Zwangsschließung Adidas, Deichmann, H&M wollen Mieten nicht mehr zahlen

von Sonia Shinde
Freitag, 27. März 2020
Geschlossene H&M-Filiale am Berliner Ku'damm.
imago images / Emmanuele Contini
Geschlossene H&M-Filiale am Berliner Ku'damm.
Zwangsschließung
Adidas, Deichmann, H&M wollen Mieten nicht mehr zahlen
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Von der Zwangsschließung betroffene Händler wie Adidas, Deichmann sowie H&M stellen ab April die Mietzahlungen für ihre Läden ein. Auch im Ausland werden Mietzahlungen ausgesetzt.

Der Sportartikelhersteller Adidas, die Schuhkette Deichmann, der Modehändler H&M sowie weitere Firmen, deren Shops wegen der Corona-Krise geschlossen sind, wollen von April an keine Miete mehr dafür zahlen. Deichmann sehe sich gezwungen, die Miet- und Nebenkostenzahlungen für seine 1200 Filialen in Deutschland ab April aussetzen, erklärte Deutschlands größter Schuhhändler. Es handele sich um eine präventive Maßnahme, um die wirtschaftliche Handlungsfähigkeit des Unternehmens zu erhalten, zitiert die Nachrichtenagentur Reuters. Der Mietausstand soll bis zum Ende der behördlich angeordneten Schließungen dauern. Deichmann erwarte von den politisch Verantwortlichen, dass die daraus entstehenden Schäden für die Vertragsparteien ersetzt würden, so der Konzern.

Auch der Sportartikelhersteller Adidas bleibt die Miete vorerst schuldig. Man setze vorsorglich Mietzahlungen temporär aus und sei dazu mit den Vermietern in engem Austausch, so eine Unternehmenssprecherin. Adidas hält seine Läden in Nordamerika und Europa bis zum 29. März geschlossen.

Die Modekette H&M hat ebenfalls angekündigt, die Mietzahlungen für ihre 460 deutschen Filialen vorerst auszusetzen. Man habe die Vermieter bereits in der vergangenen Woche informiert und hoffe, eine für beide Seiten akzeptable Lösung zu finden, so eine Sprecherin.

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"Wir gehen davon aus, dass viele Mieter von der Möglichkeit der Mietaussetzungen Gebrauch machen werden und müssen", erwartet ein Sprecher des Hamburger Shoppingcenter-Investors Deutsche Euroshop.  Konsequenzen müssen Firmen in Deutschland vorerst nicht fürchten. Laut einem Notgesetz dürfen Vermieter ihnen wegen in der Krise angehäuften Zahlungsrückständen nicht kündigen. Ladeninhaber aber auch Bewohner von Mietwohnungen haben bis Ende Juni 2022 Zeit, ihre in der Krise aufgelaufenen Schulden zu tilgen. Der Vermieter darf dafür allerdings vier Prozent Verzugszinsen in Rechnung stellen. Bereits in der vergangenen Woche hatte das Lübecker Einkaufzentrum Luv Shopping von sich aus angekündigt, zunächst auf die Miete zu verzichten. Betreiber ist Ingka Centres (Ikea).

Auch im Ausland werden Mietzahlungen ausgesetzt

Ähnlich reagiert jetzt auch Sainsbury's. Die rund 250  Mieter und Konzessionäre der britischen Supermarktkette können für einen Monat ihre Mietzahlungen aussetzen. Darüber hinaus bot das Unternehmen ihnen an, die Miete, die üblicherweise pro Quartal im Voraus gezahlt wird, auf Monatsbasis zu entrichten, schreibt die britische Fachzeitschrift Retailgazette.

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Bereits am Dienstag hatte Sainsbury's seinen rund 1500 kleinen Lieferanten Liquiditätshilfen zugesagt. Wer weniger als 100.000 Pfund (knapp 110.000 Euro) Jahresumsatz verzeichne, werde sofort bezahlt. Auch die Mitarbeiter der Supermarktkette sollen 14 Tage voll bezahlt werden, wenn sie krank seien oder sich aufgrund von Corona-Symptomen in Quarantäne befänden. Ältere Mitarbeiter und andere Gefährdete würden ebenfalls weiter bezahlt werden, sollte die britische Regierung sie für 12 Wochen zur Sicherheit in Quarantäne schicken.

In Australien hat Woolworth betroffenen Ladenbesitzern, Fitness-Studios, Kinos, Café-Inhabern und anderen Mietern seiner 28 Shopping-Center, vermieteten Supermarktflächen und anderen Immobilien ebenfalls Zahlungsaufschub zugesagt. Zudem will das Unternehmen den Betroffenen Jobs anbieten. Das millionenschwere Unterstützungspaket soll noch in dieser Woche starten und bis Juni laufen. Danach werde die Lage neu bewertet, sagte der zuständige Woolworth-Manager Ralph Kemmler gegenüber dem Sydney Morning Herald.

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