Office 4.0 "Veränderung passiert über Beziehungen"

von Silke Biester
Freitag, 12. April 2019
N etworking statt Silos: C hristian Bahlmann hat am Raumkonzept mitgearbeitet. Im B-Hub treffen sich Mitarbeiter aller Ebenen und Bereiche.
Fotos: Bahlsen
N etworking statt Silos: C hristian Bahlmann hat am Raumkonzept mitgearbeitet. Im B-Hub treffen sich Mitarbeiter aller Ebenen und Bereiche.
Wie wichtig Räume bei Bahlsen für den Kulturwandel sind, erläutert Christian Bahlmann, Leiter Kommunikation.

Herr Bahlmann, was macht Ihr Bürokonzept aus?

Wir haben offene, zum Flur hin verglaste Büros. Vor zwei Jahren haben wir zudem ein ehemaliges Großraumbüro zum Coworking-Space "B-Hub" umgewandelt. Dort gibt es Kommunikationsecken mit Sofa, Sessel, Tisch, einen Stehtisch mit Hockern, einen Meeting-Kubus sowie Arbeitstische mit Stühlen. Außerdem vier Schaukeln und eine Hängematte, einen Kühlschrank mit Getränken, eine Kaffeemaschine, Kekse und einen Obstkorb, der täglich aufgefüllt wird. Im Raum gibt es zahlreiche Materialien für agile Arbeitsweisen wie Moderationskoffer, Flipcharts, Pinboards und Materialien zur Inspiration wie Bilder, Zeichnungen, Bücher, Produkte. Hier finden regelmäßig Events namens "B-Talks" für Mitarbeiter auf freiwilliger Basis statt: Dialog-Formate mit dem Management Board oder externen Gästen mit spannenden Themen. Diese B-Talks kann jeder organisieren und dazu einladen.

Welche Ziele bezüglich der Zusammenarbeit verfolgen Sie damit?

Wir glauben fest daran, dass Veränderungen im Unternehmen über Beziehungen passieren. Wir setzen zunehmend auf Dialog und haben Prinzipien für unsere Zusammenarbeit formuliert: zum Beispiel Pull statt Push, aktive Beiträge statt kritischer Fragen, kleine Schritte statt perfektem Plan. Das zahlt auf agile Arbeitsweisen ein. Der B-Hub ist der Ort im Unternehmen, der dieses Konzept am deutlichsten nach außen hin sichtbar macht: Er ist ein Ort der Inspiration, der Begegnung, des Dialogs, der Kommunikation, neuer Formen der Zusammenarbeit, der Beteiligung an übergeordneten Unternehmensthemen und der Co-Creation.

Networking statt Silos: Im B-Hub
Fotos: Bahlsen
Networking statt Silos: Im B-Hub

Gab es Kritik von den Mitarbeitern?

Das Konzept setzt auf Freiwilligkeit. Wer möchte, nimmt sein Laptop und arbeitet im B-Hub statt im Büro. Mittlerweile arbeiten auch Kollegen gelegentlich dort, die anfangs skeptisch waren.

Mussten Sie nachbessern?

Nein. Wir haben irgendwann festgelegt, dass der Raum immer verfügbar ist. Er ist nicht exklusiv mietbar – auch nicht, wenn externe Gäste beteiligt sind.

Hatten Sie parallel einen Change-Prozess angestoßen?

Ja. Unser B-Hub ist nur ein Teil unseres Kulturwandels im Unternehmen. Wir sprechen viel über unsere Unternehmenswerte wie Neugier, Mut und Rückhalt. Wir haben sowohl unsere Meetings und die Arbeit in Projekten verändert, als auch unseren Strategieprozess völlig neu gestaltet mit Möglichkeiten der Beteiligung aller Mitarbeiter.

Haben die neuen Räume den Wandel herbeigeführt?

Der B-Hub hat wesentlich dazu beigetragen, diesen Kulturwandel erfahrbar und sichtbar zu machen. Der Austausch und die Zusammenarbeit über Abteilungs- und Organisationsgrenzen hat deutlich zugenommen. Viele Abteilungen nutzen den B-Hub mittlerweile auch, um dort Meetings mit Geschäftspartnern oder Kennenlerngespräche mit Bewerbern durchzuführen. Der B-Hub ist eine gute Möglichkeit, um über Bahlsen, unser Selbstverständnis und unsere Kultur ins Gespräch zu kommen.

Was sind aus Ihrer Sicht die Erfolgsfaktoren?

Dort treffen sich spontan Mitarbeiter aller Hierarchieebenen, bis hin zum Management Board und Inhaber, die dort arbeiten. Das fördert den Austausch über Abteilungs- und Hierarchieebenen hinweg. Die Gestaltung des Raumes vermittelt ein sehr wohnliches Ambiente, das vor allem Kreativität freisetzt.

Sie haben Fragen oder Anmerkungen zu diesem Artikel?
Schicken Sie eine Email an die Redaktion.

Hier können Sie die Nutzungsrechte an diesem Artikel erwerben.

Meistgelesen

stats