Messe Zukunft Personal Gute Personalarbeit ist kein Schönwetterthema

von Julia Wittenhagen
Freitag, 20. September 2019
Bundesarbeitsminister Hubertus Heil eröffnete die Messe und versprach politische Unterstützung beim Wandel in der Arbeitswelt
SPD-Fraktion
Bundesarbeitsminister Hubertus Heil eröffnete die Messe und versprach politische Unterstützung beim Wandel in der Arbeitswelt
Deutschlands größte Messe zum Thema Personal ist mit 770 Ausstellern weiter gewachsen. Zum 20. Jubiläum kam sogar Bundesarbeitsminister Hubertus Heil.

"Warum wir so groß geworden sind?" Ralf Hocke, CEO des Veranstalters Spring Messe Management, nennt drei Gründe: Der Fachkräftemangel, die Anforderungen an Mitarbeiterqualifikation in der Transformation und die Digitalisierungsmöglichkeiten in der Personalarbeit steigern das Interesse der HR-Profis an neuen Lösungen. Daran werde sich auch im Falle eines Abschwungs nicht ändern, "weil die Anpassung an sich verändernde Umwelten dann umso wichtiger wird". Er freue sich im Jubiläumsjahr der Zukunft Personal über die Unterstützung aus der Politik: Zur Eröffnung kam Bundesarbeitsminister Hubertus Heil. "Der Wandel der Arbeitsgesellschaft treibt die Menschen um und löst nicht nur Euphorie aus", sagte er. Es helfe, mit Studien einen realistischen Blick auf die Zukunft zu werfen. "Wenn ich mir im Handel die Digitalisierung der Kassen anschaue, müssen wir die Frage beantworten, was aus der Kassiererin im Supermarkt wird." Qualifikation für die Arbeit von morgen sei eine der wichtige Aufgaben, für die sein Ministerium sich einsetze. Er warb für das Angebot der INQA (Initiative Neue Qualität der Arbeit) auf der Messe, die nationale Weiterbildungsstrategie und kündigte das Gute-Arbeit-Gesetz an.   

„Bis 2025 rechnen wir damit, dass 1,3 Millionen Arbeitsplätze wegfallen und 2,1 Millionen neue entstehen“
Hubertus Heil

Die Aussteller der Zukunft Personal überboten sich darin, aufzuzeigen, wie man mit schlauer Datenauswertung die Personalarbeit optimiert. Mit einer cloudbasierten HR-Software für Lösungen aus einer Hand, von Stammdatenverwaltung, Recruiting, Learning, Zeiterfassung bis Finanzplanung, erobert die kalifornische Firma Workday gerade den deutschen Markt. Sie macht in Echtzeit abrufbar, wie der Umsatz einer Filiale mit der Nutzung der Lernplattform, der Bezahlung von Mitarbeitern oder der Anzahl ihrer Überstunden zusammenhängt. Besonders spannend für den Handel findet Produktmanagerin Daniela Porr Hinweise zum Abwanderungsrisiko von Mitarbeitern auf Basis von Daten wie Verweildauer auf der Stelle, Gehaltshöhe, letzte Beförderung. "Das ist Machine Learning, verknüpft mit Handlungsvorschlägen. Kunden, die sich darauf einlassen, können bessere Entscheidungen für HR und ihr gesamtes Business treffen."

Auch Linkedin möchte den Lebenszyklus eines Mitarbeiters möglichst lange begleiten: Das Mitarbeiter-Befragungs-Tool Glint wurde zugekauft, um Führungskräften aufzuzeigen, wie sie ihr Personal besser halten können. Entwickeln könnte man sie dann mit Linkedin Learning. Das neue Tool Talent Insights schließlich macht sichtbar, welche Talente bei anderen Unternehmen, auch dem Mitbewerber, gerade gehen oder umworben werden. Es zeigt auch, an welchem Standort man die meisten Kandidaten mit einer Engpassqualifikation finden könnte. Die Xing-Tochter Kununu bietet als Neuheit an, die Kultur eines Unternehmens abbildbar zumachen. Xing Brand Studio kann Firmen helfen, diese zu kommunizieren.

Auch Convenience ist ein Trend: Stepstone darf man jetzt mit der Produktion von Firmenvideos zur Einbettung in der Stellensuche beauftragen, Monster bietet Kunden für den Selbstversuch die Gratis-App "Studios" an. Die Stellenbörsen machen einen Spagat: "Einerseits müssen wir Anzeigen so optimieren, dass sie von Google for Jobs gefunden werden. Andererseits sind Layout, Design und authentische Einblicke in die Kultur für Bewerber wichtig", weiß Monster-Marketingdirektorin Katrin Luzar. Jan Kirchner von Wollmilchsau bietet seinen Kunden sogar an, Jobtitel mit Hilfe von Algorithmen zu optimieren, "weil sie der größte Hebel für guten Rücklauf sind". 30 Tage länger als vor zwei Jahren brauche man heute im Durchschnitt, um einen Job neu zu besetzen.

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