Personalengpass manifestiert sich Mehr Fachkräfte für Food begeistern

von Silke Biester
Freitag, 22. November 2019
Gefragte Spezialisten: In Produktion und Technik sind Mitarbeiter rar.
Dusanpetkovic/iStock
Gefragte Spezialisten: In Produktion und Technik sind Mitarbeiter rar.
Der verstärkte Einsatz digitaler Technologien, der demografische Wandel sowie anhaltender Fachkräftemangel stellen die Ernährungswirtschaft vor Herausforderungen. Die Studie "HR Trends 2019" von ANG und AFC zeigt, wie Unternehmen sich der Situation stellen. Sie liegt der LZ vorab exklusiv vor.

Der Wandlungsdruck in der Konsumgüterwirtschaft hat viele Facetten: Veränderte Konsumgewohnheiten, hohe Innovationen sowie die zunehmende Digitalisierung und Internationalisierung bestimmen das Geschäftsumfeld und steigern den Bedarf an qualifiziertem Personal. Die Arbeitgebervereinigung Nahrung und Genuss (ANG) benennt die Trends im Personalwesen gemeinsam mit der AFC Personalberatung in der aktuellen Studie "HR Trends": Arbeiten 4.0 und Digitalisierung, Qualifizierung, Mitarbeitergewinnung und -bindung sowie Employer und Profession Branding.

Seit Jahren wird in der Branche Beschäftigung aufgebaut. Durchschnittlich gibt es hierzulande 14 000 offene Stellen, die der Bundesagentur für Arbeit vorliegen. Die tatsächliche Zahl wird auf das Doppelte geschätzt. Der Fachkräfteengpass spitzt sich zu: 85 Prozent der von AFC und ANG befragten Unternehmen spüren ihn "deutlich". Ein Jahr zuvor waren es nur 62 Prozent. Besonders in den wertschöpfenden Bereichen Produktion und Technik fehlt qualifiziertes Personal.

Vier von fünf Unternehmen stellen fest, dass die Bewerber anspruchsvoller geworden sind und offene Stellen länger unbesetzt bleiben. Die Fluktuation steigt, Bewerber sind oft weniger kompetent und jeder Zweite spürt den leer gefegten Arbeitsmarkt auch bei Führungskräften. Gleichzeitig geht die Zahl der Bewerber für die Berufsausbildung zurück, immer mehr Ausbildungsplätze bleiben unbesetzt. Daher gilt es, ungenutzte Potenziale zu aktivieren, um die Branche zukunftssicher aufzustellen: Junge Menschen sowie Geringqualifizierte sollten ebenso angesprochen werden wie auch ältere Beschäftigte und ausländische Fachkräfte.

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Um dem technologischen Fortschritt standhalten zu können, muss Lernen zur Normalität im Unternehmen gehören. 80 Prozent der Studienteilnehmer bestätigen, dass die Notwendigkeit für Weiterbildung steigt. In 72 Prozent der Unternehmen gibt es Coachingaktivitäten, mehr als die Hälfte bietet digitale Weiterbildung. Langfristig sollte Lernen am Arbeitsplatz bzw. im Arbeitsprozess zum Berufsalltag gehören, so die Empfehlung. Für die Identifikation der Qualifizierungsbedarfe nehmen Führungskräfte eine zentrale Rolle ein. Deshalb sollten sie sich selbst am meisten weiterbilden.

Die Mehrzahl der Unternehmen ist für Veränderung und "Arbeit 4.0" sensibilisiert: 93 Prozent ergreifen spezifische Maßnahmen. Die "Nutzung digitaler Verwaltungsprozesse" sowie "Stärkung der Eigenverantwortlichkeit" werden mit je 76 Prozent als erstes genannt, vor der "Förderung digitaler Medien zur internen Kommunikation" (67 Prozent), flexiblen Arbeitsmodellen (56 Prozent) sowie Maßnahmen und Managementsystemen zum Wissenstransfer (47).

Rekrutiert wird in den meisten Unternehmen klassisch über Homepage, Stellenanzeigen, Jobbörsen und Personalberater. Mobile Recruiting kommt in der Ernährungswirtschaft nur langsam voran. Eine Employer-Branding-Strategie zu entwickeln ist zum zentralen Thema der Arbeitgeber geworden. Allerdings ist die Zufriedenheit mit den eigenen Aktivitäten eher negativ. Die Ausstattung der Personalabteilung kann mit den gestiegenen Anforderungen und Aufgaben nicht mithalten.

Über die einzelbetrieblichen Aktivitäten hinaus wünschen sich 76 Prozent ein sektorübergreifendes Profession Branding, das die Berufsbilder attraktiv darstellt und bekannt macht, um den potenziellen Nachwuchs für die Branche zu begeistern. Gemeinsam wollen ANG und AFC 2020 eine solche Kampagne starten. Denn es wäre gut, kontinuierlich mehr Fachkräfte auszubilden. So ließe sich dem Knowhow-Verlust vorbeugen, der eintritt, wenn die Babyboomer bald scharenweise in Rente gehen.

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