Managerin des Jahres "Gleichstellung als Normalzustand"

von Silke Biester
Freitag, 20. September 2019
Zukunft gestalten: Milagros Caiña-Andree verbindet die Personalplanung mit der strategischen Ausrichtung bei BMW.
BMW
Zukunft gestalten: Milagros Caiña-Andree verbindet die Personalplanung mit der strategischen Ausrichtung bei BMW.
Die von Mestemacher gestiftete Auszeichnung „Managerin des Jahres“ würdigt die beruflichen Erfolge von Milagros Caiña-Andree. Die Personalvorständin von BMW, die Mitte dieser Woche ihren Abschied von dem Autobauer ankündigte, hat es in einer äußerst männerdominierten Branche bis in die oberste Ebene des Top-Managements geschafft.

Als Gastarbeiterkind ist die gebürtige Spanierin Milagros Caiña-Andree in den 60er Jahren nach Deutschland gekommen. "Das hat auch meine persönliche Entwicklung geprägt", weiß die heutige Personalchefin des Automobilherstellers BMW. Ihre Eltern verfolgten das Ziel, sich und ihrer Familie im Ausland ein besseres Leben aufzubauen. Sie legten großen Wert darauf, schnellstmöglich die Sprache zu lernen und aktiv die eigene Integration voran zu treiben. Sich durchzubeißen und die Extrameile zu gehen, lernte sie so schon als Kind: Neben dem deutschen Schulpensum lernte sie am Nachmittag Spanisch und alles über die Kultur und Geschichte ihres Herkunftslandes. Damit hat sie auch einen spanischen Schulabschluss erreicht.

Im Beruf hat sich Andree durchgängig in eher männlich dominierten Unternehmen der Mobilitätsbranche bewegt: Auf den Schienenhersteller Vossloh folgte die Deutsche Bahn sowie Schenker bevor sie Mitte 2012 in den Vorstand der BMW AG berufen wurde. "Wer in der Hierarchie nach oben kommen möchte, braucht Zielstrebigkeit, Durchsetzungsvermögen und Führungsstärke", weiß die Betriebswirtin. "Das gilt für Männer und Frauen gleichermaßen." "Sie zählt zur Avantgarde für untypische Frauenkarrieren im Top-Management", begründet die Initiatorin des Preises, Ulrike Detmers die Jury-Entscheidung für die 18. Preisträgerin.

Wenn die Personalerin sich heute für mehr weibliche Führungskräfte einsetzt, dann "nicht, weil es nett ist", sondern "weil Diversität ein Mehrwert ist, der die Kreativität, Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit stärkt". Ihr geht es sowohl um die Zusammenarbeit verschiedener Geschlechter als auch Kulturen, Generationen, Kompetenzen und Persönlichkeiten.

Bei BMW hat die HR-Chefin die langfristige Personalplanung eng mit der strategischen Ausrichtung verzahnt. Der rollierende Personalplanungsansatz sei nicht nur quantitativ, sondern vor allem qualitativ aufgebaut, erläutert sie. Beispielsweise gelte es, für die strategischen Felder Elektromobilität, autonomes Fahren, Connectivity und Shared Mobility Mitarbeiter zu finden oder zu qualifizieren, die sich mit künstlicher Intelligenz, Data-Management, Software-Entwicklung und anderen Themen auskennen, die es zuvor traditionell nicht gegeben hat. Um bei diesen Zukunftstechnologien gut aufgestellt zu sein, hat ihr Team einen eigenen Campus mit 1 500 neuen BMWlern aufgebaut, die eigene Formen der Zusammenarbeit umsetzen.

Auch in diesen Bereichen sind weibliche Talente allerdings unterrepräsentiert. "Ich kann es nicht fassen, dass der Frauenanteil in den MINT-Fächern seit 2010 bei unter 30 Prozent stagniert", wundert sie sich. Schließlich werden in einer Tech-Company wie BMW zahlreiche Führungskräfte aus diesem Bereich entwickelt. Seit Andree bei BMW eingestiegen ist, habe sich die Zahl weiblicher Führungskräfte zwar mehr als verdoppelt, zufrieden ist sie damit aber nicht: Trotz vielfältiger Anstrengungen wie Förderprogrammen, flexiblen Arbeitszeitmodellen, Kinderbetreuung sowie Homeoffice sind weltweit im Konzern gerade 17,2 Prozent der Führungspositionen in Frauenhand und in Deutschland sind es 15,1 Prozent.

"Das herkömmliche Rollenverständnis prägt noch immer den Alltag", beobachtet die Managerin. "Zwar leben viele Paare heute moderner, doch die Frauen tragen nach wie vor die Hauptverantwortung für das Familien-Management." Viele fürchten, sich zu überfordern, wenn sie berufliche Führungsverantwortung tragen. Milagros Caiña-Andree hat es selbst bis ganz nach oben geschafft und wird nun als Managerin des Jahres geehrt. Ein Wunsch ist noch offen: Gerne möchte sie erleben, dass "Gleichberechtigung so normal" ist, dass es keine Interviews mehr dazu gibt. "Erreichen können Frauen und Männer dieses Ziel nur gemeinsam", ist sie überzeugt.

Powerfrauen im Fokus

Die Mestemacher-Chefin und Initiatorin der Auszeichnung "Managerin des Jahres", Ulrike Detmers, engagiert sich konsequent für die Gleichstellung von Frauen und Männern in Wirtschaft, Gesellschaft und im Privaten. Der Preis macht erfolgreiche weibliche Vorbilder sichtbar.
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Mestmacher

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