Kosten für Weiterbildung. Negativ werden dagegen die Kosten für die Programmierung zielgruppenspezifischer Angebote angesehen. Auch die Erfassung des Lernerfolgs gilt aufgrund der Vielfalt des Angebots als schwierig.

Erstaunlich: Nur jeder dritte Befragte gibt an, dass sich das Angebot an betrieblicher Weiterbildung erhöht hätte. Offenbar gibt es ein Kommunikationsproblem. Denn 52 Prozent der Geschäftsführer berichten vom Ausbau. Hauptgründe dafür sind die Entstehung neuer Tätigkeitsprofile, die schnelle Verfallszeit von Wissen sowie Neueinstellungen. Inhaltlich stehen fachbezogene Themen aus Platz eins, gefolgt von sozialen Kompetenzen wie Veränderungsbereitschaft. "Lebenslanges Lernen gelingt nur, wenn HR, Mitarbeiter und Führungskräfte an einem Strang ziehen", glaubt Klaus Breitschopf, CEO von Hays.

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