Pandemie-Folgen Elektronikhändler im Krisenmodus

von Jens Holst
Donnerstag, 26. März 2020
Die Läden sind seit vergangener Woche dicht, nur der Onlineverkauf und Serviceangebote bleiben den Elektronikhändlern derzeit übrig, um wenigstens etwas Geld in die Kasse zu spülen.
Foto: Hans-Rudolf Schulz
Die Läden sind seit vergangener Woche dicht, nur der Onlineverkauf und Serviceangebote bleiben den Elektronikhändlern derzeit übrig, um wenigstens etwas Geld in die Kasse zu spülen.
Pandemie-Folgen
Elektronikhändler im Krisenmodus
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Den Elektronikhandel trifft die Schließung der stationären Geschäfte im Zuge der Corona-Pandemie hart. Nach Media-Saturn melden auch mehrere Verbundgruppen Kurzarbeit für ihre Zentralen an. Zudem pochen die Händler auf eine Verlängerung der Zahlungsziele.

Die Läden sind seit vergangener Woche dicht, nur der Onlineverkauf und Serviceangebote bleiben den Elektronikhändlern derzeit übrig, um wenigstens etwas Geld in die Kasse zu spülen. Vor allem die bestehenden Fälligkeiten für Ware, die bereits in Läden und Lagern steht und nicht abverkauft werden kann, bereitet in dieser Situation große Sorgen.

Aus Industriekreisen heißt es, Marktführer Media-Saturn und Verbundgruppen wie Euronics und Electronic Partner hätten deshalb unisono bei den Herstellern auf eine Verlängerung der Zahlungsziele gepocht – in der Regel um 30 Tage. "Das stieß zunächst bei den meisten Herstellern auf taube Ohren", beobachtet ein Beteiligter. Mittlerweile haben viele Lieferanten allerdings eingelenkt. Das hängt offenbar auch damit zusammen, dass der Warenkreditversicherer Euler Hermes einige Tage gebraucht hat, um auf die Situation zu reagieren.

Nun zeigt sich die Branchengröße flexibler. Bis Ende Mai können Kunden des Warenkreditversicherers "mit ihren Abnehmern ohne vorherige Rücksprache die Zahlungsziele um maximal 60 Tage verlängern", erklärt Euler Hermes gegenüber der LZ. "Auch die Frist zur Einreichung von Forderungen zum Inkasso wird um 30 Tage verlängert", heißt es weiter. Beides gelte für kumulierte Forderungen bis 500 000 Euro. Für versicherte Unternehmen mit einem Umsatz von bis zu 25 Mio. Euro wiederum gelte "ein Zahlungsaufschub von Prämien und Servicegebühren bis Ende April", zudem sollen Zahlungen im Schadensfall beschleunigt werden.

Zugkräftige Events fallen weg

Verlängerte Zahlungsziele sorgen in der prekären Lage für Aufschub, lösen das Problem des Umsatzausfalls für die Händler allerdings nicht. "Noch ist unklar, wann wir überhaupt wieder aufmachen können", skizziert ein Handelsmanager die Unsicherheit. Und selbst wenn die Läden wieder öffnen sei die Perspektive unklar: Eingeplante, zugkräftige Events für Unterhaltungselektronik wie die Fußball-EM und Olympia fallen 2020 aus, die Verbraucher sind verunsichert, die Ware allerdings schon geordert. Will der Handel die Mengen nicht wie geplant abnehmen, dürfte dies zu weiteren Auseinandersetzungen mit Lieferanten führen, heißt es in Branchenkreisen.

Um für Entlastung zu sorgen, setzen viele Elektronikhändler auf Kurzarbeit. Allen voran Marktführer Media-Saturn, der vorerst bis Ende April für rund 20 000 Mitarbeiter in Deutschland entsprechende Leistungen bei der Bundesagentur für Arbeit beantragt hat. Die Zahlungen stockt der Konzern um 10 Prozent auf. Die Verbundgruppe Electronic Partner hat in ihren zentral geführten Medimax-Märkten bereits Kurzarbeit eingeführt. In der Zentrale passiert dies ab dem 1. April. Auch Expert geht diesen Schritt mit seiner Zentrale – vorerst bis zum 18. April. Konkurrent Euronics will sich je nach Bedarf auf "einzelne Mitarbeiter und Mitarbeitergruppen" beschränken. Den Fachhändlern, die an die Verbundgruppen angeschlossen sind, bleibt es selbst überlassen, ob sie Kurzarbeit beantragen.

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