Personal Brand Arbeit am Profil

von Julia Wittenhagen
Donnerstag, 05. November 2020
Self oder Personal Branding ist kein Hexenwerk. Jeder weiß, dass ein „Profil“ die Eintrittskarte in soziale Medien ist.  Das Corona-Jahr liefert gute Gründe, an der professionellen Sichtbarkeit zu arbeiten: Persönliche Begegnungen fallen aus, man wird zur Briefmarke bei der Zoom-Konferenz.  Tijen Onaran hat gerade ein Buch zum Thema geschrieben und ist bei Netzwerk-Events der Branche ein beliebter Gast.
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Tijan Onaran
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Tijan Onaran

Frau Onaran, Personal Branding scheint 2020 zum Modethema zu werden. Schürt das Homeoffice die Angst, von Vorgesetzten, Kollegen und Kunden vergessen zu werden? 

Die Corona-Pandemie trägt auf jeden Fall dazu bei, dass sich mehr Menschen Gedanken um ihre Sichtbarkeit machen. Ich habe das Manuskript für mein Buch "Nur wer sichtbar ist, findet auch statt" aber bereits Ende 2019 abgegeben. Für mich ist Personal Branding unabhängig von der Krise ein wichtiges Thema. Es betrifft jeden – egal ob CEO eines großen Unternehmens oder Auszubildende. Denn jede und jeder wird mal in die Situation kommen, in der es wichtig ist, dass andere wissen, wofür man steht. Das kann die Gehaltsverhandlung sein, eine Beförderung oder die Jobsuche. Und natürlich zahlt sich eine gute Positionierung auch in Krisenzeiten aus.

Wie kann man sich profilieren – wenn Dinge wie Vorträge halten oder das Engagement in Gremien momentan ausfallen?

Bevor ich mir über die Kanäle Gedanken mache, muss ich wissen, wofür ich stehe. Was sind meine Talente und Fähigkeiten? Es hilft, sich bewusst darüber zu sein, worin man gut ist, worin aber auch nicht. Im nächsten Schritt rate ich, das Umfeld zu fragen: Wie nehmt ihr mich wahr? Was sind Fähigkeiten, die euch einfallen, wenn ihr mit mir arbeitet? Zwischen der Eigen- und der Fremdwahrnehmung wird es Überschneidungen geben, die einem den Weg zu einer authentischen Positionierung weisen. Erst dann kann ich mir Gedanken darüber machen, über welche Kanäle ich gehen möchte. Dazu ist wichtig zu wissen, wen und was ich erreichen möchte. Suche ich einen neuen Job außerhalb des Unternehmens? Möchte ich, dass meine Vorgesetzten meine Leistung wahrnehmen, weil ich eine Beförderung anstrebe? Sichtbarkeit und Positionierung sind auf vielen Wegen möglich – online wie offline.

Die Lebensmittel Zeitung kürt alljährlich U30-Nachwuchskräfte der FMCG-Branche, die durch besondere Leistungen aufgefallen sind. Warum sollte zu deren Karriereplänen unbedingt auch mehr Self Branding gehören?

Erst einmal herzlichen Glückwunsch an die Preisträger und Preisträgerinnen! Ohne sie zu kennen, bin ich überzeugt, dass sie bereits vieles bei ihrem Personal Branding richtig machen. Sie haben nicht nur hervorragende Leistung gebracht, sondern diese auch sichtbar gemacht. Ich möchte sie ermutigen, weiter an ihrer Positionierung zu arbeiten. Stehen sie gerade für die Themen, für die sie auch wirklich stehen wollen? Zu Beginn meiner Karriere kandidierte ich im Landtagswahlkampf für die FDP. Da ich nicht wusste, was meine Themen sind, wurden sie für mich festgelegt. Das Ergebnis: Familie und Integration. Zwei Themen, zu denen ich als religionsfern aufgezogene, zwanzigjährige Frau zu dieser Zeit überhaupt keine Anknüpfungspunkte hatte. Auch wenn ich damit Erfolg hatte, war für mich seitdem klar: Ich lasse nie mehr andere über meine Positionierung entscheiden.

„Nur wenn ich selbst weiß, wofür ich stehe, kann ich auch gezielt auf Leute zugehen, die mich interessieren“
Tijen Onaran

Wie lässt sich die Sichtbarkeit in einer eher verschwiegenen Branche wie dem Einzelhandel erhöhen? Was geht immer – auch ohne Abstimmung mit der Pressestelle?

Auch hier sind wir wieder bei der Frage, welche Themen ich besetzen und was ich damit erreichen möchte. Angenommen, ich möchte mich in meinem Unternehmen weiterentwickeln, muss ich mir überlegen, wer mich dafür auf dem Zettel haben sollte. Dann kann ich mich zum Lunch oder Kaffee verabreden. Möchte ich mich auch außerhalb des Unternehmens positionieren, kann ich das etwa über Social-Media-Kanäle tun. Als Expertin für das Thema Einkauf könnte ich Fachartikel oder Zahlen und Fakten teilen und kommentieren. Das ist auch ohne Bezug zum Unternehmen möglich, in dem man aktuell arbeitet. Wichtig ist, dass ich mich mit den Personen vernetze, die für mich spannend sind und von denen ich mir wünsche, dass sie mich kennen.

Sollte jeder selbst in Sachen Personal Branding aktiv werden? Oder wo kann man sich Hilfe holen?

Das eigene Personal Branding sollte man auf jeden Fall selbst in die Hand nehmen. Sich damit zu beschäftigen, ist eine Investition in sich selbst und die eigene Unabhängigkeit. Beim Personal Branding geht es nicht darum, sich zu verkaufen, sondern sich zu positionieren. Nur wenn andere verstehen, wofür ich stehe, werden sie mich kontaktieren oder mir einen Job anbieten. Und nur wenn ich selbst weiß, wofür ich stehe, kann ich auch gezielt auf Leute zugehen, die mich interessieren. Ich profitiere in vielen Situationen von meiner Positionierung. Das Umfeld kann mir dabei natürlich helfen: Mentorinnen und Vorbilder können Orientierung und Inspiration zugleich sein.

Wie ist das mit Sichtbarkeit nach innen, ins Unternehmen? Wie können eher zurückhaltende, ruhige Typen sie steigern?

Personal Branding ist – weder online noch offline, extern oder intern – nur etwas für die "Lauten". Die Lautstärke bestimme ich selbst, niemand anderes. Gerade wer introvertiert ist, profitiert meiner Erfahrung nach von einem starken Markenkern. Denn wenn ich weiß, wofür ich stehe und mir Gedanken darüber gemacht habe, fällt es mir leichter, auch mit anderen darüber zu sprechen. Innerhalb des Unternehmens können das die erwähnten Verabredungen zum Mittagessen sein. Aber vielleicht gibt es auch ein Intranet, in dem ich etwas zu meinem Thema schreiben kann? Außerdem zahlt externe Positionierung immer auch auf die innerhalb des Unternehmens ein. Digitale Kanäle sind für viele introvertierte Menschen ideal. Sie helfen ihnen, zu beobachten und sich auf das Gegenüber einzulassen, ohne direkt (re-)agieren zu müssen.

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