Innovativer LEH Diese Trends bestimmen den Foodhandel

von Britta Rosbach und Mathias Himberg
Freitag, 12. Januar 2018
Neue Technologien bieten auch für Händler immer mehr Möglichkeiten.
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Neue Technologien bieten auch für Händler immer mehr Möglichkeiten.
Der Innovationsdruck steigt, die Experimentierlust wächst. Neue Technologien, mächtige Webkonkurrenten und neue Verbraucheransprüche treiben Lebensmittelhändler an, zukunftsfähige Konzepte zu entwickeln. Die LZ-Redaktion hat sechs Trends mit Best Practice-Beispielen zusammengetragen.


1.

Mix aus Offline, Online, Multichannel

Die Vorreiter kommen aus dem E-Commerce-Lager. Allen voran ruft Jack Ma den "New Retail" aus - den neuen Handel, der digitale und analoge Bausteine zu einem innovativen Gesamtangebot verschmelzen will. Wie das heute schon aussehen kann, zeigt der Chef des chinesischen Online-Riesens Alibaba in seinen Lebensmittelmärkten "Hema Fresh". Dort schafft es Alibaba bereits, die Stärken von Offline und Online zu verknüpfen. Der Konzeptfokus liegt auf Ultrafrische, großen Servicetheken, Sofortverzehr und Mobile Shopping. Auch US-Rivale Amazon experimentiert in diese Richtung. Der 2017 übernommene Biospezialist Whole Foods bietet dafür eine erste Plattform.

2.

Unbemannte Foodstationen

Personalkosten auf null senken? Ein Traum vieler Händler. Vor allem im webaffinen China, aber auch in den USA und in Skandinavien experimentieren sowohl Start-ups wie Handelskonzerne mit vollautomatischen Convenience-Läden. Das Prinzip klingt einfach: Die Kunden öffnen via App die Ladentür, suchen und scannen die Produkte - gecheckt von Sensoren und Kameras - und bezahlen mobil. Auchan zum Beispiel betreibt mit dem Start-up Bingobox in Shanghai und weiteren Metropolen schon mehr als 100 unbemannte 10-Quadratmeter-Flächen. Alibaba testet seine Version unter Tao Café auf 200 qm, Wettbewerber Amazon feilt an Amazon Go-Läden auf ähnlicher Flächengröße. Das Versuchsprojekt "Moby Mart" treibt die Idee auf die Spitze und bietet den Service als autonom fahrenden Kiosk an.

3.

Discounter mit Gefühl

Wohlfühlatmosphäre, lange Verweildauer, emotionale Kundenansprache - solche Softfaktoren widersprechen dem deutschen Discountprinzip. Doch damit ist Schluss. Sowohl Lidl wie Aldi Nord und Süd nutzen in ihren aktuellen Filialkonzepten verstärkt emotionale Verkaufskomponenten auf Kosten der rationalen Versorgungslogik: schickes Design, breite Gänge, mehr Frische und Marken, größere Sortimente und professionelles Marketing. Aktuelles Store-Check-Beispiel: Aldi Süd in Frankfurt.

4.

Erlebnisfaktor Gastronomie

Ob Modeläden, Warenhäuser oder Supermärkte - die Kundenfrequenz im stationären Handel geht kontinuierlich zurück. Um die Menschen wieder in die Filialen zu locken, braucht es mehr als Regalreihen und Rabattaktionen. Zum Beispiel gemütliche Cafés, Convenience-Stationen oder Bistros. Der Megatrend Gastronomie hat, richtig gemacht, auch für Händler Potenzial. Gerade Vollsortimenter können sich damit gegenüber Webshops und Discountern profilieren. Viele deutsche Händler experimentieren bereits mit dem idealen Gastro-Mix aus Convenience und Genuss. Überzeugende Konzepte finden sich aber auch und gerade im Ausland - etwa beim Schweizer Warenhausbetreiber Manor. In seinem Gastro-Convenience-Format Manora Fresh to go zelebriert der Händler frische, gesunde Eigenproduktion auf der Fläche.

5.

Marktplatz mit Persönlichkeit

Je durchdigitalisierter der Alltag, desto dringlicher sucht der Mensch nach echten Begegnungsstätten. Das können auch gut geführte Supermärkte sein. "Der Supermarkt muss ein persönlicher Treffpunkt der Generationen bleiben und mehr in Richtung Piazza ausgebaut werden", skizziert der selbständige Frischespezialist Rocco Capurso im Remstal seinen Gegenentwurf zu Amazon und Co. Hit-Kaufmann Dirk Pütz verfolgt mit seinem Markt in Bad Honnef einen ähnlichen Ansatz. "Wenn wir die Kunden weiter an den stationären Handel binden wollen, müssen wir Sozialkompetenz ausstrahlen". Wenn das gelingt, entsteht Nähe und der Markt wird zur Kommunikationszentrale.


6.

Ganz großes Kino

Food als Touristenattraktion? Für Eataly geht diese Idee auf. Ob in New York, Seoul oder München - zahlreiche Städtereisende machen auch einen Abstecher in die Märkte des italienischen Genussspezialisten. Das Konzept aus Handel, Gastronomie, Eigenproduktion und Seminarstätte kommt weltweit an. Vor kurzem hat
der erfolgreiche Händler mit Fico Eataly World noch einen drauf gesetzt. Und einen kompletten Freizeitpark zum Thema Essen und Trinken eröffnet. Jährlich sollen 6 Millionen Besucher auf die 14 Fußballfelder große Fläche in der Nähe von Bologna kommen und Erlebniseinkauf pur erleben.

Lesen Sie in der LZ 02-18, wie Foodhändler auf den steigenden Innovationsdruck reagieren

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