Interview mit Aldi Süd-Chef Stefan Kopp "Wir beobachten eine leichte Entspannung"

von Hans Jürgen Schulz
Dienstag, 24. März 2020
Aldi Süd-Chef Stefan Kopp
Aldi Süd/Alex Muchnik
Aldi Süd-Chef Stefan Kopp
Interview mit Aldi Süd-Chef Stefan Kopp
"Wir beobachten eine leichte Entspannung"
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Alle Händler arbeiten aktuell daran, ihre Mitarbeiter besser zu schützen und halten auch ihre Kunden an, die neuen Verhaltensregeln einzuhalten. Aldi Süd-Chef Stefan Kopp sieht Anzeichen für eine leichte Entspannung der Situation in den Filialen. Die Mitarbeiter in den Märkten arbeiten dennoch weiter an der Belastungsgrenze.

Kunden machen sich Sorgen, ob die Händler in der Lage sind, die Versorgung sicherzustellen. Bisher hat die Lieferkette funktioniert. Welche Belastungen erwarten Sie für die kommenden Wochen auch mit Blick auf Ostern?  

Obwohl wir in einzelnen Filialen aktuell eine höhere Nachfrage nach länger haltbaren Produkten wie beispielsweise Konserven sehen, ist die Versorgungslage in unserem Verkaufsgebiet hinsichtlich unserer Produkte und der Logistik nach wie vor gesichert. Alle Mitarbeiter von Aldi Süd in den Logistikzentren und den Filialen arbeiten auf Hochtouren, um die Regale regelmäßig und so schnell wie möglich wieder aufzufüllen. 

Sollte es dennoch zu vorübergehenden Engpässen kommen, bitten wir bei unseren Kundinnen und Kunden hierfür um Verständnis. Darüber hinaus sensibilisieren wir unsere Kundschaft während des Einkaufs für gegenseitige Rücksichtnahme und Solidarität untereinander. Es soll nur das gelagert werden, was auch normalerweise im Alltag genutzt und verbraucht wird. Für "Hamsterkäufe" gibt es keinen Anlass.

Sehen das die Kunden auch so?

Wir beobachten aktuell eine leichte Entspannung der Lage in den Filialen. Zum einen scheinen viele Kunden ihre Einkäufe nun getätigt zu haben. Zum anderen scheinen die Vorsichtsmaßnahmen und die allgemeine Akzeptanz neuer Verhaltensregeln Wirkung zu zeigen. So beobachten wir einen allmählich rationalen und sensibleren Umgang mit der aktuellen Situation bei unseren Kunden. Wir gehen zum jetzigen Zeitpunkt deshalb umso mehr davon aus, dass die Versorgungslage in unserem Verkaufsgebiet auch zu Ostern gesichert ist.

Wie lange können Handel und Hersteller quasi unter Volllast arbeiten?  

Alle Mitarbeiter arbeiten derzeit auf Hochtouren, sowohl in den Filialen, als auch in der Logistik und in den Verwaltungen. In diesen herausfordernden Zeiten leisten die Kollegen und Kolleginnen Außerordentliches. Wir achten entsprechend sehr darauf, dass sie ihre Ruhephasen einhalten können, um Kräfte zu sammeln, sich zu erholen und Zeit mit ihren Partnern und Familien zu verbringen. Deshalb planen Aldi Nord und Aldi Süd derzeit weder eine Verlängerung der Öffnungszeiten noch einen Sonntagsverkauf. 

Wie decken Sie den zusätzlichen Personalbedarf ab?

Wir reagieren mit kreativen Lösungen auf die dynamische Lage, um unsere Kollegen bei der Arbeit zu unterstützen – zum Beispiel durch die Personalpartnerschaft mit McDonald’s Deutschland, den Einsatz von Verwaltungskräften in den Filialen oder durch die befristete Einstellung zusätzlicher Ladenhilfen. Positiv und unterstützend wirken in diesem Zusammenhang auch die erwähnten Anzeichen, die auf eine Entspannung der Lage in den Filialen hindeuten. 

Was kann die Politik im Moment tun, um dem Handel die Arbeit zu erleichtern? 

Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Filialen und der Logistik sowie unsere Lieferanten und Partner geben aktuell alles, damit wir weiterhin die zuverlässige Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln gewährleisten. Wir erleben derzeit auch viel Unterstützung und Interesse aus der Politik. Wir stehen im permanenten, konstruktiven Dialog mit den Behörden - alle arbeiten konzentriert auf ein Ziel hinaus: die Krise so schnell wie möglich zu bewältigen.

Gibt es Erfahrungen im Umgang mit der Krise aus dem Ausland, die Ihnen in Deutschland helfen? Oder gibt es Erfahrungswerte aus dem Heimatmarkt, die den Kollegen im Ausland helfen können? 

Die aktuelle Lage ist beispiellos und verlangt neben Zusammenhalt und Solidarität vor allem Kreativität und Eigenverantwortung. Je nachdem, an welcher Landesgrenze, in welcher Region, ja sogar in welcher Kommune eine Filiale liegt, können diese Faktoren bei der Entwicklung von Lösungen eine entscheidende Rolle spielen. Ebenso benötigt die Abstimmung und das Zusammenspiel mit Lieferanten sowie anderen Partnern aus Politik, Gesellschaft und Wirtschaft, Einfühlungsvermögen und Flexibilität. Darüber hinaus stehen wir derzeit im engen Austausch mit unseren Aldi Süd Kollegen in den verschiedenen Ländern, um uns auszutauschen, voneinander zu lernen und zu profitieren.

Unabhängig davon, wo sie arbeiten, sind unsere Mitarbeiter es gewohnt, für ihren jeweiligen Bereich selbst Verantwortung zu übernehmen und bei Problemen pragmatische Lösungen zu finden. Diese Erfahrung hilft uns in vielen unterschiedlichen Unternehmensbereichen, mit der aktuellen Ausnahmesituation umzugehen.

Handel und Industrie kämpfen Jahr für Jahr mit harten Bandagen um Konditionen. Wie funktioniert das Zusammenspiel in Zeiten der Krise? 

Als verantwortungsvoll handelndes und familienorientiertes Unternehmen ist es für uns wichtig, auf allen unseren Kanälen zu Solidarität, Rücksichtnahme und Gemeinschaftssinn aufzurufen. Diese Botschaften haben für uns aktuell oberste Priorität gegenüber der Bewerbung unserer Produkte. Gleiches gilt in diesen besonderen Zeiten auch für die Kooperation mit Industriepartnern. Wir setzen deshalb mehr denn je auf eine faire Zusammenarbeit.

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