Jan Mende

Kommentar Was der Handel jetzt braucht

Freitag, 20. März 2020
Schnelle und unbürokratische Lösungen braucht das Land. Davon hängt jetzt ab, wie groß der wirtschaftliche Flurschaden ist, den das Coronavirus anrichten wird. Insofern ist es ein ermutigendes Beispiel, wenn Aldi nun schnell  und ohne große Hürden Mitarbeiter von McDonalds in den eigenen Filialen einsetzen darf. Mehr davon.
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Was der Handel jetzt braucht
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Warum sollten nicht bald Mitarbeiter der geschlossenen Karstadt-Häuser bei Rewe oder Edeka Regale einräumen oder an der Kasse sitzen? Das sind nur kleine Beispiele dafür, wie es gehen könnte – um geöffnete Läden am Laufen zu halten und jenen Betroffenen Einkommensquellen zu sichern, deren Arbeitgeber nicht mehr öffnen dürfen. Entscheidend dafür, wie die Wirtschaft aus dieser Krise herausgehen wird, sind aber die großen Weichenstellungen.

Die Politik hat Hilfsmaßnahmen und Pakete angekündigt und zum Teil auch schon aufgelegt. Dennoch sind viel zu viele Fragen offen. Auch die großen. Bezogen auf den Einzelhandel bedeutet das konkret: Unternehmen wie Media Markt und Saturn, Galeria Karstadt Kaufhof oder Douglas, die trotz geschlossener Märkte Personalkosten und Mieten zu bezahlen haben, muss schnell und unbürokratisch geholfen werden. Sie brauchen vor allem zwei Dinge: Sicherheit und Liquidität. Die Sicherheit in dieser unsicheren Zeit würde sich sofort verbessern, wenn der Staat die  Risiken der Warenkreditversicherer mittragen würde.

Wenn also klar wäre, dass die langen Zahlungsziele in der Branche nun, da vielleicht der ein oder andere Händler stärker denn je von Zahlungsausfällen bedroht sein könnte, abgesichert wären. Gäbe es diese Sicherheit, könnte mit den Warenkreditversicherern vielleicht sogar über längere Zahlungsziele gesprochen werden. Auch in Sachen Liquidität müssen rasch klare Verhältnisse her. Es kann nicht sein, dass ein Nonfood-Händler, der bisher keine Betriebsvereinbarung oder Klausel zur Kurzarbeit in seinen Verträgen hatte, von den Behörden gesagt bekommt, dass er erst die Verträge der Mitarbeiter ändern muss, bevor sein Antrag auf die Hilfsmaßnahme Kurzarbeitergeld Aussicht auf Erfolg hat. Dieses Beispiel ist nicht erfunden, sondern real in diesen chaotischen Tagen.

Ebenso wie es Realität ist, dass Kurzarbeit im Handel bisher kaum ein Thema war. Deshalb fehlen entsprechende Vereinbarungen und Klauseln in vielen Kontrakten. Wenn Behörden darauf pochen, geht das an der dringend notwendigen raschen Hilfe vorbei. Handlungsbedarf besteht auch bei den Mieten. Händler und Restaurantbetreiber, die Türen schließen müssen, um die Volksgesundheit zu schützen, sollten die Mietkosten erlassen bekommen. Bislang  hängt das am Wohlwollen einzelner Vermieter. Eine allgemeine, staatliche Lösung würde vieles erleichtern. Auch Steuerlasten wie die Gewerbesteuer müssten zeitweise ausgesetzt werden. Über vieles wird momentan diskutiert.  Das ist gut, sollte aber möglichst bald in unbürokratischen Lösungen münden.  

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