LEH und Drogeriemärkte Nonfood-Verkauf bleibt vielfach möglich

von Britta Rosbach
Dienstag, 31. März 2020
Wie in der Schweiz muss Drogerie Müller auch hierzulande vielfach Nonfoodsortimente schließen.
imago images / Geisser
Wie in der Schweiz muss Drogerie Müller auch hierzulande vielfach Nonfoodsortimente schließen.
LEH und Drogeriemärkte
Nonfood-Verkauf bleibt vielfach möglich
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Lebensmittelhändler und Drogeriemarktbetreiber sind derzeit in der Handelslandschaft im Vorteil. Doch auch dort werden Nonfood-Verkaufsverbote umgesetzt. Nur je nach Bundesland oder Kommune sieht die Rechtslage extrem uneinheitlich aus.

Was ist systemrelevant und wer darf was noch verkaufen? Diese Fragen stellen sich in der Corona-Krise nicht nur Verbraucher, sondern auch Lebensmittelhändler und Drogeriemarktbetreiber. Besonders, wenn es um ihre Nonfood-Sortimente geht. Denn durch die föderale Struktur hierzulande gibt es bundesweit keine einheitlichen Regelungen, welche Warengruppen in ihren Märkten noch verkauft werden dürfen. Zuständig sind die jeweiligen Bundesländer, die oft nicht eindeutig formulierte Allgemeinverfügungen zur Ladenschließung erlassen. Und diese wiederum werden von den Ordnungsämtern je nach Kommune und Landkreis unterschiedlich ausgeführt.

Was erlaubt ist und was nicht, wird zur Interpretationssache. Beim Handelsverband Deutschland weiß man um das Problem. "Es bleiben Graubereiche, Rechtsunsicherheiten und Abgrenzungsprobleme, die sich auch durch Rückgriff auf die Begründung nicht beseitigen lassen", kommentiert Peter Schröder, Bereichsleiter Recht und Politik beim HDE, die derzeitige Gemengelage.

Von daher ist das aktuelle Bild im Lebensmitteleinzelhandel diffus. So gibt es bei SB-Warenhausbetreiber Globus an einzelnen Standorten Absatzbeschränkungen. Im saarländischen Güdingen etwa sind abgesehen von der Gastronomie auch Nonfood-Bereiche wie die Unterhaltungselektronik abgesperrt und einzelne Waren abgedeckt. In anderen Häusern wie in Halle etwa bleiben die Nonfoodbereiche offen. "Die Verkaufsverbote sind je nach Behörde unterschiedlich", berichtet Prof. Dr. Horst Lang, Leiter Qualitätssicherung bei Globus. "Teilweise haben wir keinerlei Einschränkungen, teilweise dürfen bestimmte Sortimente, darunter Konfektion, Schuhe, Accessoires, Spielwaren, Elektroartikel, Lederwaren, Koffer, Schmuck und Uhren, nicht verkauft werden." Zudem handele es sich leider manchmal auch innerhalb eines Bundeslandes um einen Flickenteppich, wenn örtliche Behörden unabgestimmt agierten und die Allgemeinverfügungen unterschiedlich auslegten. "Wir richten uns nach den behördlichen Vorgaben und versuchen diese einzuhalten, jedoch fällt uns das sehr schwer, weil dadurch die Kundenwege eingeschränkt sind und die Bewirtschaftung erschwert wird", ergänzt der Globus-Manager.

In einigen Real-Märkten, so hört man, sind ebenfalls Nonfoodsortimente abgehängt worden. Ähnliche Informationen gibt es aus Edeka-Märkten aus der Region Südwest. Doch je nach Landratsentscheidung sehe die Situation anders aus. So berichtet ein selbständiger Marktkauf-Betreiber aus Süddeutschland, dass bei ihm der Verkauf ganz normal weitergehe. "Bei uns bleiben die Nonfoodabteilungen offen, wir haben keine Schließungsanordnungen bekommen." Die Kunden seien erfreut, wenn sie im Markt auch andere Artikel fänden, die sie jetzt bräuchten. 

Weniger Verbote in NRW 

Auch in Nordrhein-Westfalen dürfen Marktkauf-Häuser und E-Center weiterhin Schreibwaren, Haushaltsartikel und Co. verkaufen. Die Großhandlung Edeka Rhein-Ruhr beruft sich hierbei auf die gültige NRW-Verordnung zum Schutz vor Neuinfektionen mit dem Coronavirus. "Der Betrieb bleibt insgesamt (für Food und Nonfood) zulässig, sofern Lebensmittel den Schwerpunkt des Sortiments bilden", gibt die Pressestelle Auskunft. "Auf dieser Basis sind uns bislang keine Einschränkungen in der Region bekannt."

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den Discountern, ihre wöchentlichen Nonfoodaktionen laufen weiter wie gehabt. So hat Aldi Süd diese Woche etwa Bettwäsche, Hochdruckreiniger oder Mähroboter im Angebot. Lidl bietet unter anderem Milbenstaubsauger, Inhalatoren und Kleinmöbel in den Filialen an. 

Dagegen ist die Lage unter den Drogeriewarenhändlern uneinheitlich, auch je nachdem, wie viel Nonfoodanteil sie haben. "Die behördlich angeordneten Maßnahmen gestalten sich deutschlandweit sehr unterschiedlich", kommentiert etwa die Rossmann-Pressestelle die Lage in den Filialen. Genauere Angaben zu Verbotsregelungen je Bundesland oder gar Kommune seien in der sehr dynamischen Situation nicht möglich. Generell sei Rossmann gegen ein Verkaufsverbot. Eine Veränderung am Sortiment verunsichere die Kunden und bedeute mehr Aufwand für die Mitarbeiter vor Ort. Zudem würde ein Verbot den Konsum in den internationalen Online-Handel verlagern. "Damit ist dem  deutschen Einzelhandel nicht geholfen."

Müller mit Warenhaussortiment betroffen

Bereits besonders betroffen von Nonfood-Verkaufsverboten in der Branche ist Drogeriemarktbetreiber Müller. Nicht zuletzt haben in seinem Gesamtsortiment mittlerweile Warengruppen wie Multi-Media, Parfümerie oder Spiel- und Schreibwaren großes Gewicht. Zwar überwiegen Drogeriewaren mit etwa 50.000 Artikeln als größte Einzelkategorie. Doch rechnet man im Müller-Sortiment verschiedene Nonfood-Warengruppen zusammen, verkauft der Händler als Klein-Warenhaus mittlerweile weit über 100.000 Artikel, die nicht zu den Segmenten Drogeriewaren oder Lebensmittel gehören. In Bundesländern wie Bayern etwa muss der als "Mischbetrieb" geltende Händler vielfach die verbotenen Sortimentsteile sperren. Als Reaktion auf die Verkaufsverbote hat der Ulmer Drogeriemarktbetreiber in der vergangenen Woche in einzelnen Unternehmensbereichen Kurzarbeit angemeldet. 

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