Nachwuchssicherung Ausbildung verbessern

von Silke Biester
Freitag, 03. Mai 2019
Wertschätzung: Die Kissel-Azubis Vivian Yau (l.) und Laura Böhm präsentieren selbst ihre Projekte vor den rund 50 Ausbildungsprofis.
Fotos: Thomas Fedra
Wertschätzung: Die Kissel-Azubis Vivian Yau (l.) und Laura Böhm präsentieren selbst ihre Projekte vor den rund 50 Ausbildungsprofis.
Die Suche nach geeignetem Nachwuchs ist für Handelsunternehmen eine wachsende Herausforderung. Wohl dem, der sich als guter Ausbildungsbetrieb einen Namen machen kann. Doch was macht "gute Ausbildung" aus? Wie lässt sich eine qualitativ hochwertige Ausbildung sichern? Diesen Fragen ging das Berufsbildungsforum von Mediadidact, dem auf Aus- und Weiterbildung spezialisierten Verlagsbereich der LZ Medien, auf den Grund.

Als Gastgeber hatte der Lebensmittelhändler Kissel die rund 50 Ausbildungsprofis des Handels in die neue Zentrale nach Landau geladen. "Lieber klein und lebendig als groß und tot", pointierte Geschäftsführer Helmut Braun die Vorteile des mittelständischen Unternehmens mit rund 1 100 Mitarbeitern. Wie das ganz praktisch aussieht, demonstrierte die Leiterin für Aus- und Weiterbildung, Susanne Mayer, gemeinsam mit zwei Azubis, die ihre Projekte persönlich vorstellen durften. Teamgeist, eigenverantwortliches Handeln und ein wertschätzender Umgang spielen eine zentrale Rolle.

Zentrale Voraussetzungen, um Jugendliche für einen Beruf begeistern zu können, sind nicht nur die Arbeits- und Rahmenbedingungen. Vielmehr sind Führungskräfte gefragt, die sich die Erwartungen des Nachwuchses bewusst machen, erläuterte LZ-Redakteurin Silke Biester. Wichtigste Gründe für Unzufriedenheit bei jungen Beschäftigten im Handel sind "schlechte Führung" und "mangelnde Wertschätzung". Das Problem: Zwar wird Führungsverhalten in den meisten Unternehmen als wichtig eingestuft. Doch die wenigsten erkennen den direkten Zusammenhang von Führung und Fluktuation. Sie ziehen nicht die Konsequenz, sich von schlechten Führungskräften zu trennen. "Die Botschaft kommt bei der Mannschaft an", stellt Biester klar: "gut gemeinte Führungsleitsätze verlieren ihre Glaubwürdigkeit".

Wesentliche Basics für Ausbildungsqualität schilderte Gabriele Lehmann, Geschäftsführerin der Zentralstelle für Berufsbildung im Handel: Ein Schlüsselbegriff ist für sie "Transparenz". So sollten Azubis in der Personaleinsatzplanung zusätzlich zur notwendigen Mitarbeiterzahl eingesetzt werden. Die kurz- und langfristige Planung, welche Bereiche sie durchlaufen, sollte sowohl dokumentiert als auch kommuniziert werden. "Manche Ausbilder haben zwar einen Plan im Kopf, aber er wird den Betroffenen nicht unbedingt mitgeteilt und schriftlich hinterlegt", stellt Lehmann fest. Auch regelmäßige, strukturierte Feedback-Gespräche gehörten dazu. Der Kommunikation misst sie besondere Bedeutung für eine erfolgreiche Ausbildung bei, sowohl mit den Azubis selbst als auch mit Berufsschule und anderen Mitarbeitern, die den jungen Menschen ebenfalls anleiten sollen. Der Azubi müsse wissen "wo er steht". Gute Betreuung, konsequente Unterstützung und ein positives Klima im Betrieb würden langfristig die Personalsuche erleichtern, ist Lehmann überzeugt, weil die Azubis ihren Freuden davon berichten. Als Auditorin für Ausbildungsstandards musste Lehmann feststellen, dass selbstverständlich erscheinende Kriterien und sogar gesetzliche Vorgaben oder Tarifgehälter nicht in jedem Betrieb eingehalten werden.

Luft nach oben ist auch noch beim inzwischen weit verbreiteten digitalen Lernen. Klassisches E-Learning bewege sich auf den unteren Stufen des Lernprozesses, in dem es lediglich Informationen bereit halte. Die Anwendung, analytische Fähigkeiten, eigene Bewertung sowie der kreative Umgang kämen dagegen zu kurz. Auch sei es hilfreich, die Wissensvermittlung als sozialen Prozess zu begreifen. "Menschen brauchen Menschen zum Lernen, um ein tieferes Verständnis zu entwickeln", eröffnete Hannes Klöpper, Gründer Edventurers, seinen Workshop für neue "Möglichkeiten des digitalen Lernens". Wissens-Tools sollten neben den Inhalten auch Aufgaben und die Community berücksichtigen, interaktiv, sozial und emotional gestaltet sein. Storytelling, Videos und Heatmaps sind Möglichkeiten, die noch wenig genutzt werden. Denkbar sei auch "Peer-to-Peer-Lernen" mit Gruppenbildung und gegenseitiger Bewertung oder Unterstützung.

Neuerungen bei den Lehrmaterialien von Mediadidact kündigte Andreas Stammnitz an. Der Verlagsleiter Lernen und Weiterbildung im dfv hat mit seinem Team die App "LZ Wissen" entwickelt – umfassende Warenkunde für die Hosentasche. Und im Sommer sind die bekannten, kostenlosen Markenlehrbriefe als digitales Format "LZ direkt Training" verfügbar. Das nächste Berufsbildungsforum für Ausbildungsverantwortliche im Handel findet am 15./16. April 2020 statt.

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