New Work und Nachhaltigkeit Transparente Zusammenarbeit

von Silke Biester
Donnerstag, 31. Januar 2019
Kontaktfördernd: Alnatura-Gründer Götz Rehn arbeitet ebenso im flexiblen, offenen Großraumbüro wie alle Mitarbeiter am neuen Standort.
Fotos: Alnatura
Kontaktfördernd: Alnatura-Gründer Götz Rehn arbeitet ebenso im flexiblen, offenen Großraumbüro wie alle Mitarbeiter am neuen Standort.
Alnatura eröffnet mit der neuen Unternehmenszentrale Europas größtes Bürogebäude aus Lehm. Die neue Arbeitsumgebung soll auch die Art des Arbeitens weiter voran bringen.

Wer die neue Zentrale des Bio-Händlers Alnatura betritt, nimmt nicht nur die offene und helle Gestaltung des über drei Stockwerke angeordneten Großraumbüros wahr – bemerkenswert ist die Akustik: Obwohl mehrere hundert Menschen dort arbeiten, ist es auffällig ruhig. Offenbar geht das Konzept auf, schon bei Planung und Bau des Gebäudes die Anforderungen an eine angenehme Arbeitsumgebung zu berücksichtigen. Bei der Wahl der verarbeiteten Materialien sowie der Anordnung, Form und Gestaltung aller Wände, Fenster und Möbel wurde nichts dem Zufall überlassen. Ihr Einfluss auf das Raumklima wurde gezielt eingesetzt.

Während die Mitarbeiter infolge des seit Jahren wachsenden Unternehmens am bisherigen Hauptstandort Bickenbach mit Enge zu kämpfen hatten und zudem Teile des Teams ausgelagert werden mussten, bietet die neue Umgebung ausreichend Raum. Zwar hat nicht jeder Mitarbeiter einen eigenen Schreibtisch – es gibt nur für 80 Prozent der knapp 500 dort beschäftigten zeitgleich Platz. Doch dies ist nicht mehr der Raumnot geschuldet, sondern Teil der neuen Arbeitswelt. Infolge von Terminen, Homeoffice, Teilzeit und Vertrauensarbeitszeit seien ohnehin nie alle vor Ort, heißt es. Zudem erfordere vernetztes, agiles Arbeiten mit variabel zusammengesetzten Projektteams auch flexibel nutzbare Räume. Wichtig sei allerdings, dass die Menschen sich wohl fühlen. Alnatura folge dabei dem "Citizen-Office-Prinzip", erläutert Tina Schneyer, die für das Change-Projekt verantwortlich ist: Das Büro wird als Lebensraum verstanden. Es fördert soziale Interaktion, Kommunikation und somit die Produktivität. Es gibt Sitzecken und Küchenbereiche mit kostenlosem Kaffee, Wasser und Obst.

Transparenz und Flexibilität charakterisieren die dreistöckige Fläche. Die Teams sind zwar bestimmten Zonen zugeordnet, doch jeder Mitarbeiter kann sich an jedem Arbeitsplatz niederlassen. Diese sind alle identisch mit zwei Bildschirmen und höhenverstellbaren Tischen ausgestattet. Hinweise auf den Status Einzelner sucht man in der Bürogestaltung vergebens. Auch Teamleiter und die Geschäftsführung sitzen mittendrin. Ergänzend sind Rückzugsräume für vertrauliche Gespräche oder Meetings buchbar. Zahlreiche halbgeschlossene Alcoven laden zu spontanen Gesprächen in kleinerer Runde ein.

Kontaktfördernd: Alnatura-Gründer Götz Rehn arbeitet ebenso im flexiblen, offenen Großraumbüro wie alle Mitarbeiter am neuen Standort.
Tim Thiel
Kontaktfördernd: Alnatura-Gründer Götz Rehn arbeitet ebenso im flexiblen, offenen Großraumbüro wie alle Mitarbeiter am neuen Standort.

Wie schon beim Bau des Alnatura-Verteilzentrums aus Holz vor einigen Jahren, wollte der Unternehmensgründer Götz Rehn Maßstäbe setzen. Er beauftragte mit dem Architekten Martin Haas einen Profi für nachhaltiges Bauen. Das klimaneutrale Ergebnis ist nicht nur mit Photovoltaik, Geothermie und Regenwasserzisterne ausgestattet. Durch einen Erdkanal wird der Lehmbau zudem mit frischer Luft aus dem nahegelegenen Wald versorgt. "Die Verwandlung des ehemaligen Militärgeländes in einen friedvoll genutzten Campus versinnbildlicht unseren Leitgedanken, Sinnvolles für Mensch und Erde zu gestalten", sagte Rehn bei der Eröffnung Mitte dieser Woche. Den neuen Standort versteht er zugleich als Begegnungsort für die Region: Daher findet sich auf dem Campus ein öffentlicher Waldorfkindergarten, ein Montessori-Schulgarten und das vegetarische Restaurant Tibits. Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir lobte bei der Eröffnung die erfolgreich umgesetzte Vereinbarkeit von Ökologie und Ökonomie.

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