Molkerei Genossenschaft DMK "Mutig neue Wege gehen"

von Silke Biester
Freitag, 23. August 2019
Oliver Bartelt: „Mitarbeiter erwarten transparente Kommunikation auf Augenhöhe.“
Fotos: dmk
Oliver Bartelt: „Mitarbeiter erwarten transparente Kommunikation auf Augenhöhe.“
Nach einem zweijährigen Transformationsprozess will die DMK Group den Blick nach vorne richten. Seit Montag werden die Mitarbeiter auf das "Leitbild 2030" eingeschworen. Kommunikations-Chef Oliver Bartelt erläutert, wie er die Belegschaft für den Wandel begeistern will.

Herr Bartelt, am Montag haben Sie eine Roadshow durch 21 DMK-Werke gestartet, um das neue "Leitbild 2030" zu jedem Mitarbeiter der Gruppe zu transportieren. Würde es nicht reichen, alle Führungskräfte zu informieren?

Unseren Führungskräften kommt natürlich eine besondere Rolle im Transformationsprozess zu. Deshalb haben wir sie besonders eingebunden. Aber – und das ist mir ganz wichtig: Den grundlegenden Wandel, den die DMK durchläuft, soll jeder Mitarbeiter spüren und verstehen. Wir werden die "neue" DMK nur dann mit Leben füllen, wenn alle 7 700 Mitarbeiter das gleiche Grundverständnis haben. Das funktioniert nicht top-down.

Wie soll das Leitbild den Alltag ändern?

Die DMK – einer der größten Lebensmittelhersteller – ist quasi selbstverordnet unter dem Radar geflogen – intern wie extern. Das hat Auswirkungen auf die Identifikation mit dem Unternehmen und den Marken. Für unser neues Selbstverständnis als kundenorientierter Anbieter ist das eher schwierig. Mit dem jetzt formulierten Leitbild haben wir einen klaren Rahmen geschaffen, in dem alle Bereiche wissen, wo ihr Platz ist und welche Rolle ihnen zukommt. Jeder weiß, wohin die DMK in den nächsten Jahren will.

Eine Transformation bringt Einschnitte und Unmut mit sich. Sind die Beschäftigten da noch offen für Neues?

"Neues" macht Menschen in der Theorie eher ängstlich. Ich habe in 20 Jahren Berufsleben viel in Sachen Change kommuniziert – meine Lebenserfahrung bestätigt das. Es gibt wenige, die sofort dabei sind. Die breite Masse reagiert erst einmal abwartend. Deshalb haben wir das neue Leitbild mit einem neuen "Wir"-Verständnis gepaart, das perfekt zu uns als Genossenschaft passt. Nicht mehr: "unser Standort". Nicht mehr: "wir Mitarbeiter – die Landwirte". Das neue "Wir" schließt alle ein. Das ist ein spürbares Momentum, dass wir da geschaffen haben.

Leitbild 2030

DMK will sich weniger auf Rohstoffe und mehr auf Konsumenten fokussieren. Die Vision: Erste Wahl für Milchprodukte natürlichen Ursprungs. Die Kernwerte: Fair, innovativ und unternehmerisch handeln. Die Mission: Als bevorzugter Partner überzeugen. Was das im Detail bedeutet, erläutert die Watchbox mit Film und begleitendem Team bei der Roadshow durch alle 21 Werke.

Worauf setzen Sie, um die Mitarbeiter zu erreichen?

Wir setzen auf eine abgestimmte Informationspolitik. Über verschiedene interne Kanäle haben wir die Vision 2030 angeteasert. Jetzt geht es beim Roll-Out darum, die breite Belegschaft für das Thema zu begeistern. Deutschlands größte Molkereigenossenschaft betreibt einen massiven Umbauprozess, um sich dem Wandel der Konsumentenwünsche anzupassen. Dazu gehören passende Produkte, Transparenz und Nachhaltigkeit. Die kommenden Generationen lassen sich beim Kauf von ethischen und sozialen Faktoren beeinflussen. Das ist jedem Mitarbeiter aus Konsumentensicht bewusst – deswegen ist die Notwendigkeit des Wandels nahezu jedem klar. Im 2030-Film kommen echte Mitarbeiter, Kunden, Stakeholder zu Wort. Und wir animieren, das Thema über Social Media weiterzutragen. Jeder ist heute Multiplikator.

Kann die Kommunikation scheitern?

Die Sicht der Empfänger ist wichtig. Die Menschen erwarten heute Kommunikation auf Augenhöhe, ohne Konzern-Plattitüden, in Echtzeit und auf ihren Kanälen. Gleichzeitig passieren im Rahmen des Wandels bei uns so viele Themen, dass die Herausforderung groß ist, den Überblick nicht zu verlieren. Das ist anspruchsvoll. Wir haben den Bereich vor zwei Jahren neu aufgestellt und arbeiten uns Schritt für Schritt vor. Die Ergebnisse motivieren.

„Im Change-Prozess sollte man sich nicht auf die Nörgler konzentrieren, sondern auf die „First Mover“ und die breite Masse “

Wie holen Sie Nörgler mit ins Boot?

In jedem Change-Prozess gibt es Nörgler, die es sowieso anders gemacht hätten und besser wissen. Wichtig ist, sich eben nicht auf die Nörgler zu konzentrieren. Kommunikation ist eine strategische Aufgabe, die auch mal unbequeme Botschaften verkaufen muss oder mutig neue Wege geht. Wir konzentrieren uns auf die "First Mover", die im Wandel vorangehen und auf die breite Masse, die erstmal schaut, was auf sie zukommt. Wenn wir diese beiden Teile mitnehmen, haben wir 95 Prozent der Teams erreicht. Da verbleiben fünf Prozent Nörgler schnell wirkungslos.

Und wie geht es mittelfristig weiter?

Change hört nicht auf. Sie sind nie "fertig". Change ist wie ein unbekannter Weg von A nach B. Sie wissen, wo sie herkommen und sie haben ein Bild, wo sie hinwollen – in dem Fall unser Leitbild 2030. Den Weg dazwischen ist noch niemand gegangen. Deswegen werden wir sehr regelmäßig, aufeinander aufbauend kommunizieren. Wäre der Change ein Puzzle mit 5 000 Teilen, dann hätten wir den Rahmen gelegt und schon einige Stücke zusammengefügt. Jetzt geht es darum, dran zu bleiben und regelmäßig einen Blick auf das große Ganze zu werfen.

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