Bernd Biehl

Kommentar Rückkehr zur Normalität

Freitag, 17. April 2020
Nein, die Lebensmittel Zeitung weiß nicht besser als andere, wie es geht, wieder zur Normalität zurückzukehren. Aber vieles von dem, was man so beobachten kann in der Branche, kann auch für die Gesellschaft nützlich und sinnvoll sein.
Kommentar
Rückkehr zur Normalität
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Denn in den letzten Wochen war der Lebensmittelhandel gefühlt wichtiger als je zuvor. Systemrelevant war er schon immer, nur gemerkt haben es jetzt erst alle. Das gleiche gilt natürlich für die Landwirtschaft und die Ernährungsindustrie.

Und gerade weil die Lebensmittelgeschäfte offen geblieben sind, hat man lernen können, mit der Gefahr umzugehen. Natürlich kann nicht ausgeschlossen werden, dass der ein oder andere in Deutschland sich beim öffentlichen Einkaufen infiziert hat. Aber die bisherigen Erfahrungen, dass die Menschen im Supermarkt, beim Bäcker und Metzger und auch im SB-Warenhaus die neuen Abstandsregeln verinnerlicht haben, sollte Mut machen. Die Politik darf sich da über die Wirksamkeit ihrer Maßnahmen und Appelle auch durchaus freuen.

Angela Merkel
imago images / photothek

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Der Handel, das zeigen die Aussagen von Verantwortlichen, gerade von den Marktführern Edeka und Rewe in dieser Ausgabe, hat sich der Aufgabe gestellt und sieht jetzt wieder Land. Nach durchaus hektischem Krisenmanagement geht es allmählich wieder um planmäßiges Steuern. Nichts anderes bedeutet Management. Die Entwicklungen rechts und links beobachten, Prognosen in alle Richtungen prüfen, Aktionsspielräume ausloten und die finanziellen Vorkehrungen treffen. Es geht nicht um Zweckoptimismus, sondern um verschiedene Optionen für unternehmerisches Handeln unter weithin unklaren Bedingungen.

So wie der LEH es geschafft hat, Versorgung und Hygiene sicherzustellen, so müssen es bald auch andere Einzelhändler wieder dürfen. Und auch alle Betriebe, die vielleicht nicht so relevant eingeschätzt werden, aber eben gesundheitlich unbedenklich arbeiten können. Das ist das Gesundheitskriterium, das vor der Wirtschaftlichkeit geht. Nicht Größe des Betriebes oder eben vermeintliche Irrelevanz.

Die Verhältnismäßigkeit ist ein strapazierter Begriff, aber es ist bei aller gebotenen Vorsicht nicht einzusehen, warum die Öffnungsgrenze bei 800 qm enden soll. Das kleine Österreich hatte nur bis 400 qm zugestanden. Muss Deutschland drüber gehen? Wer an Werktagen Möbelhäuser und Elektrofachmärkte, selbst Innenstadtkaufhäuser besucht, kann spielend Abstand halten. Und ein Flickenteppich an geöffneten und geschlossenen Immobilien in den Innenstädten ist auch weder sinnvoll noch hilfreich.

Denn mit einer breiten Öffnung unter Auflagen wäre gewonnen, was derzeit vielerorts kritisiert wird. Dass die zwangsgeschlossenen Nonfood-Händler ihre Not teilweise auf Vermieter und Lieferanten abwälzen. Erst wenn die Einzelhändler wieder das Geld der Verbraucher in ihre Kassen bekommen, können sie Immobilienbesitzer und Produzenten wieder vollständig bezahlen. Es geht also nicht nur um die Handelsbranche, sondern um die ganze Wertschöpfungskette. Und die hat auch eine globale Dimension. Viel Ware aus Fernost ist aktuell noch unterwegs. Die Menschen warten darauf. Und sogar der linke Philosoph Slavoj Žižek beklagt die leeren, konsumfreien Innenstädte.

Coronavirus (Symbolbild)
imago images / ZUMA Press

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