Metro AG Nachhaltigkeit als Führungsthema

von Silke Biester
Freitag, 27. April 2018
Highlight: Die Teilnehmer reisen in die Natur, um an den Konzepten für die Natur zu arbeiten.
Fotos: Metro
Highlight: Die Teilnehmer reisen in die Natur, um an den Konzepten für die Natur zu arbeiten.
Die Metro AG will das Thema Nachhaltigkeit verstärkt ins Bewusstsein der Mitarbeiter tragen. Ein spezielles Leadership Programm fördert Führungskräfte mit entsprechenden Ideen.

Die Nachhaltigkeit der Metro AG kontinuierlich zu verbessern, ist eines von fünf strategischen Zielen, die das Unternehmen erst kürzlich in seinen "Principles" aktuell überarbeitet hat. Eine Maßnahme, um das Thema voran zu bringen, ist das Trainingsprogramms "Sustainable Leadership Development". Es richtet sich an die Führungskräfte aller 25 Länder, in denen der Händler international vertreten ist, unabhängig von Aufgabengebiet oder Hierarchielevel. Die Anstöße können entsprechend aus allen Bereichen kommen.

Julia Jürgens, Head of Leadership Development der Metro AG, ist überzeugt, dass der Wunsch, im Job zugleich einen höheren Sinn zu verfolgen und so einen zusätzlichen Wert für die Gesellschaft zu schaffen, zunimmt. Ideen, dies umzusetzen, sind vorhanden. Und das Programm soll helfen, sie tatsächlich auch umzusetzen. Deshalb kann sich intern jeder vom talentierten Jungmanager bis zur Top-Ebene dafür bewerben, der einen Verbesserungsvorschlag hat, den er als Projekt verfolgen möchte. Das kann sich ebenso auf soziale Aspekte fokussieren, wie auf Ressourcenschonung.

Für den im März 2018 gestarteten Durchgang wurden 30 von 90 Kandidaten aufgenommen. Das Programm startet mit einer dreimonatigen Vorbereitungsphase, in der sich die Teilnehmer zunächst kennenlernen, über das Intranet vernetzen und austauschen. Zudem werden sie aus dem HR-Bereich bereits mit Informationen und Aufgaben zum Thema Sustainability versorgt. Sie sollen sich damit auseinandersetzen, welche Rolle Nachhaltigkeit für sie sowie ihr berufliches und persönliches Umfeld spielt, welche Bedeutung ihr Projekt hat oder wie das Thema etwa von NGOs oder anderen Unternehmen angegangen wird.

Ein Höhepunkt ist die folgende siebentägige "Leadership-Journey" bei der die Truppe draußen in der Natur unterwegs ist und sich auch mit Bestpractice-Beispielen befasst. Dazu gehören ebenfalls Teambuilding und Führungsthemen: "Es geht wie bei klassischen Führungskräftetrainings auch darum, eigene Widerstände aufzulösen. Der innere Antrieb muss frei sein, damit man seine Vision verwirklichen kann", erläutert die verantwortliche für die Führungskräfteentwicklung im Konzern. Business Coaches unterstützen die Teilnehmer bei der Analyse des eigenen Konzepts. Ist das implementierbar? Wen muss man mit ins Boot holen? Mit welchen Widerständen ist zu rechnen? Am Ende der Woche soll jeder einen Aktionsplan in der Tasche haben und sogleich mit der praktischen Umsetzung starten.

Wenn die Teilnehmer wieder im Job stehen, dauert das Programm noch ein gutes Jahr weiter an. Kontinuierlich tauschen sie sich weiter aus, checken den Status quo ihrer Aufgabe und diskutieren über die zugehörige Intranet-Plattform den Fortgang. "Die Projektidee sollte Berührungspunkte zum eigenen Job haben, sonst wird es im Arbeitsalltag schwer, sie erfolgreich umzusetzen", weiß Jürgens.

Jedes Jahr startet eine Gruppe von Managern. Aus den ersten Runden in 2015, 2016 und 2017 konnten bereits einige Ideen erfolgreich umgesetzt werden oder seien auf einem guten Weg. Beispielhaft beschreibt Jürgens ein Konzept aus Kroatien: Dort gab es eine fast ausgestorbene Rinderrasse, die lange zuvor in der Landwirtschaft weit verbreitet war, weil sie sowohl zur Arbeit geeignet ist als auch ein sehr wohlschmeckendes Fleisch liefert. Metro hat sodann die Bauern unterstützt und die Zucht gefördert. Exklusiv wird das Fleisch der Boskarin-Rinder seit einiger Zeit von Metro-Kroatien an die Gastronomie geliefert.

Teambuilding: Manager aus den unterschiedlichen Ländern arbeiten gemeinsam an ihren Projektideen.
Teambuilding: Manager aus den unterschiedlichen Ländern arbeiten gemeinsam an ihren Projektideen.

Eine Teilnehmerin aus China hat sich mit dem Abfallmanagement ihres Marktes beschäftigt und einen Provider gefunden, der große Teile des Mülls recycelt, was in China – anders als in Deutschland – außergewöhnlich ist. Das Konzept werde heute nicht nur für den Müll aller 90 chinesischen Märkte eingesetzt, sondern es bezieht die Kunden mit ein: Sie werden mit einem Rabattcoupon für den Einkauf belohnt, wenn sie ihren Abfall abgeben und so ebenfalls der Aufbereitung zuführen.

In der Düsseldorfer Zentrale beschäftigt sich ein Manager aus dem IT-Bereich mit der Einführung eines nachhaltigen Telefons anstelle der Modelle von Apple & Co, die beispielsweise dadurch, dass der Akku nicht austauschbar ist, die eigene Lebensdauer begrenzen und somit zur Verschwendung kostbarer Rohstoffe beitragen. Metro habe inzwischen ein Fairphone in den Katalog aufgenommen, aus dem Manager wählen können, die ein Mobiltelefon von ihrem Arbeitgeber erhalten. Derzeit laufe die Testphase.

Vergleichen lassen sich so unterschiedliche Ansätze nicht. "Jedes Land und jeder Teilnehmer stehen vor anderen Herausforderungen. Daher wiegen wir die einzelnen Projekte nicht gegeneinander auf. Uns ist es wichtig, dass sie umgesetzt werden", bekräftigt Jürgens. Sie will einen Schneeballeffekt anstoßen: "Wir möchten intern einen Mehrwert erzielen, der weit über den Kreis der beteiligten Führungskräfte hinaus wirkt", sagt Jürgens. "Die positiven Auswirkungen für Umwelt und Gesellschaft kommen hinzu."

Das Programm fördere zugleich die Sichtbarkeit jener Führungskräfte, die sich für Sustainability einsetzen, beschreibt die HR-Expertin, dass so verschiedene Managertypen bei Metro gefördert werden sollen. Es geht um Charaktere, die sich intrinsisch motiviert für ein höheres Ziel engagieren – und nicht nur für die eigene Karriere. "Diese Führungskräfte brauchen wir", stellt sie klar. Durch die gezielte Vernetzung und Unterstützung könne mittelfristig eine Nachhaltigkeits-Community in allen Bereichen der Metro wachsen. Kulturwandel nicht ausgeschlossen.

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