Homeoffice Auch New Work braucht Regeln

von Julia Wittenhagen
Freitag, 12. März 2021
Mobiles Arbeiten: Meerblick ist für Arbeitgeber sicher kein Problem, ein Auslandsaufenthalt schon eher.
imago/Westend61
Mobiles Arbeiten: Meerblick ist für Arbeitgeber sicher kein Problem, ein Auslandsaufenthalt schon eher.
Homeoffice
Auch New Work braucht Regeln
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Noch gibt die Pandemie uns vor, möglichst viel aus dem Homeoffice zu arbeiten. Doch was wird aus dieser lieb gewonnenen "Notlösung", wenn Büros keine Ansteckungsgefahr mehr bergen? Die ersten Unternehmen regeln die neue Freiheit per Betriebsvereinbarung. PepsiCo gehört dazu.

Auf deutschen Bürofluren ist es leer geworden. Viele Beschäftigte haben unter Beweis gestellt, dass Sie auch fern der Firma produktiv ihrer Arbeit nachgehen können. Vielleicht sind sie sogar dem Angebot des Resorts The Nautilus auf den Malediven gefolgt und klappen ihren Laptop unter Palmen auf. Oder bei der kranken Mutter in Nürnberg. Oder nur noch an vier Tagen, dafür aber 10 Stunden lang.

Wie weit die Freiheit im Regelbetrieb nach der Pandemie gehen soll, darüber sollten Arbeitgeber lieber schon heute nachdenken. Denn irgendwann müssen Rechte und Pflichten, Fragen zu Kosten, Haftung oder Datenschutz für alle Beteiligten sauber geregelt werden. Am besten kollektiv mit dem Betriebsrat in einer Betriebsvereinbarung.

Erster wichtiger Punkt dabei ist die Begriffsklärung. So schreibt die Arbeitsstättenverordnung für die Arbeitsform Homeoffice die gleichen Standards vor wie im Firmenbüro – inklusive Bereitstellung der Arbeitsmittel. Beim weiter gefassten Begriff Mobilarbeit ist das nicht der Fall. Arbeitszeitgesetz und Datenschutzvorkehrungen sind dagegen für beide Arbeitsformen relevant.

Für eine dezentrale Arbeitsorganisation gehören auch Dinge wie Erreichbarkeit oder Arbeitszeiterfassung in die Betriebsvereinbarung. Erste Beispiele aus der Branche gibt es. Dabei setzt PepsiCo eine Benchmark: Hier bekommen es die Mitarbeiter schwarz auf weiß, dass sie in Zukunft bis zu drei Tage pro Woche mobil arbeiten dürfen. Ob das Beispiel Schule macht, ist noch offen.

Kerstin Eiternick: Leitet HR bei PepsiCo im DACH-Raum.
PepsiCo
Kerstin Eiternick: Leitet HR bei PepsiCo im DACH-Raum.

PepsiCo fixiert Ausweitung der mobilen Arbeit

Frau Eiternick, im Januar hat in Deutschland ein Viertel der Beschäftigten von zu Hause aus gearbeitet. Wie ist es bei PepsiCo?
Bei uns sind die Büros geschlossen und alle Mitarbeiter mit Computerarbeitsplatz sind im Homeoffice. Das sind zwei Drittel unserer 500 Beschäftigten.

Dann hätten sie im Moment gar keine Betriebsvereinbarung gebraucht?
Ja, das stimmt. Wir hatten vor der Pandemie eine Policy, die pro Monat vier Tage Arbeiten von Zuhause erlaubt. Jetzt haben wir die Gelegenheit genutzt, uns für die Zukunft etwas breiter aufzustellen.


Der Schritt ist groß von vier Tagen pro Monat zu potenziell 100 Prozent Homeoffice.

Die Befragung unserer Mitarbeiter in der Corona-Zeit hat gezeigt, dass sie die Mischung aus Remotework und Office-Präsenz und die damit verbundene Flexibilität sehr schätzen. Ein Modell für alle funktioniert nicht, daher geben wir die Entscheidung über Anwesenheitspflichten etwa zu Meetings oder Ereignissen in die Teams. Um dafür Rahmenbedingungen zu schaffen, haben wir die Betriebsvereinbarung abgeschlossen.


Als Risiko des Homeoffice gilt die Entgrenzung der Arbeitszeit. Erfassen Sie die Arbeitszeit?

Ja, genau wie vorher auch. Am Umfang soll sich nichts ändern, gesetzliche Vorschriften sind einzuhalten.


Wer kommt für die mobile Büroausstattung auf?
Unsere Mitarbeiter haben 2020 gern von dem Angebot Gebrauch gemacht, Bürostuhl, Monitore und sonstige Hardware aus dem Büro mitzunehmen, um zu Hause gut aufgestellt zu sein. Wenn wir die Büros wieder öffnen, sollen sie entscheiden, ob sie die Sachen mitbringen oder ihren Hauptarbeitsplatz zu Hause belassen. Flexarbeitsplätze halten wir vor. Ich kann mir vorstellen, dass das Büro in Zukunft weniger für Deep Work genutzt wird, als fürs Kollaborieren und Ideen generieren, Socializing. Die Ausgestaltung der Büros wird sich langfristig ändern.


Wie stellen Sie Datenschutz sicher?
Wir haben unsere Verordnungen, in denen Mitarbeiter regelmäßig geschult werden. Homeoffice war ja auch vorher möglich.


Beim Aushandeln der Betriebsvereinbarung, worum wurde da gerungen?

Grundsätzlich ging es eher um das Wie als das Ob. Dem Betriebsrat war es wichtig, auch die Führungskräfte an Bord zu holen, die noch an der Präsenzpflicht hängen. Das Resultat ist eine Mindestklausel: Die Mitarbeiter dürfen mindestens drei Tage pro Woche mobil arbeiten. Kommen sie lieber fünf Tage ins Büro, ist das genauso gut.


Wie wird die Einarbeitung neuer Mitarbeiter gelingen?

Im Moment stehen wir ja schon vor der Herausforderung. Ich gehe davon aus, dass es teilweise Face-to-face erfolgen wird.


Haben Sie für Erreichbarkeit Regeln getroffen?
Die Betriebsvereinbarung steckt einen groben Rahmen: Meetings sollen beispielsweise zwischen 9 und 17 Uhr stattfinden.


Macht die neue Betriebsvereinbarung PepsiCo attraktiver für Bewerber?

Davon gehe ich aus. Denn die Befragung unserer Mitarbeiter lässt Rückschlüsse auf externe Bewerber zu.


Stärkt PepsicCo weltweit Konzepte für Mobile Work?

Ja, wir fördern Flexy Policies. Und wenn Homeoffice so wie in Deutschland während der Corona-Krise empfohlen wird, halten wir uns daran.


Was haben Sie aus der Krise gelernt?

Vor der Pandemie haben viele Führungskräfte und Mitarbeiter bezweifelt, dass Remote Arbeiten funktioniert. Jetzt haben wir alle den Beweis angetreten. Die Phase zieht sich jedoch sehr in die Länge und funktioniert für jeden Menschen unterschiedlich gut. Ich freue mich schon sehr darauf, mein Team mal wieder physisch zusammenzuführen und zu feiern, dass wir so gut durch die Zeit gekommen sind. 

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