Personalmaßnahmen Gesundheit bleibt Top-Thema

von Silke Biester und Julia Wittenhagen
Freitag, 15. Januar 2021
Schutz vor Ansteckung: Beim Testen und Impfen ist noch Luft nach oben.
Fotos: Carsten Milbret; Penofoto/Imago Images
Schutz vor Ansteckung: Beim Testen und Impfen ist noch Luft nach oben.
Personalmaßnahmen
Gesundheit bleibt Top-Thema
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Der Schutz der Mitarbeiter vor Ansteckung, hält die Unternehmen auch 2021 in Atem. Nach den Corona-Hygienekonzepten, rücken Impfangebote und die psychischen Auswirkungen der Pandemie in den Fokus.

Dass der gesundheitliche Schutz von Mitarbeitern und Kunden höchste Priorität hat, betonen nach einem knappen Jahr Pandemie alle von der LZ befragten Unternehmen. Im Detail unterscheidet sich die Umsetzung ebenso wie die Vorgabe der Politik in den Bundesländern.

Vor wenigen Wochen wurde Edeka Minden-Hannover mit dem Corporate Health Award ausgezeichnet, was man als Anerkennung des dortigen Konzepts interpretieren kann. Grundsätzlich achten die Edekaner darauf, die sich immer wieder ändernden Vorschriften konsequent umzusetzen. Einen Schritt weiter als andere geht der Händler etwa bei den Tests: "Wir bieten bereits heute regelmäßig Corona-Antigen-Schnelltests für Mitarbeitende aus allen Geschäftsbereichen an", erklärt André Pointmayer, Geschäftsbereichsleiter Personalentwicklung. "Diese Tests werden vorwiegend anlassbezogen im Verdachtsfall durchgeführt." Darüber hinaus werden in den Produktionsbetrieben von Bauerngut und Schäfer’s wöchentlich stichprobenartig Mitarbeiter auf das Coronavirus getestet.

Auch bei der Rügenwalder Mühle gibt es seit Monaten Covid-Tests für Mitarbeiter, seit Dezember zusätzlich Schnelltests. An allen Eingängen zum Betriebsgelände werden zudem kontaktlose Temperaturmessungen über Wärmebildkameras durchgeführt.

Vom Arbeitgeber angebotene Tests gibt es bei Aldi Nord und vielen anderen Unternehmen nicht. "Wir überprüfen kontinuierlich unsere Maßnahmen und werden das auch weiterhin tun, um sie gemäß der jeweiligen Situation anpassen zu können", heißt es etwa aus Essen. Bald könnten auch Impfungen dazu gehören: "Aktuell ist unklar, ob der Gesetzgeber Betriebsärzte in das Impfgeschehen einbinden wird. Sollte es künftig der Fall sein, werden wir die Möglichkeiten prüfen."

Grundsätzlich können Betriebsärzte hierzulande Impfungen vornehmen. Viele sind den Empfehlungen des Robert Koch Instituts gefolgt und haben ihre Beschäftigten verstärkt gegen Grippe geimpft – natürlich als freiwilliges Angebot. Denn zur Impfung verpflichten darf ein Arbeitgeber sein Team nicht. Bis es ein Impfangebot gegen Corona über die Betriebsärzte geben kann, dauert es allerdings noch. Der nationalen Impfstrategie entsprechend, muss dafür großflächig Impfstoff verfügbar sein, dessen Anforderungen an Logistik und Kühlung in den Unternehmen zu bewerkstelligen sind. "Es ist noch zu früh, um über betriebliche Impfmaßnahmen zu sprechen", ergänzt Gabriele Hässig, Kommunikations-Geschäftsführerin bei Procter & Gamble, "da in den nächsten Monaten die Risikogruppen klar priorisiert sind."

Bisher getroffene Vorsichtsmaßnahmen wie die AHA-L-Regeln und umfassende Homeoffice-Angebote bleiben wohl noch lange Unternehmensrealität. Das steigert auch im Privaten den Stress infolge von häuslicher Enge sowie fehlender Kinderbetreuung und Freizeitgestaltung.

Bei Procter ist man sich bewusst, dass die Covid-Pandemie auch ohne konkrete Erkrankung belastend ist. "Wir bieten verschiedene Unterstützungsleistungen an: Das beginnt bei digitalen Sportangeboten und Achtsamkeitsübungen und reicht über persönliche Beratung und digitale Team-Events bis hin zu psychologischer Unterstützung", berichtet Gabriele Hässig.

Wenn Politiker aktuell noch konsequentere Homeoffice-Angebote fordern, so trifft dies in Unternehmen und bei Beschäftigten auch auf Ermüdungserscheinungen. "Es darf nicht außer Acht gelassen werden, dass es ohne persönliche Erlebnisse und Kontakte mitunter zu einer gewissen Entfremdung kommen kann", gibt Dirk Schlautmann, Personalchef bei Dr. Oetker, zu bedenken. Die Bielefelder setzen aktuell zwar umfassend auf Mobile Work, erkennen aber durchaus Grenzen für die Kreativität und Innovation. Auch der Außendienst lässt sich nicht gänzlich per Videotelefonie realisieren. Bei Oetker setzt man auf risikooptimierte Tourenplanung: Fahrtziele werden tagesaktuell mit dem digitalen Covid-19-Dashboard des Robert Koch Instituts abgeglichen, um den Besuch von Hotspots zu vermeiden.

Trotz der Hoffnung auf baldige Herdenimmunität durch umfassende Impfungen, ist vorerst noch Geduld gefragt: "Wir rechnen damit, dass Corona auf jeden Fall bis nächsten Winter ein Thema sein wird und viele Regularien und Anforderungen auch feste Bestandteile der zukünftigen Arbeitsschutzvorschriften sein werden", ist man bei der Rügenwalder Mühle überzeugt.

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