Personalgewinnung Edeka Nord baut HR-Service für Händler aus

von Julia Wittenhagen
Freitag, 30. August 2019
Viel beschäftigter Ratgeber: Michael Fink, Geschäftsbereichsleiter Personal bei Edeka Nord
Edeka Nord
Viel beschäftigter Ratgeber: Michael Fink, Geschäftsbereichsleiter Personal bei Edeka Nord
Mitarbeiter finden, binden und entwickeln für Fleischwerk und Großhandel, gehört zum Tagesgeschäft der 50 Personaler bei Edeka Nord. Doch auch von den selbstständigen Einzelhändlern wird die Region immer öfter um Hilfe gebeten, wenn Stellen schwer zu besetzen sind. Personalleiter Michael Fink vergisst nie, auf die wachsende Bedeutung guter Führung hinzuweisen.

Herr Fink, Sie sind seit acht Jahren Personalleiter bei Edeka Nord. Ganz kurz vorweg, was unterscheidet Ihre von den sechs anderen Edeka-Regionen?

Unser Spektrum reicht von dünn besiedelten Flächen in Mecklenburg-Vorpommern mit hoher Wettbewerbsdichte bis zur Metropolregion Hamburg, wir versorgen die Inseln und viele Ferienregionen. Deshalb brauchen wir im Lager und den Märkten viele Leute für die Sommersaison und sind dabei sehr wetterabhängig. Typisch für uns ist auch eine sehr hohe Dichte an selbstständigen Einzelhändlern. Nur 20 der 670 Märkte sind Regie-Betriebe. Insgesamt gehören zu Edeka Nord rund 30 000 Mitarbeiter. Hier am Standort Neumünster arbeiten rund 600 Personen in der Verwaltung und 600 im Lager. Darüber hinaus gibt es zwei Großhandelsstandorte sowie unser Fleischwerk mit insgesamt rund 1 700 Beschäftigten.

Wofür ist Ihre Abteilung zuständig?

Für die Gewinnung, Betreuung, Entwicklung und Bindung von Mitarbeitern und Azubis im Einzelhandel, Großhandel und im Produktionsbetrieb. Die selbstständigen Einzelhändler unterstützen wir dabei je nach Bedarf.

Was war Ihr größter Erfolg im letzten Jahr?

Wir haben alle 72 Ausbildungsstellen im Großhandel und Fleischwerk besetzt! Im Bereich HR haben wir die Digitalisierung vorangetrieben. Auch merken wir, dass wir als interner Dienstleister gefragter sind denn je. Die positive Wahrnehmung von HR ist beim Einzelhändler angekommen.

„Wir werden die HR-Angebote für selbstständige Einzelhändler weiter ausbauen“

Ist Personalgewinnung derzeit Ihre dringlichste Aufgabe?

Ja, wir haben Vollbeschäftigung. Der Arbeitsmarkt ist leergefegt und durch die demographische Entwicklung fehlen uns Fachkräfte. Hinzu kommt, dass die Generation Z völlig anders tickt: Die Kandidaten erwarten von uns, dass wir uns als attraktiver Arbeitgeber präsentieren. Recruiting nimmt also an Bedeutung zu, wir müssen aktiv suchen, wir müssen raus auf den Markt und die Bewerber direkt ansprechen. Die selbstständigen Händler kommen immer öfter auf uns zu, weil sie Hilfe bei der Personalakquise benötigen.

Wie schlimm ist der Arbeitskräftemangel im Norden?

Edeka ist bekannt. Das hilft, bestimmte Bewerber zu bekommen. Bei Kassierern oder Marktmitarbeitern haben wir deshalb noch keine Not. Was uns fehlt, sind IT-Fachkräfte, Berufskraftfahrer, Experten für Ladenbau und Standortgewinnung. Im Einzelhandel sind es Fleischereimeister und Fachverkäufer für die Bedientheke. Früher kam der Nachwuchs häufig aus kleinen Familienbetrieben, aber die sterben aus. Wir sind immer mehr auf die Expertise unseres Fleischwerks angewiesen. Dessen Mitarbeiter unterstützen die Märkte und schulen die Mitarbeiter vor Ort.



Ist Personalmangel schon ein Expansionsrisiko?

Noch können wir Engpässe überbrücken: In Kürze werden wir einem selbstständigen Händler bei seiner Eröffnung mit einem Speed-Dating im noch nicht geöffneten Markt helfen, Bewerber zu finden. Ein Quereinsteigerprogramm im Fleischbereich soll Leute fit für die Theke machen, die mit Lebensmitteln schon einmal zu tun hatten. Studenten, Schüler und Aushilfen können im Kassenbereich unterstützen.

Welche neuen Wege gehen Sie, um Personal zu gewinnen?

Wir setzen erfolgreich Flüchtlinge in selbstständigen Märkten und im Großhandel ein. Was uns auch weiterbringt, ist die Zusammenarbeit mit drei HR-Start-ups: Sie beschaffen uns aus einem Pool von Studenten und Aushilfen Leute, die auch mal zwei Tage à drei Stunden kommen können, suchen mit Algorithmen die richtigen Kanäle nach bestimmten Berufsgruppen ab und organisieren Bewerbungen über das Handy. Es lohnt sich wirklich, neue Lösungen auszuprobieren.



Nach dem Finden kommt das Binden. Was tut Edeka Nord für glückliche Mitarbeiter?

Ich bin fest davon überzeugt, dass Arbeit Spaß machen muss, damit wir motiviert ankommen, wo wir den größten Teil des Tages verbringen. Dabei wird der Ausgleich von Familie und Beruf immer wichtiger. Auch Führungskräfte müssen lernen, dass sie die Work-Life-Balance der Mitarbeiter unterstützen, egal ob es um Schwangerschaft oder Pflege geht. Ich spreche für den Großhandel, der selbstständige Einzelhandel entscheidet selbst. Aber auch dort wird man mehr auf die Mitarbeiter-Bedürfnisse eingehen müssen.

Wie offen sind die Einzelhändler für stärkere Mitarbeiterorientierung?

Unsere Einzelhändler erkennen durch den Fachkräftemangel die Schwierigkeit, geeignetes Personal zeitnah zu finden. Trotzdem bleibt die Aufklärung eine Herausforderung für mich als Personaler. Ich sehe es auch als gewaltige Aufgabe an, den verschiedenen Generationen gerecht zu werden. Nie waren sie unterschiedlicher als heute. Bei den Babyboomern steht die Karriere an erster Stelle, bei der Generation Z ist der Ausgleich zwischen Beruf, Privatleben und Familie oft viel wichtiger. Sie wollen je nach Lebensabschnitt anders arbeiten. Motto: Jetzt will ich Karriere machen, danach will ich mich um die Kinder kümmern, im Anschluss wieder Vollzeit arbeiten. Dabei wollen wir unterstützen.

Wie transportiert man Kultur nach außen?

Die Generation Z beruft sich gern auf Freunde und Familie sowie Zitate unserer Mitarbeiter im Netz. Ab September werden wir daher unser Mitarbeiterempfehlungsprogramm noch leichter nutzbar machen. Dann kann jeder Mitarbeiter freie Stellen über Kanäle wie Whatsapp, Xing oder Facebook teilen und dafür Prämien erhalten. Wir laden Familienangehörige zu bestimmten Veranstaltungen ein und auch unsere Azubi-Bestenehrung hat eine gute Außenwirkung. Vor acht Jahren haben wir ganz klein angefangen. Heute feiern wir in einer tollen Hamburger Location rund 120 Azubis mit der Note 2 oder besser aus Groß- und Einzelhandel und der Produktionsstätte von Edeka Nord.

An welchen Projekten arbeiten Sie jetzt gerade?

Die Auseinandersetzung mit unserer Unternehmenskultur wird uns weiter beschäftigen, die Aufstiegsmöglichkeiten in Fachkarrieren und das Onboarding treiben wir voran. Und wir werden die HR-Angebote für selbstständige Einzelhändler weiter ausbauen.

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