Karriereziel Geschäftsführer "In unsicherer Situation entscheiden"

von Silke Biester
Freitag, 24. Juli 2020
Spezialisiert: Tim Rau (l.) und Matthias Hennig finden Top-Manager für die Ernährungswirtschaft.
Rau
Spezialisiert: Tim Rau (l.) und Matthias Hennig finden Top-Manager für die Ernährungswirtschaft.
Karriereziel Geschäftsführer
"In unsicherer Situation entscheiden"
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Geschäftsführer tragen Verantwortung und sind Top-Verdiener. Tim Rau und Matthias Hennig von Rau Consultants wissen, worauf es ankommt.

Herr Rau, Herr Hennig, Sie besetzen laufend Geschäftsführungs-Positionen. Gibt es einen Mangel an Kandidaten?

Tim Rau: Nein, für uns nicht. Suchmandate in diesem Level sind natürlich spitz und das Kandidatenpotenzial quantitativ überschaubar. Doch wir haben einen guten Zugang zur Zielgruppe und die Positionen werden als attraktiv wahrgenommen. Der gegenseitige Profilabgleich mit gestandenen Kandidaten funktioniert sehr effektiv.

Was muss man mitbringen, um ein Food-Unternehmen zu führen?

Matthias Hennig: Strategische und Führungskompetenz sowie Erfahrung. Bei Herstellern mit mehr als 100 Beschäftigten liegt die Akademiker-Rate in diesen Positionen bei 83 Prozent – die Chancen für Nichtakademiker sind weniger gut. Es kommt auch auf den Bereich an: Vertriebsgeschäftsführer sollten über ein gutes Netzwerk in der Branche verfügen. Im Bereich Produktion kommt es eher auf technisches Know-how an. Ganz wichtig ist zudem die Persönlichkeit.

Woran scheitern jene, die nur glauben, geeignet zu sein?

Rau: Meist am persönlichen oder sozio-kulturellen Fit. Hier ist die Passung von herausragender Bedeutung. Insbesondere beim Mittelstand und Familienunternehmen. Meist werden unternehmerische Profile gesucht, die Entscheidungen treffen und Verantwortung übernehmen können, auch in unsicheren Situationen. Das ist nicht jedermanns Sache.

Der Frauenanteil in der Geschäftsführung liegt im einstelligen Bereich. Finden Sie keine Kandidatinnen?

Hennig: Das ist schwer zu sagen, wenn man nicht in Klischees verfallen will. Die Branche ist bodenständig, aber es wird kein Wunsch geäußert, ob Mann oder Frau. Wir stellen geschlechtsneutral die vor, die am besten passen und betonen den Vorteil von Vielfalt. Doch schon die Bewerber sind nur zu zehn Prozent weiblich.

Wie verbreitet sind Branchenwechsel?

Rau: Als Geschäftsführer bleibt man oft der Branche treu, in der man groß geworden ist. Man hat Branchenwissen und sein Netzwerk aufgebaut. Viele haben aber verschiedene Bereiche durchlaufen. Unsere Suchmandate sind meist eng gefasst, manchmal aber auch bewusst "out of the box".

Hennig: Ein Wechsel zwischen Back- und Süßwarenherstellern oder Molkereien ist normal. Dagegen bleiben Manager dem Fleisch- und Gewürzbereich oft ein Leben lang treu. Selten kommen Food-Geschäftsführer aus Nicht-Foodbereichen.

Rau: Wir stellen fest, dass die Herkunft bei Private-Equity-Beteiligung kaum mehr eine Rolle spielt. Hier werden in erster Linie erfolgreiche "Value Creator" gesucht und Impulse außerhalb des Kontextes geschätzt.

Suchen Mittelständler Nachfolger?

Hennig: Ja, es gibt zurzeit eine Menge Inhaber, die ins Rentenalter kommen. Ihre Herangehensweise ist sehr unterschiedlich. Die einen suchen den besten externen Manager und sind bereit sehr hohe Gehälter zu zahlen. Andere meinen, dieser sollte nicht zu teuer und eigenständig sein, schließlich sind sie selbst ja auch noch da. Sie orientieren sich nicht unbedingt am Markt, wenn sie ihr Unternehmen in andere Hände geben wollen.

Funktioniert ein Wechsel vom Konzern zum Mittelstand?

Rau: Der kulturelle Fit muss ehrlich abgeglichen werden. Kandidaten aus Konzernen schätzen am Mittelstand die größeren Freiheitsgrade und unternehmerische Interpretation der Geschäftsführungsrolle. Der Mittelstand schätzt an ihnen den sicheren Umgang mit Strukturen und Methoden sowie die Internationalität. Ein Kandidat mit Track Record im Konzernumfeld, der ein Mittelständler-Herz in sich trägt, ist ein Top Match.

Umgekehrt ist es selten.

Hennig: Ja, wer im Konzern arbeiten will, muss es in den ersten Berufsjahren tun. Später kommt man nicht mehr rein. Konzerne haben in den eigenen Reihen reichlich Kandidaten, auch international.

Beeinflusst Corona die Gehälter?

Hennig: Das wird es sicher. Das sieht man nicht an den aktuellen Zahlen, aber am Jahresende wird oft der Bonus ausfallen oder klein sein. Am härtesten wird es sich im Vertrieb an Foodservice-Kunden auswirken.

Werden weniger Positionen besetzt?

Rau: Top-Positionen haben eine zu strategische Bedeutung, als dass deren Besetzung von Krisen maßgeblich beeinflusst wird.

Geschäftsführergehälter im Vergleich

•Alleingeschäftsführer sind Top-Verdiener mit einem Jahresgehalt von im Schnitt 423 000 Euro. In der letzten Erhebung zwei Jahre zuvor waren es noch 404 000. Boni und Zusatzleistungen sind eingerechnet. Hohe Gehälter könnten infolge von Corona einbrechen, da Tantiemen wegfallen, die sich auf das Ergebnis beziehen. Die vorliegenden Zahlen basieren noch auf 2019.
•Geschäftsführer Marketing & Vertrieb folgen mit 273 000 Euro. In Unternehmen mit reinen B2C-Produkten kommen sie auf 280 000 Euro, wenn sie nur B2B-Geschäft betreiben, sind es 246 000.
•In Produktion & Technik ist der Verdienst seit 2018 von 233 000 auf 247 000 Euro gestiegen.
•Kaufmännische Geschäftsführer verdienen heute 236 000 gegenüber zuvor 238 000 Euro.
•Deutlich darunter liegt die Entlohnung im Bereich HoReCa (Hotel, Restaurant, Catering) mit 190 000 Euro in Catering-Betrieben oder Gesellschaften, die ausschließlich an den Foodservice liefern.
•Der Geschäftsführer einer Produktionsgesellschaft, der zwar als solcher im Handelsregister eingetragen ist, im Grunde aber eher ein großer Werksleiter ist, bekommt im Schnitt 191 000 Euro.
•Geschäftsführer von Handelsgesellschaften oder kleinen Gesellschaften, die nur handeln, erhalten 187 000 Euro.
•Kleingesellschaften mit weniger als 100 Beschäftigten zahlen dem Geschäftsführer im Schnitt 147 000 Euro.
•Detaillierte Gehalts-Checks der Geschäftsführer folgen in den kommenden Wochen.

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