Lernplattform Spar schult mit Sepp

von Julia Wittenhagen
Freitag, 26. April 2019
Michael Fally: Bevor Fally als Teamleiter Online-Training zum Spar-Konzern kam, war er Studienleiter an der Universität Salzburg. Er liebt Innovationen und schaut gespannt darauf, wie Chatbots und Künstliche Intelligenz das Lernen verändern.
Julia Wittenhagen
Michael Fally: Bevor Fally als Teamleiter Online-Training zum Spar-Konzern kam, war er Studienleiter an der Universität Salzburg. Er liebt Innovationen und schaut gespannt darauf, wie Chatbots und Künstliche Intelligenz das Lernen verändern.
47 000 Mitarbeiter hat Spar Österreich, 20 600 haben sich "Sepp" schon mit offenen Fragen anvertraut. Im Oktober ging die E-Learning-Plattform auf Basis der Open-Source-Plattform Totara konzernweit an den Start. "Sepp" ist die Abkürzung für "Spar Education Power Program". Michael Fally hat es mitentwickelt.

"Ein bissel ein Delta haben wir noch zwischen aktiven und potenziellen Nutzern", räumt Michael Fally, Teamleiter Onlinetraining in der Konzern-Personalentwicklung von Spar, sechs Monate nach dem Start ein. Er ist aber fest davon überzeugt, dass die User-Zahl mit der Zeit steigt, schon weil viele Pflichtlehrgänge auf Sepp hinterlegt sind. Hygieneschulungen für Verkaufsmitarbeiter sind hier genauso hinterlegt wie der Lernstoff für die rund 2 300 Lehrlinge. "Vorgesetzte können mit Hilfe der Plattform jederzeit den Ausbildungsstand der Mitarbeiter abrufen." Dies sei eine großartige Unterstützung für die Personalentwicklung.

Jeder Mitarbeiter bekommt ein eigenes "Bildungskonto". Denn Sepp bietet maßgeschneidert für die jeweilige Stelle passende Schulungen an. Ziel der neuen Plattform war es, Blended Learning – die Mischung aus Präsenz- und digitalen Lerneinheiten – zu etablieren und den Mitarbeitenden in einer einzigen Oberfläche bereitzustellen.

Für die Lehrlingsausbildung ist die Ausbildungsplattform Sepp schon deshalb essentiell, weil für diese Zielgruppe überhaupt keine Lerninhalte mehr gedruckt werden. Stattdessen wird die Ausbildungspyramide via Sepp durchlaufen: Nach dem dritten Lehrjahr sollte jeder den Status Fachverkäufer erreichen. Hierbei geht es um Warenkunde und Verkaufswissen. "Und genau das können wir über unser Lernsystem auch Quereinsteigern ermöglichen." Wer sich als Top-Verkäufer in Richtung Führung qualifizieren will, brauche Module zu Recht, BWL und Marketing. Danach folgt die Meisterausbildung, "sparintern unsere höchste Qualifikation. Sie zielt darauf, selbstständig einen Markt zu führen", erklärt Fally. Zur Vorbereitung auf mündliche Prüfungen setzt Spar den "Spar Champion" ein – eine digitale Quiz-App mit über einer Million gespielten Fragen, bei dem die Wissbegierigen sogar gegeneinander antreten können. "Auch den Gamification-Ansatz nutzen wir, um jedem die Möglichkeit zu geben, so viel zu lernen wie er will", so der Personalentwickler.

Seit 15 Jahren schon investiert Spar in die digitale Qualifizierung der Mitarbeitenden. Angefangen hat alles mit Lern-CDs. "2004 hat die Spar damit begonnen, Lerninhalte in einem Lern-Management-System bereitzustellen, aber es kam nicht zum Fliegen. Die Produktion war zu aufwendig, die Zeit noch nicht reif", sagt Fally heute. Zum Glück habe Raimund Leiner, Bereichsleiter Personalentwicklung, bei dem Thema nicht lockergelassen. "Ihm war es schon immer ein Anliegen, über E-Learning Kompetenz in die Fläche zu tragen – zu den Mitarbeitern in den Filialen, die im Kundenkontakt stehen." Natürlich gehöre zu einer Käseschulung auch 2019 unbedingt das Verkosten, Anfassen und der Austausch unter den Teilnehmern. "Aber wenn man E-Learning vorschaltet, ist das Vorwissen der Teilnehmer in einem Präsenzseminar viel homogener", erklärt Fally.

Spar sei ein komplexer Konzern mit Tochtereinheiten. Deshalb heißt die Lernoberfläche bei Interspar oder den Hervis-Sportgeschäften nicht Sepp. Wichtig sei, dass die Konzern-Personalentwicklung den Überblick behalte, was es an Lerninhalten gibt und was gebraucht wird. Was Michael Fally antreibt, ist die große Vision, "dass wir Mitarbeitern beim Veränderungsprozess helfen können". Fünf Köpfe kümmern sich im Konzern ums Thema Lernen. Stolz ist Fally auf die Betriebsvereinbarung, dass Lernzeit Arbeitszeit ist – zumindest was die Sollinhalte angeht. Damit sei ein Rahmen geschaffen, auf den viele andere Unternehmen verzichten.

Was den Content angeht, "haben wir bei unternehmensspezifischen Inhalten wie Arbeitstechniken und Prozessen, wo es um das Wording, den typischen Spar-Blick auf die Dinge gehe, Werkzeuge gefunden, um Inhalte redaktionell selbst zu erstellen", erklärt Fally. Im Bereich Führung und Social Skills kaufe man hochwertige Inhalte beispielsweise von Good Habitz und der Pink University zu.

Als der Rollout von Sepp anstand, habe Spar ursprünglich vorgehabt, international einheitliche Inhalte anzubieten. Das sei im Lebensmittelhandel allerdings schwierig. So sei die Frischetheke in jedem Land anders bestückt und unterliege anderen Gesetzen. Auch Englisch als Universalsprache ist im Handel keine Lösung. "Wir sind gerade dabei, die Ausbildungssysteme in den Landessprachen auszurollen." Bei Führungskräftetrainings auf der Spezialistenebene in der Zentrale sei das anders.

"Derzeit ist es so, dass wir mittels Plattform Wissen herausschicken. Im nächsten Schritt wird es darum gehen, Wissen aus der Organisation aufzunehmen und zu teilen", zieht Fally Resümee. Noch habe Spar nicht die Infrastruktur für einen Kreislauf, in dem Inhalte selbst eingestellt, bewertet und geteilt werden. "Insofern haben wir einen großen Schritt gemacht, sind aber trotzdem noch am Anfang."

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