Hochland Mitarbeiter werben selbst um Kollegen

von Julia Wittenhagen
Freitag, 21. Juni 2019
Als Käsemarke sehr bekannt, als Arbeitgeber ein No-Name: Das Allgäuer Familienunternehmen Hochland musste etwas tun, um von Fach- und Nachwuchskräften bundesweit besser wahrgenommen zu werden. Nun transportiert eine fröhliche Mitarbeiterkampagne die Werte der "Hochländer".

"Bei uns in der Region weiß jeder, dass Hochland ein guter Arbeitgeber ist", glaubt Giulia Gagliardi. Im letzten Jahr wechselte die 28-Jährige aus der Münchner Agentur Virtual Identity in die Personalabteilung bei dem Allgäuer Käsehersteller unweit des Bodensees. "Wir sind hier sehr bekannt und haben ein gutes Image. Aber die Region reicht nicht mehr aus, wenn man viele gute Leute braucht." IT-Projektmanager fehlen, "weil sie Hochland einfach nicht auf dem Schirm haben". Gleiches gilt für Techniker und Ingenieure, denn Hochland stellt, was nicht jeder weiß, über die Tochter Hochland Natec selbst Maschinen für die Käseproduktion her. Auch die Zahl der Milchtechnologen-Azubis geht zurück. "Für sie mussten wir unbedingt digital etwas machen, weil junge Leute einfach nicht mehr in die Zeitung schauen."

Hochland-Mitarbeiter schenken der neuen Employer Branding Kampagne ihr Gesicht
Hochland
Hochland-Mitarbeiter schenken der neuen Employer Branding Kampagne ihr Gesicht

Die Gründe für mehr Arbeitgeber-Werbung mehrten sich. Als dann im letzten Jahr der Relaunch der Webseite inklusive Karriereseite anstand, ging Hochland für das Employer Branding auf Agentursuche. Das Rennen machte die Agentur Personalwerk mit der Kampagne "Und jetzt Cheese". Letzten Oktober ging sie live. "Sie passt gut zu uns, involviert die Mitarbeiter und ist dadurch authentisch", sagt Gagliardi. "Wir wollen die Realität zeigen und müssen uns dabei wirklich nicht verstecken." Denn typisch für das 1927 gegründete Familienunternehmen sei eine lange Betriebszugehörigkeit und eine für den Lebensmittelbereich unterdurchschnittliche Fluktuationsrate.

Die Agentur schlug als Vorgehensweise vor, dass Mitarbeiter sich in sogenannten Zielgruppenworkshops zusammenfinden, um dort herauszuarbeiten, wie beispielsweise ITler bei Hochland arbeiten, was ihre Arbeit ausmacht. "Anschließend sind wir in die Analysephase gegangen und haben unser neues Arbeitgeberprofil aufgesetzt." Für die Umsetzung war wieder die Beteiligung der Mitarbeiter notwendig: "Sie konnten direkt über die Fotobox ein Bild von sich machen, auf dem sie lächeln. Das war sozusagen ihre Bewerbung", so Gagliardi. Herausgekommen ist eine sehr sympathische Anzeigenserie.

Hochland-Mitarbeiter schenken der neuen Employer Branding Kampagne ihr Gesicht
Hochland
Hochland-Mitarbeiter schenken der neuen Employer Branding Kampagne ihr Gesicht

Noch nicht ganz fertig ist Hochland mit der Darstellung in den digitalen Medien. "In diesem Jahr drehen wir Videos für bestimmte Berufsgruppen. Bei der Verbreitung legen wir den Fokus je nach Zielgruppe auf Facebook, Xing, Linkedin oder Instagram", sagt HR-Projektmanagerin Gagliardi. Auf Google seien Anzeigen geplant.

Kräftig punkten kann Hochland bei Bewerbern mit Wertethemen wie dem Verzicht auf Gentechnik und Glyphosat sowie Nachhaltigkeit. "Nachhaltigkeit zieht sich bei uns im Unternehmen durch. Von der Produktion bis in die Kantine, wo hauptsächlich regional gekocht wird und alle Mitarbeiter Obst- und Gemüsekisten vom Bauern bestellen können." Ein One-Earth-Arbeitskreis im Unternehmen treibt weitere Projekte voran, ein Nachhaltigkeitsbericht ist geplant. Die Auszeichnungen vom Nachrichtenmagazin Fokus für Nachhaltigkeit und die Arbeitgeber-Plaketten von Fokus und Kununu werden stolz auf der Xing-Seite präsentiert.

Hochland-Mitarbeiter schenken der neuen Employer Branding Kampagne ihr Gesicht
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Hochland-Mitarbeiter schenken der neuen Employer Branding Kampagne ihr Gesicht

Ein halbes Jahr nach dem Start der Kampagne sei es noch zu früh, den Erfolg in zusätzlichen Bewerberzahlen zu messen, sagt Giulia Gagliardi. "Sicher ist, dass unser neues Employer Branding gut ankommt, weil wir meist schon in den ersten fünf Minuten des Gesprächs auf die Anzeigen angesprochen werden." Das gelte vor allem für die Zielgruppe Berufseinsteiger. Bei den gesuchten IT-Kräften sei die Wirkung schwierige vorherzusagen. "Ende des Jahres, wenn die Videos fertig sind, werden wir die Entwicklung der Bewerberzahlen genau messen."

Dass die Kampagne bei den Hochländern intern ein Erfolg ist, stehe jetzt schon fest. Ein Kollege als Model – das sorgt für Gesprächsstoff. "Wir haben am Parkplatz ein großes Plakat aus der Kampagne aufgehängt, um zu zeigen, wie stolz wir auf das Unternehmen sind." Ein ländlicher Standort sei sicher nicht für jeden Bewerber etwas. "Aber für mich war die Arbeit bei Hochland auch attraktiv genug, um der Großstadt München den Rücken zu kehren."

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