Industrie 4.0 Handlungsbedarf für Food-Personaler

von Silke Biester
Freitag, 23. Oktober 2020
Qualifizierte Mitarbeiter: Voraussetzung für die digitale Transformation.
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Qualifizierte Mitarbeiter: Voraussetzung für die digitale Transformation.
Industrie 4.0
Handlungsbedarf für Food-Personaler
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Nicht nur infolge von Corona steht die Nahrungs- und Genussmittelwirtschaft vor großen Herausforderungen im Personalmanagement. Der Wandel zur Industrie 4.0 sowie Arbeit 4.0 erfordert intensivere Qualifizierung, Mitarbeitergewinnung und -bindung, stellen ANG und AFC in einer Studie zu HR Trends fest. Der LZ liegt sie vorab exklusiv vor.

Die Pandemie hat durch die rasante Zunahme des Homeoffice zweifelsohne zu einem Digitalisierungsschub in Sinne von Arbeit 4.0 geführt. Der Einsatz digitaler Technologien wie Cloud Computing, Big Data sowie Roboter in der Produktion, Zerlegung, Palettierung oder in der Logistik sind davon unabhängig auf dem Vormarsch. Hierbei geht es um Produktionseffizienz, Nachhaltigkeit und Transparenz. Die erfolgreiche Umsetzung dieser Technologien erfordert das Wissen qualifizierter Mitarbeiter. Welche Herausforderung dies für die Personalverantwortlichen mit sich bringt, zeigt die aktuelle Studie "HR Trends 2020 in der Food and Consumption Value Chain". Dafür haben die Arbeitgebervereinigung Nahrung und Genuss (ANG) sowie die Personalberatung AFC 426 Manager der Branche und Entscheider im Bereich Human Resources befragt.

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Ausnahmslos sind diese überzeugt, dass die Digitalisierung von Arbeitsabläufen, der Einsatz von Robotern und die Anforderungen an Arbeitgeber weiter steigen werden. Je 92 Prozent bekräftigen, dass der Bedarf an spezialisierten Fach- und Führungskräften sowie die Anforderungen an die Beschäftigten zunehmen.

Durch diesen Wandel müssen vielerorts die Personalentwicklungsaktivitäten an neue Berufsbilder und Qualifikationsprofile angepasst werden. Bei der Identifikation passender Weiterbildungsaktivitäten gibt es noch Verbesserungspotenzial: In 80 Prozent der Unternehmen werden die Führungskräfte nach dem Bedarf gefragt, 56 Prozent ziehen zudem die Einschätzung des HR-Bereichs hinzu. Doch nur ein Viertel der Befragten würde sich für diese Art der Bedarfsanalyse eine Schulnote 1 oder 2 geben.

Erstmals beobachtet die zum achten Mal durchgeführte Studie den Einfluss agiler Organisation und kooperativer Führung von Mitarbeitenden. "Lebenslanges Lernen lässt sich aus dem Berufsalltag nicht mehr wegdenken und zeigt entsprechende Wirkung auf die Kooperation zwischen Mitarbeitenden und Arbeitgebern", sind sich ANG-Hauptgeschäftsführerin Stefanie Sabet und AFC-Geschäftsführer Anselm Elles einig. Dennoch seien viele der Befragten noch nicht gänzlich mit den Konzepten von New Work vertraut, das Arbeitnehmern mehr Freiheiten gibt. Dem Wunsch der jungen Generation nach Work-Life-Balance inklusive Familiengründung und flexiblen Arbeitszeiten können die Arbeitgeber nur bedingt entsprechen.

Defizite bescheinigen ANG und AFC der Branche bei dem Frauenanteil in Führungspositionen. Hier müsse etwas geschehen, um dem drohenden Fach- und Führungskräfteengpass entgegen zu wirken. Der Branche drohe infolge des Renteneintritts der Babyboomer-Generation Know-how-Verlust. Ganz wichtig für Frauen-Karrieren seien flexible Arbeitszeitmodelle.

Das Beschäftigungswachstum in der Branche hat sich zwar etwas verlangsamt, nicht zuletzt aufgrund der Corona-Krise. Dennoch sagen 74 Prozent, der Fachkräftemangel sei "deutlich spürbar" und 70 Prozent geben an, dass die Bewerberzahlen abgenommen haben. Zudem seien die Kandidaten anspruchsvoller geworden, finden 82 Prozent. Das Problem von 75 Prozent der Befragten, für die Produktion geeigneten Nachwuchs zu finden, hat einen neuen Höchstwert erreicht. Echte Engpässe gibt es zudem im technischen Bereich, IT und Vertrieb.

"Es besteht erheblicher Handlungsbedarf", heißt es in der Studie. Eine Antwort können veränderte Organisationsstrukturen sein. Es sei bereits zu beobachten, dass Personalabteilungen zunehmend zu zentralen Geschäftseinheiten als Business Partner zwischen Management und operativen Bereichen würden.

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