Monster-Recruiting Trends Was Kandidaten wünschen

von Julia Wittenhagen
Freitag, 22. März 2019
Bewerber sind es leid, auf pauschale, häufig nicht personalisierte Anfragen zu antworten.
Kzenon/Shutterstock
Bewerber sind es leid, auf pauschale, häufig nicht personalisierte Anfragen zu antworten.
Die 17. Monster-Studie zeigt, dass Digital Recruiting Grenzen hat – Bewerber wollen nicht auf CVs reduziert werden. Weder Active Sourcing noch Social Recruiting haben sich bislang als Wunderwaffen bei der Gewinnung guter Bewerber erwiesen. Talente möchten persönlich und gezielt angesprochen werden.

Die deutschen Arbeitgeber tun im Moment viel, um Bewerber auf ihrer "Candidate Journey" bestmöglich abzuholen und zu begleiten: Sie bespielen alle Kanäle von Instagram bis Youtube, erlassen dem Nachwuchs das Anschreiben, optimieren Karriereseiten für Mobilgeräte und schicken ihre Mitarbeiter als Botschafter auf Talentjagd. Und doch hört sich Tim Weitzel bei der Präsentation der Recruiting Trends irgendwie ernüchtert an. Zum 17. Mal hat der Wirtschaftsinformatik-Professor die große Umfrage für das Job-Portal Monster mit dem Centre of Human Resources Information Systems (Chris) der Universitäten Bamberg und Erlangen-Nürnberg erhoben. Zentrale Erkenntnis: Im Bestreben, bei der Mitarbeitergewinnung effizienter zu werden, gehen Unternehmen manchmal zu technisch vor.

So messen Arbeitgeber dem Mobile Recruiting große Bedeutung bei. Tatsächlich nutzen Bewerber jenseits der Generation Z zu einem Großteil aber noch ein Endgerät mit Tastatur, wenn es ans Bewerben geht. Auch soziale Kanäle bespielen Bewerber manchmal nur, weil sie denken, das würde von ihnen erwartet. Ganz klar übergriffig finden sie es sogar, wenn Arbeitgeber private Netzwerke wie Whatsapp, Snapchat oder Instagram nutzen, um Kontakt aufzunehmen. "Social Media war das erste Thema, das im Recruiting alles ändern sollte. Heute haben vier von zehn Kandidaten eine geringere Begeisterung dafür", beobachtet Weitzel. Eine E-Mail bleibt in allen Altersgruppen mit deutlichem Abstand vor Karriereplattformen und Anrufen der bevorzugte Weg der Kontaktaufnahme. Mit Telefonaten hat vor allem die Generation Z gar nichts am Hut. Vier von zehn Bewerbern befürchten, dass Anrufe für Stimmanalysen genutzt werden.

Tim Weitzel: Erhebt die Recruiting Trends
Tim Weitzel: Erhebt die Recruiting Trends

Sylvia Edmands, neue Geschäftsführerin von Monster Deutschland, Österreich, Schweiz, ist überzeugt, dass zukünftig eine neue Balance gefunden werden muss: Einerseits müsse sich HR digitalisieren. Andererseits sei der Bewerbungsprozess etwas Persönliches, das von Kandidaten sehr ernst genommen wird und keinesfalls nebenbei geschieht. "Die Kandidaten möchten nicht auf einen gut strukturierten Lebenslauf reduziert werden", glaubt Edmands.

Gründe, den Bewerbern Wünsche von den Lippen abzulesen, gibt es genug: Die Mehrzahl der Unternehmen plant neue Stellen, gleichzeitig scheiden starke Babyboomer-Jahrgänge aus. Als Folge dauert die Stellenbesetzung länger. Das verstehen Bewerber immer besser für sich zu nutzen: Die Hälfte der Kandidaten ist sehr optimistisch, dass sich der Arbeitsmarkt positiv für sie entwickelt.

Drei von vier Kandidaten stellen höhere Anforderungen an Arbeitgeber. "Es ist erstaunlich genug, wie lange sie gebraucht haben, bis sie sich getraut haben andere als die Standardverträge zu verlangen und Dinge wie Home-Office einzufordern", kommentierte Weitzel. "Wenn sie ein Unternehmen dabei erwischen, dass es sich im Employer Branding moderner darstellt als in der Realität, fangen sie gar nicht erst an." Wichtigster Anlass für die Stellensuche sei Weiterentwicklung. Die Personaler im eigenen Unternehmen sollten sich für dieses Thema viel aktiver anbieten, legt die Umfrage nahe: Sie werden als Ansprechpartner an letzter Stelle genannt.

Um aktiv Stellen zu besetzen, galt auf Unternehmensseite Active Sourcing in den Vorjahren als Wunderwaffe, weiß Weitzel. Mittlerweile seien Karriere-Netzwerke wie Xing aber überfischt, vor allem im Bereich IT: Bewerber sind es leid, auf pauschale, häufig nicht personalisierte Anfragen zu antworten. Auch hier geht es um Fein-Tuning: Wer Wunschkandidaten professionell filtert und anspricht, ist erfolgreich. Denn in der Monster-Studie geben 36 Prozent der Kandidaten an, sich nach Direktansprache bei einem Unternehmen beworben zu haben, das sie sonst nicht interessiert hätte. "Bislang werten nicht mal Dax 30-Unternehmen Recruitingkosten kanalspezifisch aus", bedauert Weitzel. HR-Kennzahlen sieht er als Wegbereiter dafür, Ansprachekanäle zu optimieren. Die Maschinenlesbarkeit von Stellenanzeigen ist für ihn ein weiteres Zukunftsthema: Ohne Ankündigung ging gerade Google for Jobs in Deutschland an den Start. 27 Prozent der Recruiter sind erst darauf vorbereitet.

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