Internationaler Vergleich Kaufkraft relativiert das Gehalt

von Silke Biester
Donnerstag, 30. November 2017
Ein Vergleich der Gehälter in der Nahrungsmittelindustrie attestiert Arbeitgebern in Dänemark hohe und in Polen dagegen niedrige Löhne. Setzt man sie jedoch in Relation zum Preisniveau des jeweiligen Landes, ergibt sich ein ganz anderes Bild.

Großbritannien hat als Arbeitsmarkt an Attraktivität eingebüßt. "Der bevorstehende Brexit macht es schwieriger, offene Positionen auf der Insel zu besetzen", beobachtet Matthias Hennig, Geschäftsführer bei Rau Food Recruitment. "Man sieht bereits, dass das Land verlassen wird." Grund dafür seien nicht nur die unsicher Zukunft, sondern auch finanzielle Aspekte. Als Partner des Personalberatungs-Netzwerks International Food Recruitment Alliance (IFR-A) hat Hennig am aktuellen Gehaltsvergleich "Salary Survey" mitgearbeitet. Demnach liegen die Gehälter auf der Insel heute unter dem Durchschnitt der Länder Polen, Deutschland, Niederlande, Frankreich und Dänemark. Traditionell sei dort eigentlich großzügiger entlohnt worden, erinnert sich Hennig.

Einerseits beeinflusse der schlechte Wechselkurs die Situation. Dies sei zwar nicht für inländische Arbeitnehmer relevant, wirke sich aber bei jenen negativ aus, die aus dem Ausland stammen. Zudem spitzt sich die Lage zu, wenn die absoluten Zahlen in Relation zum Preislevelindex gesetzt werden: Immerhin 35 Prozent der englischen Brutto-Jahresgehälter (ohne Boni) liegen über dem europäischen Schnitt. In Deutschland sind es 73 Prozent, in Dänemark sogar 97 Prozent. Unter Berücksichtigung der Kaufkraft bilden englische Gehälter jedoch das Schlusslicht des Vergleichs. Gerade mal 3 Prozent der dortigen Branchenlöhne liegen dann noch über dem Mittelwert.

Deutschland bezeichnet Hennig dagegen als absolut attraktiven Arbeitsmarkt mit vergleichsweise hohen Gehältern und niedrigen Preisen. "Hiesige Arbeitgeber können ausländischen Arbeitnehmern finanziell sehr gute Möglichkeiten bieten." Die größte europäische Volkswirtschaft liegt beim Preislevel-Index exakt auf EU-Durchschnittsniveau.

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Extreme Gegensätze zeigt die finanzielle Lage der Beschäftigten in Polen und Dänemark: Auf den ersten Blick könnte man meinen, in Polen verdienen die Beschäftigten in der Ernährungsindustrie deutlich schlechter als in Dänemark, denn die Jahresbruttogehälter sind ausnahmslos unter dem Schnitt, während das kleine skandinavische Land durchweg darüber liegt. Da die Preise in Dänemarkt aber sehr hoch sind, leidet die Kaufkraft. In dem Ranking schaffen die Dänen es gerade auf den vorletzten Platz vor Großbritannien.

In Polen können die Beschäftigten mit dem verdienten Geld am meisten anfangen, obwohl die gezahlten Eurobeträge am geringsten ausfallen. Dennoch ist Hennig überzeugt, dass noch etliche Jahre vergehen werden, ehe deutsche Fachkräfte sich vom polnischen Arbeitsmarkt angezogen fühlen. Dänen oder Niederländer tun sich traditionell leichter, international zu arbeiten, unter anderem weil die Unternehmenslandschaft in der Heimat weniger vielfältig ist.

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