Metro Liefer-App Agiles Vorzeigeprojekt für E-Commerce

von Julia Wittenhagen
Donnerstag, 05. Juli 2018
Prozessorientiert: Die Anforderungen aller an der Lieferkette Beteiligten wurden in das Projekt einbezogen.
Metro
Prozessorientiert: Die Anforderungen aller an der Lieferkette Beteiligten wurden in das Projekt einbezogen.
Wenn Gastronomen und Caterer online bei Metro Lebensmittel, Putzutensilien oder Küchenequipment bestellen, wollen sie in aller Regel Zeit sparen. Dazu passt kein Fahrer, der mit Kuli und Klemmbrett Positionen abhakt, bis zu sechs Formulare ausfüllt, diverse Unterschriften braucht und dem Kunden Durchschläge reicht, die eigentlich nur im Weg sind. Also hat sich die Metro agiler Prozesse bedient, um Fortschritt zu erzielen.

Maico Strauss hatte als "Product Owner" den Hut auf. Im Januar 2016 wechselte der IT-Experte mit Abschluss in Web Science von einem Kölner Startup zur Metro, um dort agile Methoden wie Scrum einzuführen. Er arbeitete sich in Themen wie Tourenoptimierung ein. Im April stand dann fest, welches Großprojekt auf seiner Agenda steht: Die Entwicklung einer Driver App für die Auslieferung von Online-Bestellungen der Kunden aus Hotellerie, Gaststätten und Catering. "Zu meiner Rolle gehört es, zwischen den Interessen aller an der Driver App Beteiligten zu vermitteln, die Entwicklungsschritte zu priorisieren und sicherzustellen, dass die gewünschten Ziele der Stakeholder erreicht werden."

Es galt also, Entwickler, Transportmanager und Fahrer sowie Kunden als Stakeholder in das agile Projekt einzubeziehen, wobei die Fahrer nicht als aktive Teilnehmer in die Sprints einbezogen wurden, sondern bereits im Vorfeld von Strauss und seinem Entwickler-Team begleitet und interviewt wurden. Ihre Prozesse, Probleme und Herausforderungen zu verstehen, legte die Basis für das Projekt. "Ein großes Team von uns hat die Fahrer ab 5 Uhr morgens auf ihren Touren begleitet, oder im Depot in Weiterstadt die Abläufe beobachtet, um ihre Anforderungen zu sammeln. Diese Erfahrungen und Beobachtungen sind dann in die User Stories eingeflossen", erklärt Strauss.

In einem weiteren Schritt wurden sogenannte "Persona" der Nutzergruppen abgeleitet – mit einem Musterprofil, bestimmten Eigenschaften, Motivationen und Zielen. "Unser Ansatz war, aus den wichtigsten User Stories schnell ein Pilotprodukt zu entwickeln, um uns dazu unverzüglich Feedback einzuholen von den Fahrern und Kunden." Ziel des ersten Piloten, der schon Mitte 2016 entwickelt wurde, war es, den Lieferprozess für Fahrer und Kunden papierlos zu gestalten, mit einem Gerät in Handygröße, das intuitiv bedienbar ist, kundenrelevante Daten und zuletzt bestellte Artikel anzeigt, Unterschriftenfunktion hat, Routen optimiert und Tourendaten auslesbar macht. Außerdem sollte der Kunde automatisch nach der Belieferung ein Bestätigungs-PDF erhalten.

Sehr bald stand ein weiteres wichtiges Ziel fest: Die Ware sollte nicht mehr manuell erfasst, sondern eingescannt werden, um auch Retouren und Pfand leichter zu dokumentieren. Weitere Iterationszyklen folgten. "Genau das macht ja agiles Arbeiten aus. Dass wir stetig Feedback sammeln und zeitnah weiterentwickeln", sagt Strauss. "Auch in späteren Phasen begleiteten wir die Fahrer und stellten beispielsweise fest, dass sie häufig große Hände haben oder Handschuhe tragen, was die Bedienung auf dem Smart Device erschwerte." Der erste Prototyp war also viel zu filigran. Im nächsten Iterationsschritt wurden die Bedienelemente auf dem Display einfach vergrößert. Zusätzlich wurde ein Stift zur einfacheren Bedienung eingeplant.

Arbeitsweise der Zukunft

Maico Strauss ist Product Owner der Driver App für den Lieferservice. Er hat die Arbeitspraxis der Auslieferer im Blick. Das agile Projekt gilt bei Metro als Vorbild für Arbeitsweisen der Zukunft. Die hohe Akzeptanz und erfolgreiche Anwendung bei den Nutzern sorgt für wachsende Offenheit gegenüber den anstehenden Veränderungen durch die digitale Transformation, so die Hoffnung.
Maico Strauss: Fokussiert die Anwender
Jan Voth

Mittlerweile "ist die Driver App weit gediehen, sehr beliebt und wird in vier Ländern ausgerollt", zieht der Product Owner Resümee. "Bei den Kunden kommt die digitale Lösung extrem gut an, obwohl sie noch keineswegs üblich ist in der Branche und somit erst erlernt werden musste." Sie spart 50 Prozent Papier, verbessert den Kundenservice und macht Daten transparenter. "Intern können wir mit den Daten Prozesse optimieren und Transportkosten sparen."

Mehr als zwei Jahre lang wurde kontinuierlich an der App gearbeitet. "Dennoch behalten wir sie in der Entwicklung, weil mit Trends wie autonomem Fahren und Dynamic Routing weitere Herausforderungen auf uns zukommen." Auch das Ausrollen in die weiteren 21 Länder, in denen Metro präsent ist, macht Anpassungen erforderlich. So sind in Indien Tuk Tuks das weit verbreitetste Transportmittel, was Lademenge und Tourenplanung grundlegend ändert.

"Die Driver App ist eines der erfolgreichsten agilen Projekte bei der Metro", sagt Strauss. Aufgrund ihrer hohen Akzeptanz ist er sicher, dass sie die Offenheit für weitere agile Projekte und damit eine neue Art der Zusammenarbeit bei der Metro erhöht. "Daher habe ich auch die Ehre, unsere Driver App international im Topmanagement zu präsentieren." Die Metro habe das spannende Ziel, digitaler zu werden. "Und wir in der IT bekommen dabei wirklich große Unterstützung. Wir besuchen tolle Schulungen und technische Konferenzen", freut sich der agile 34-Jährige.

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