Leadership-Prinzipien Führungsstil beeinflusst das Image

von Silke Biester
Freitag, 28. Dezember 2018
Personal wird zum entscheidenden Faktor im Wettbewerb. Viele Unternehmen setzen auf Leadership-Programme, um die Kultur zu verbessern, Mitarbeiter zu binden und das Image als Arbeitgeber auch langfristig zu stärken.

Die Situation am Arbeitsmarkt spitzt sich 2018 weiter zu. Während sich die Politik über Beschäftigungsrekorde freut, verlängert sich in vielen Unternehmen die Zeit, in der offene Positionen unbesetzt bleiben. Die Suche nach Fach- und Führungskräften wird insbesondere in der Ernährungswirtschaft langwieriger und schwieriger, der Handel kämpft vielfach mit Imageproblemen und viele Lieferanten mit Standortnachteilen.

Der Arbeitgeberverband Nahrung und Genuss wirbt um politische Unterstützung im War for Talents und bietet den Betrieben eine "Toolbox" mit Tipps, um mehr Menschen für die Branche zu begeistern. "Um als Arbeitgeber attraktiv zu sein, gilt es, das Thema Work-Life-Balance anzugehen und flexible Beschäftigungsmodelle zu bieten", findet ANG-Geschäftsführerin Stefanie Sabet. "Die Unternehmen haben diesbezüglich schon viel getan, aber es ist kaum bekannt."

Ein Beispiel ist die Molkerei Gropper, die sich konsequent mit Personal- und Führungsthemen befasst, und sich so ein gutes Image als Arbeitgeber in der Region erarbeitet hat. "Führungskräfte werden durch Coachings dabei unterstützt, auf Augenhöhe zu führen, authentisch zu bleiben und Freiräume zu geben", erläutert die Personalverantwortliche Julia Krohn.

Auch das mittelständische Unternehmen Frischpack hat Konsequenzen daraus gezogen, dass die Personalsuche zum begrenzenden Faktor im Wettbewerb geworden ist. Zwischen München und Rosenheim ist das Unternehmen in einer Region mit Vollbeschäftigung beheimatet. Der B-to-B-Dienstleister ist zwar Geschäftskunden bekannt, wird bei der Bevölkerung aber kaum als Arbeitgeber wahrgenommen. Realisierend, dass der Fachkräftemangel zum Geschäftsrisiko avanciert, hat man sich entschlossen, gegenzusteuern und ein umfassendes Employer-Branding-Konzept umgesetzt, das den "Käseappetitmacher" nun sichtbarer macht.

Michael Schultze: Käseappetitmacher Frischpack.
Michael Schultze: Käseappetitmacher Frischpack.

Bei vielen Unternehmen rückt der Wohlfühlfaktor in den Mittelpunkt: Harry Gatterer, Trendforscher und Geschäftsführer des Zukunftsinstituts, rät dazu, sich sehr viel entschlossener auf die Mitarbeiter einzulassen. Führungskräfte seien gefordert, die hermetischen Zirkel aufzubrechen, in denen sie sich vielfach bewegen, um die Nähe zu Mitarbeitern und Kunden zu ermöglichen. Für Gatterer ist "Resonanz" das Schlüsselwort des Jahres. Es geht darum, dass dem einzelnen Beschäftigten das Gefühl von "Selbstwirksamkeit" in der zunehmend komplexen und immer digitaleren Arbeitswelt erhalten bleibt. Verändertes Führungsverhalten werde in der neuen Arbeitswelt eingefordert und mancherorts bereits sichtbar.

Harry Gatterer: Trendforscher Zukunftsinstitut.
Harry Gatterer: Trendforscher Zukunftsinstitut.

Ein gutes Beispiel für den Wandel bietet SAP: "Achtsamkeit ist das neue Joggen", sagt der dortige Director Global Mindfulness Practice, Peter Bostelmann. Um Stressfaktoren vorzubeugen, haben bei SAP bereits 6 500 Mitarbeiter an einem zweitägigen Achtsamkeitstraining teilgenommen. Inzwischen bietet der Digitalriese das Programm auch anderen Unternehmen an, die in die Stressbewältigungsfähigkeit und Zufriedenheit ihrer Teams investieren wollen.

Peter Bostelmann: Achtsamkeitsbeauftragter SAP
Peter Bostelmann: Achtsamkeitsbeauftragter SAP

Welche Bedeutung das Führungsverhalten für die Personalgewinnung und -bindung hat, bestätigte beispielsweise die Sonderauswertung des Young Professional Barometers des Trendence Instituts für die LZ. Wichtigster Grund für die Unzufriedenheit mit ihrem Job in Handel und FMCG-Industrie ist bei jungen Talenten "schlechter Führungsstil" und daraus resultierend "mangelnde Wertschätzung". Nahezu 100 Prozent der Befragten gaben an, dass gute Führung für ihre Wahl des Arbeitgebers entscheidend ist. Gefragt sind motivierende, empathische Chefs. 41 Prozent der branchenaffinen Kandidaten würden sich bei Amazon bewerben. Die Rewe Group – der beliebteste LEH-Arbeitgeber – bekäme nur von 17 Prozent eine Bewerbung.

Warum der Digitalriese bei Nachwuchstalenten derart punkten kann, erklärte die Amazon-Personalerin Samira Ebel im LZ-Gespräch: Die Führungsprinzipien seien die DNA des Weltkonzerns. Dazu gehöre es, dass jeder Mitarbeiter eigenständig und unternehmerisch handele, als gehöre das Unternehmen ihm selbst. Falls es Mitarbeiter gibt, die im Eigeninteresse arbeiten, ist Widerspruch auf allen Ebenen ausdrücklich erwünscht. "Unsere Kultur ermöglicht Fortschritt", ist Ebel überzeugt. "Gierige Manager sind out", bestätigt der Corporate-Governance-Experte Rudolf X. Ruter den "Abschied vom Egoismus" als Leitbild der Wirtschaft.

Samira Ebel: Amazon-Kultur für Fortschritt.
Samira Ebel: Amazon-Kultur für Fortschritt.

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