KfW-Kredite Warum Ceconomy Staatshilfe beantragt

von Jens Holst
Montag, 30. März 2020
Media-Markt und Saturn sind wesentlicher Bestandteil von Ceconomy
Foto: John. M. John
Media-Markt und Saturn sind wesentlicher Bestandteil von Ceconomy
KfW-Kredite
Warum Ceconomy Staatshilfe beantragt
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Der Elektronikhändler Ceconomy verhandelt mit der KfW über Staatskredite in Höhe von 2 Mrd. Euro und will die Mietzahlungen in seinen geschlossenen Märkten im April aussetzen. Die Gründe dafür liegen im Geschäftsmodell des Händlers - und im Faktor Zeit.
Nun auch Ceconomy: Wie der Mehrheitsgesellschafter von Media-Saturn am Wochenende bestätigte, hat der Konzern Staatshilfe in Form von Notkrediten bei der KfW beantragt. Laut informierten Kreisen geht es dabei um ein Volumen von rund 2 Mrd. Euro. Ein Rahmen, den der Konzern allerdings nicht unbedingt komplett ausschöpfen will, heißt es. Zunächst hatte "Bloomberg" über den Antrag berichtet.

Bis zum Beginn der Corona-Krise setzte der Konzern bei seiner Mehrheitsbeteiligung Media-Saturn traditionell wenig auf Fremdkapital in Form von Krediten. Wie viele andere Händler arbeitet das Unternehmen stattdessen mit den Zahlungszielen seiner Lieferanten, die im Durchschnitt bei circa 90 Tagen liegen dürften. Das Prinzip: Die Rechnungen für bereits verkauft Ware werden später aus dem laufenden Geschäft beglichen. 
 


Angesichts der Schließung von rund 90 Prozent des europaweiten Ladennetzes von Media-Saturn gerät dieses Modell massiv durcheinander, da die Umsätze wegbrechen - ein Problem, mit dem viele Händler derzeit zu kämpfen haben. Zwar hat der Warenkreditversicherer Euler Hermes dem Handel Luft verschafft, indem er Herstellern seit vergangener Woche die Möglichkeit einräumt, Zahlungsziele zu verlängern. Zumindest ein Teil des KfW-Kredits dürfte dennoch dafür gedacht sein, etwaige Fälligkeiten von Lieferanten bedienen zu können.

Denn derzeit ist völlig unklar, wann - abseits des Onlinegeschäfts - wieder mehr Geld in die Kassen von Media-Saturn und anderen Elektronikhändlern gespült wird. Es sei "völlig unklar, wie lange die Phase bis zur Wiederaufnahme unserer normalen Geschäftstätigkeit dauern wird", erklärt auch Ceconomy. Dass die Läden nach den Osterferien am 20. April wieder aufmachen können, bezweifelt mittlerweile manch einer in der Branche. Deshalb gilt es, sich auch auf solche Szenarien vorzubereiten.      

Kurzarbeit für rund 20.000 Mitarbeiter in Deutschland hat Media-Saturn bereits beantragt. Auch bei den Mieten sucht das Unternehmen nun wie andere Händler Entlastung. Deshalb setzte es "für den April 2020 vorsorglich Mietzahlungen bei allen derzeit geschlossenen Märkten aus".  Im Gegensatz zu einigen Lebensmittelhändlern gehören Media-Saturn so gut wie keine Handelsimmobilien selbst, der Händler ist in der Regel Mieter - und hofft nun auf das Entgegenkommen der Vermieter.

Kurzarbeit
imago images / Marius Schwarz

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